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Liquordiagnostik

Eine Liquoruntersuchung beim Hund ist eine Untersuchung der Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit (Liquor cerebrospinalis, CSF), wobei unter Narkose eine kleine Menge Flüssigkeit aus dem Bereich um Gehirn oder Rückenmark entnommen und unter anderem auf Zellzahl, Zelltypen und Proteingehalt untersucht wird.

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Liquordiagnostik Bild: Wikimedia Commons – 4 vials of human cerebrospinal fluid.jpg von James Heilman, MD · CC BY 3.0
Inhalt
  1. Wann wird eine Liquoruntersuchung beim Hund durchgeführt?
  2. Wie wird Liquor beim Hund entnommen?
  3. Was wird im Liquor untersucht?
  4. Was bedeuten veränderte Liquorwerte?
  5. Welche Risiken hat eine Liquorpunktion?
  6. Was kostet eine Liquoruntersuchung beim Hund?

Eine Liquoruntersuchung ist die Untersuchung der Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit, des sogenannten Liquor cerebrospinalis (CSF). Dazu wird unter Narkose eine kleine Menge Liquor aus dem Bereich um das Gehirn oder Rückenmark entnommen und im Labor untersucht. Die Untersuchung kann zusätzliche Hinweise auf Erkrankungen des zentralen Nervensystems liefern.

Dazu gehören unter anderem Entzündungen und Infektionen von Gehirn oder Rückenmark, bestimmte Tumorerkrankungen sowie weitere neurologische Erkrankungen. Die Ergebnisse werden immer zusammen mit der Krankengeschichte, der neurologischen Untersuchung und gegebenenfalls bildgebenden Verfahren wie einer MRT beurteilt.

Wann wird eine Liquoruntersuchung beim Hund durchgeführt?

Eine Liquoruntersuchung kann sinnvoll sein, wenn bei einem Hund neurologische Symptome auftreten und eine Erkrankung des Gehirns, Rückenmarks oder der Hirnhäute vermutet wird.

Mögliche Anzeichen sind beispielsweise:

  • Krampfanfälle
  • Gleichgewichts- und Koordinationsstörungen
  • Gangveränderungen
  • Lähmungserscheinungen oder Schwäche
  • veränderte Reflexe
  • Kopfschiefhaltung
  • Verhaltens- oder Bewusstseinsveränderungen
  • Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule
  • andere neurologische Auffälligkeiten

Eine Liquoruntersuchung ist dabei nicht für jedes neurologische Problem erforderlich. Ob sie sinnvoll ist, hängt unter anderem von der neurologischen Lokalisation und der vermuteten Ursache ab. Häufig werden zunächst oder gleichzeitig Blutuntersuchungen und bildgebende Verfahren durchgeführt.

Besonders bei Verdacht auf eine entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems kann die Untersuchung hilfreich sein. Dazu gehören beispielsweise Meningitis und verschiedene Formen der Enzephalitis oder Meningoenzephalitis. Auch bei bestimmten Infektionen kann der Liquor zusätzliche diagnostische Informationen liefern.

Wie wird Liquor beim Hund entnommen?

Die Entnahme erfolgt unter Allgemeinanästhesie. Je nach Fragestellung und vermuteter Lokalisation der Erkrankung wird der Liquor entweder aus der Cisterna cerebellomedullaris am Übergang zwischen Gehirn und Rückenmark oder aus dem Lendenbereich entnommen.

Bei der cisternalen Entnahme wird eine Nadel im Bereich zwischen Hinterkopf und oberem Hals eingeführt. Bei der lumbalen Entnahme erfolgt die Punktion im Bereich der unteren Wirbelsäule. Welche Entnahmestelle gewählt wird, hängt unter anderem von der vermuteten Lokalisation der Erkrankung und der jeweiligen Untersuchungstechnik ab.

Die entnommene Flüssigkeit wird möglichst schnell untersucht, da die wenigen im Liquor vorhandenen Zellen ausserhalb des Körpers rasch zerfallen können. Deshalb sollte insbesondere die zytologische Untersuchung zeitnah nach der Entnahme erfolgen.

Die benötigte Menge hängt davon ab, welche Untersuchungen durchgeführt werden. Für eine routinemässige Untersuchung reichen häufig kleine Mengen aus. Für zusätzliche Untersuchungen, beispielsweise mikrobiologische oder serologische Tests, kