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Pyometra

4 Min Lesezeit
Pyometra
Inhalt
  1. Warum entsteht eine Pyometra?
  2. Offene oder geschlossene Pyometra – ein wichtiger Unterschied
  3. Symptome, die Alarm schlagen sollten
  4. Wie stellt der Tierarzt die Diagnose?
  5. Behandlung: Keine Zeit verlieren
  6. Prognose und Vorbeugung

Pyometra – das klingt für viele zunächst fremd, ist aber eine der gefährlichsten Erkrankungen, die eine Hündin treffen kann: eine schwere Gebärmutterentzündung, bei der sich Eiter in der Gebärmutter ansammelt. Besonders gefährdet sind ältere, nicht kastrierte Hündinnen, und die Erkrankung schleicht sich oft direkt nach einer Läufigkeit ein. Wer zögert, riskiert das Leben seines Tieres – ohne Behandlung drohen Sepsis, Nierenversagen und im schlimmsten Fall der Tod.

Warum entsteht eine Pyometra?

Der Auslöser steckt im Hormonsystem. Nach der Läufigkeit (Östrus) schnellt der Progesteronspiegel in die Höhe, die Gebärmutterschleimhaut verdickt sich, und gleichzeitig drosselt der Körper seine Immunantwort. Diese Kombination ist fatal: Bakterien – am häufigsten Escherichia coli (E. coli) – nutzen den geschwächten Abwehrschutz und wandern über die Vagina in die Gebärmutter.

Einige Faktoren erhöhen das Risiko zusätzlich:

  1. Fehlende Kastration: Hündinnen, die nie kastriert wurden, durchlaufen regelmässig hormonelle Zyklen – und damit wiederholt ein erhöhtes Erkrankungsfenster.
  2. Hormonelle Mittel: Hormonspritzen oder Hormonimplantate, die die Läufigkeit unterdrücken sollen, können das hormonelle Gleichgewicht kippen und das Pyometra-Risiko steigern.
  3. Alter: Ab etwa sechs Jahren häufen sich die Fälle – je länger eine Hündin hormonellen Schwankungen ausgesetzt war, desto grösser das Risiko.

Offene oder geschlossene Pyometra – ein wichtiger Unterschied

Nicht jede Pyometra sieht gleich aus. Entscheidend ist, ob der Gebärmutterhals offen oder verschlossen ist:

  1. Offene Pyometra: Der Gebärmutterhals steht offen, der Eiter kann nach aussen abfliessen. Erkennbar ist das oft an eitrigem oder blutig-eitrigem Ausfluss aus der Vagina – häufig das erste Zeichen, das Halter überhaupt bemerken. Der Verlauf wirkt weniger dramatisch, doch ernst ist die Lage trotzdem.
  2. Geschlossene Pyometra: Hier ist der Gebärmutterhals verschlossen, der Eiter staut sich im Inneren. Kein sichtbarer Ausfluss, dafür schwillt die Gebärmutter gefährlich an. Im schlimmsten Fall reisst sie – mit Peritonitis (Bauchfellentzündung) und Sepsis als lebensbedrohlichen Folgen.

Symptome, die Alarm schlagen sollten

Das Tückische: Die Anzeichen variieren stark, je nach Infektionstyp und Krankheitsstadium. Folgendes sollte unmittelbar zum Tierarzt führen:

  1. Vaginalausfluss (bei offener Pyometra): Eitriger oder blutig-eitriger Ausfluss mit oft unangenehmem Geruch.
  2. Appetitlosigkeit und übermässiges Trinken: Viele Hündinnen fressen kaum noch, saufen aber auffällig viel (Polydipsie).
  3. Fieber: Tritt auf, wenn die Infektion weiter fortgeschritten ist.
  4. Lethargie und Schwäche: Die Hündin wirkt träge und abgeschlagen, hat Mühe aufzustehen oder sich zu bewegen.
  5. Erbrechen und Durchfall: Zeichen dafür, dass die Infektion den gesamten Organismus erfasst hat.
  6. Aufgeblähter Bauch: Besonders bei geschlossener Pyometra – ein geschwollener Bauch kann auf die massive Eiteransammlung hinweisen.
  7. Häufiges Urinieren: Die systemische Entzündung treibt Hündinnen dazu, deutlich mehr zu trinken und häufiger Wasser zu lassen.

Wie stellt der Tierarzt die Diagnose?

Kein einzelner Test reicht – die Diagnose ergibt sich aus mehreren Bausteinen:

  1. Blutuntersuchung: Erhöhte weisse Blutkörperchen (Leukozytose) deuten auf eine Infektion hin. Sind die Nieren bereits beteiligt, zeigen sich auch auffällige Nierenwerte.
  2. Ultraschall: Die zuverlässigste Methode. Eine vergrösserte, flüssigkeitsgefüllte Gebärmutter ist der typische Befund, den erfahrene Tierärzte auf den ersten Blick erkennen.
  3. Röntgenaufnahme: Vor allem bei geschlossener Pyometra kann das Röntgenbild die aufgeschwollene Gebärmutter sichtbar machen.

Behandlung: Keine Zeit verlieren

Eine Pyometra ist ein medizinischer Notfall. Die mit Abstand wirksamste Therapie ist die chirurgische Entfernung der Gebärmutter (Ovariohysterektomie). Konservative Ansätze gibt es zwar, sie kommen aber nur in Ausnahmefällen infrage und gehen mit deutlich höherem Risiko einher.

  1. Ovariohysterektomie: Gebärmutter und Eierstöcke werden entfernt – die Infektionsquelle ist damit beseitigt, und hormonbedingte Rückfälle werden dauerhaft verhindert. Je früher der Eingriff, desto besser die Chancen.
  2. Antibiotika: Ergänzend zur OP erhalten Hündinnen Breitspektrum-Antibiotika, um die Bakterienlast zu senken und Komplikationen wie Sepsis abzuwehren.
  3. Infusionstherapie: Bei schwerem Verlauf ist eine intravenöse Flüssigkeitsgabe nötig, um den Kreislauf zu stabilisieren – besonders wenn die Hündin stark dehydriert ist oder sich bereits im Schockzustand befindet.
  4. Konservative Behandlung: Nur bei offener Pyometra und ausschliesslich bei Zuchthündinnen kommt in seltenen Fällen eine medikamentöse Option in Betracht. Prostaglandine sollen den Gebärmutterhals öffnen und den Eiterabfluss fördern. Das Rückfallrisiko bleibt dabei hoch, eine engmaschige tierärztliche Überwachung ist unverzichtbar.

Prognose und Vorbeugung

Die gute Nachricht: Hündinnen, die rechtzeitig operiert werden, erholen sich meist vollständig. Die schlechte: Je länger die Erkrankung unbehandelt bleibt, desto grösser wird das Risiko für Organversagen und Tod.

Den sichersten Schutz bietet die Kastration – am besten bevor das Alter das hormonelle Risiko messbar ansteigen lässt. Wer seine Hündin nicht kastrieren lassen möchte oder kann, sollte in den Wochen nach jeder Läufigkeit besonders aufmerksam sein.