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Pulmonalklappe

4 Min Lesezeit
Pulmonalklappe
Inhalt
  1. Funktion der Pulmonalklappe
  2. Erkrankungen der Pulmonalklappe
  3. Diagnose von Pulmonalklappenerkrankungen
  4. Behandlungsmöglichkeiten
  5. Prognose

Die Pulmonalklappe ist eine von vier Herzklappen – und eine, die im Alltag kaum Beachtung bekommt, bis sie Probleme macht. Ihre Aufgabe: den Blutfluss vom rechten Ventrikel zur Lunge kontrollieren. Sie sitzt genau zwischen dem rechten Ventrikel und dem Truncus pulmonalis (Lungenarterie). Während der Systole, also wenn das Herz sich zusammenzieht, öffnet sie sich und lässt Blut Richtung Lunge strömen. In der Diastole, der Entspannungsphase, schliesst sie sich wieder – damit kein Blut aus der Lungenarterie zurück in den Ventrikel fliesst.

Funktion der Pulmonalklappe

Im Grunde hat die Pulmonalklappe einen schlichten, aber lebenswichtigen Job: sauerstoffarmes Blut aus dem rechten Ventrikel in die Lungen weiterleiten, wo es frisch mit Sauerstoff beladen wird. Sie öffnet sich, sobald der Blutdruck im rechten Ventrikel während der Systole ausreichend ansteigt – und schliesst sich wieder, wenn der Ventrikel nachlässt und der Druck im Truncus pulmonalis überwiegt.

  1. Öffnung der Klappe: Bei der Kontraktion des rechten Ventrikels wird sauerstoffarmes Blut durch die Pulmonalklappe in die Lungenarterie und von dort weiter in die Lungen gepumpt.
  2. Schliessung der Klappe: In der Diastole schliesst die Pulmonalklappe, um den Rückfluss von Blut aus der Lungenarterie in den rechten Ventrikel zu verhindern.

Erkrankungen der Pulmonalklappe

Mehrere Erkrankungen können die Funktion der Pulmonalklappe beeinträchtigen. Die zwei häufigsten, mit denen Tierärzte bei Hunden konfrontiert werden, sind Pulmonalstenose und Pulmonalklappeninsuffizienz – beide mit sehr unterschiedlichem Verlauf.

Pulmonalstenose

  • Pulmonalstenose ist meist eine angeborene Erkrankung, bei der die Pulmonalklappe verengt ist. Die Folge: Der Blutfluss vom rechten Ventrikel in die Lungenarterie wird gebremst, das Herz muss mehr Kraft aufwenden – und der rechte Ventrikel kann sich als Reaktion darauf verdicken (Hypertrophie).
  • Symptome: Betroffene Hunde zeigen teils Schwäche, Atemnot oder Ohnmachtsanfälle; in fortgeschrittenen Fällen kann es auch zu Bauchwassersucht durch Flüssigkeitsansammlungen kommen. Bei starker Ausprägung droht eine Herzinsuffizienz.
  • Diagnose: Mittel der Wahl ist die Echokardiographie (Herzultraschall), die Aufschluss über Struktur und Funktion der Klappe gibt. Ergänzend können Röntgenbild und EKG helfen, die Auswirkungen der Stenose auf das Herz besser einzuschätzen.
  • Behandlung: Leichte Fälle werden zunächst regelmässig beobachtet, ohne sofort einzugreifen. Bei schwerer Stenose kommt häufig die Ballonvalvuloplastie zum Einsatz – ein Ballonkatheter wird in die verengte Klappe eingeführt und aufgedehnt. Eine offene chirurgische Korrektur ist nur in seltenen Ausnahmefällen nötig.

Pulmonalklappeninsuffizienz

  • Pulmonalklappeninsuffizienz entsteht, wenn die Pulmonalklappe nicht mehr vollständig schliesst – Blut fliesst dann aus der Lungenarterie zurück in den rechten Ventrikel. Ursachen können eine Klappenschädigung, eine Infektion oder ein angeborener Defekt sein.
  • Symptome: Oft fallen die Beschwerden zunächst milder aus als bei der Pulmonalstenose. Manche Hunde zeigen Atembeschwerden, Herzgeräusche oder eine geringere Belastungstoleranz. In schweren Verläufen kann eine Rechtsherzinsuffizienz entstehen.
  • Diagnose: Auch hier ist die Echokardiographie das zentrale Werkzeug – sie erlaubt es, den Schweregrad der Insuffizienz zu beurteilen und den Blutfluss genau zu untersuchen.
  • Behandlung: Leichte Insuffizienzen werden oft nur beobachtet. Liegt bereits eine Herzinsuffizienz vor, können Medikamente eingesetzt werden, um die Herzfunktion zu stützen und überschüssige Flüssigkeit abzubauen.

Diagnose von Pulmonalklappenerkrankungen

Die Abklärung einer Pulmonalklappenerkrankung stützt sich in der Praxis auf mehrere Methoden, die sich gegenseitig ergänzen:

  1. Auskultation: Schon beim Abhören mit dem Stethoskop kann der Tierarzt charakteristische Herzgeräusche hören, die auf eine Klappenproblematik hindeuten.
  2. Echokardiographie: Der Herzultraschall liefert detaillierte Bilder der Pulmonalklappe und zeigt, wie Blutfluss und Klappenfunktion tatsächlich aussehen.
  3. Röntgenbilder: Das Röntgenbild des Brustkorbs kann vergrösserte Herzkammern oder Flüssigkeit in der Lunge als Zeichen einer Herzinsuffizienz sichtbar machen.
  4. Elektrokardiogramm (EKG): Das EKG deckt Herzrhythmusstörungen auf, die auf eine zugrundeliegende Herzerkrankung hinweisen können.

Behandlungsmöglichkeiten

Was am Ende die richtige Behandlung ist, hängt stark vom Schweregrad und den konkreten Beschwerden des Hundes ab. Manche Tiere brauchen zunächst nichts weiter als regelmässige Kontrolltermine – andere benötigen medizinische oder sogar chirurgische Eingriffe.

Bei leichter Pulmonalstenose oder Pulmonalklappeninsuffizienz können Herzmedikamente verschrieben werden, um die Herzfunktion zu stützen, den Blutdruck zu regulieren und Flüssigkeitsansammlungen zu reduzieren. Diuretika kommen hinzu, wenn der Hund bereits unter den Folgen einer Herzinsuffizienz leidet.

Bei schwerer Pulmonalstenose ist die Ballonvalvuloplastie oft die Methode der Wahl: Ein kleiner Ballonkatheter wird in die verengte Klappe eingeführt, aufgeblasen und dehnt sie so auf – ein minimalinvasiver Eingriff mit oft guten Ergebnissen.

In sehr schweren Fällen, bei denen andere Massnahmen nicht ausreichen, kann eine operative Korrektur der Pulmonalklappe notwendig werden.

Prognose

Wie es einem Hund mit Pulmonalklappenerkrankung langfristig ergeht, hängt wesentlich von Art und Schweregrad der Diagnose ab:

  • Hunde mit leichter Pulmonalstenose oder Pulmonalklappeninsuffizienz führen häufig ein weitgehend normales Leben – vorausgesetzt, die Erkrankung wird regelmässig kontrolliert und bei Bedarf behandelt.
  • Schwere Verläufe, insbesondere mit bestehender Herzinsuffizienz, haben eine ungünstigere Prognose. Mit gezielter Therapie lässt sich die Lebensqualität aber oft spürbar verbessern und das Fortschreiten der Erkrankung bremsen.