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Parese

5 Min Lesezeit
Parese
Inhalt
  1. Ursachen einer Parese bei Hunden
  2. Symptome einer Parese bei Hunden
  3. Diagnose der Parese bei Hunden
  4. Behandlung der Parese bei Hunden
  5. Prognose

Parese bezeichnet eine teilweise Lähmung oder Muskelschwäche, die durch eine Nervenschädigung ausgelöst wird. Der entscheidende Unterschied zur Paralyse – also zur vollständigen Lähmung – liegt darin, dass betroffene Hunde noch eine gewisse Restbeweglichkeit und Muskelkontrolle besitzen. Das klingt zunächst nach einer Kleinigkeit, macht in der Praxis aber einen grossen Unterschied – sowohl für die Therapiechancen als auch für den Alltag des Hundes. Die zugrunde liegenden Nervenschädigungen können sehr unterschiedliche Ursachen haben und äussern sich meist als eingeschränkte Beweglichkeit im betroffenen Körperbereich.

Ursachen einer Parese bei Hunden

Warum ein Hund eine Parese entwickelt, lässt sich nicht pauschal beantworten – die Auslöser sind vielfältig:

Traumatische Verletzungen: Unfälle – Verkehrsunfälle, Stürze, Bisswunden – können Nerven im Rückenmark oder im peripheren Nervensystem so stark beschädigen, dass eine Parese entsteht.

Bandscheibenvorfall (Diskopathie): Verrutscht oder reisst eine Bandscheibe zwischen zwei Wirbeln, drückt sie auf die Rückenmarksnerven und kann eine Parese auslösen. Besonders häufig trifft das Hunde mit langem Rücken – Dackel kennen dieses Problem leider gut.

Wirbelsäulenerkrankungen: Erkrankungen wie Spondylose, Wirbelkanalstenose oder Degenerative Myelopathie schädigen die Nervenwurzeln und führen zu Schwäche oder teilweiser Lähmung der betroffenen Gliedmassen.

Infektionen: Erreger wie Ehrlichiose, Borreliose (Lyme-Borreliose) oder Staupe können das Nervensystem angreifen – meist das zentrale –, Entzündungen verursachen und so eine Parese mitbedingen.

Tumore: Ein Tumor im Rückenmark oder Gehirn übt Druck auf die Nerven aus. Wie schwer die Parese ausfällt und welche Körperbereiche betroffen sind, hängt massgeblich von Lage und Grösse des Tumors ab.

Nervenverletzungen: Schnitte oder Quetschungen an den Extremitäten – also periphere Nervenverletzungen – können die Muskeln in diesem Bereich partiell lähmen.

Toxine: Manche Gifte greifen direkt das Nervensystem an. Das Gift bestimmter Zecken (Stichwort: Zeckenlähmung) oder Schlangengifte sind bekannte Beispiele für toxisch bedingte Paresen.

Neuromuskuläre Erkrankungen: Bei Erkrankungen wie Myasthenia gravis ist die Signalübertragung zwischen Nerven und Muskeln gestört – auch das kann zu ausgeprägter Schwäche oder Parese führen.

Symptome einer Parese bei Hunden

Was man sieht, hängt stark davon ab, wie schwer die Nervenschädigung ist und welcher Bereich betroffen wurde. Typische Anzeichen sind:

Schwäche in den Gliedmassen: Der Hund bewegt ein oder mehrere Beine deutlich kraftloser – Pfoten schleifen über den Boden, der Gang wirkt unsicher.

Schwierigkeiten beim Aufstehen und Gehen: Das Hochkommen aus der Liegeposition fällt schwer, der Gang ist unkoordiniert oder schwankend. Stolpern und Ausrutschen häufen sich.

Veränderte Körperhaltung: Hunde kompensieren instinktiv – sie nehmen eine ungewöhnliche Haltung ein, um das betroffene Bein zu entlasten. Das sieht manchmal seltsam aus, ist aber ein deutliches Signal.

Verlust von Reflexen: Knie- oder Pfotenreflex sind abgeschwächt oder ganz ausgefallen. Das prüft der Tierarzt routinemässig bei der Untersuchung.

Muskelschwund (Atrophie): Hält die Parese länger an, baut die Muskulatur im betroffenen Bereich ab – schlicht weil sie zu wenig bewegt wird.

Inkontinenz: Betrifft die Parese den unteren Rücken oder das Becken, können auch die Nerven für Blase und Darm in Mitleidenschaft gezogen sein – unkontrolliertes Wasserlassen oder Probleme beim Kotabsatz sind dann möglich.

Diagnose der Parese bei Hunden

Eine Parese zuverlässig zu diagnostizieren, erfordert mehr als einen kurzen Blick. Der Tierarzt geht dabei schrittweise vor:

Klinische Untersuchung: Reflexe testen, Schwäche und Lähmungszeichen abklären, die Gehfähigkeit beurteilen – das ist der erste und oft schon sehr aussagekräftige Schritt.

Bildgebende Verfahren: Röntgenaufnahmen helfen, Wirbelsäulenverletzungen oder Knochenveränderungen einzugrenzen. Für genauere Einblicke ins Rückenmark und Nervensystem kommen MRT (Magnetresonanztomographie) oder CT (Computertomographie) zum Einsatz – etwa um Bandscheibenvorfälle oder Tumore sichtbar zu machen.

Bluttests: Blutuntersuchungen können Infektionen wie Borreliose oder Ehrlichiose aufdecken und andere systemische Erkrankungen ausschliessen.

Elektromyographie (EMG): Die Methode misst die elektrische Aktivität der Muskeln und liefert wichtige Hinweise auf neuromuskuläre Erkrankungen.

Nervenleitgeschwindigkeitstests: Diese Tests prüfen, wie gut die peripheren Nerven noch funktionieren – und zeigen, ob und wo eine Nervenverletzung vorliegt.

Behandlung der Parese bei Hunden

Die Therapie richtet sich nach Ursache und Ausmass der Nervenschädigung – es gibt keine Einheitslösung:

Medikamente: Bei Entzündungen oder Infektionen kommen entzündungshemmende Mittel (zum Beispiel Kortikosteroide) oder Antibiotika gegen die Grunderkrankung zum Einsatz. Zusätzlich können Schmerzmittel helfen, die Beschwerden zu lindern.

Operation: Bei Bandscheibenvorfällen, Tumoren oder Wirbelbrüchen ist oft ein chirurgischer Eingriff notwendig, um den Druck auf die Nerven zu beseitigen und die Funktion soweit möglich wiederherzustellen.

Physiotherapie: Physio und Rehabilitation sind keine netten Extras, sondern zentrale Bausteine der Behandlung. Sie helfen, Muskelkraft aufzubauen, die Beweglichkeit zu verbessern und Atrophie zu bremsen. Hydrotherapie (Wassergymnastik) ist dabei besonders beliebt – die Auftriebskraft des Wassers entlastet die Gelenke, während der Hund trotzdem trainiert.

Ergänzende Therapien: Akupunktur oder Lasertherapie werden begleitend eingesetzt und können die Durchblutung fördern sowie die Nervenregeneration unterstützen – als alleinige Massnahme reichen sie aber in der Regel nicht aus.

Pflege und Alltagsunterstützung: Bei schwerer Parese brauchen Hunde oft konkrete Hilfe im Alltag – Schleppgeschirre oder Hunderollstühle ermöglichen mehr Selbstständigkeit. Ist die Blasen- oder Darmfunktion eingeschränkt, muss die Blasenentleerung unter Umständen manuell unterstützt werden, um Folgeinfektionen zu verhindern.

Prognose

Wie gut die Chancen stehen, hängt stark von Ursache und dem tatsächlichen Ausmass der Nervenschädigung ab:

Bei traumatischen Verletzungen ist die Prognose vergleichsweise gut – vorausgesetzt, die Behandlung erfolgt früh und die Nerven sind nicht vollständig durchtrennt.

Beim Bandscheibenvorfall spielt Tempo eine entscheidende Rolle: Je schneller operiert wird, desto besser stehen die Chancen auf Erholung.

Tumorerkrankungen und degenerative Erkrankungen erfordern eine vorsichtigere Einschätzung – vor allem dann, wenn die Nerven dauerhaft geschädigt sind.

Bei Infektionen oder toxischen Lähmungen ist die Prognose variabel: Schweregrad und Zeitpunkt des Behandlungsbeginns sind die entscheidenden Faktoren.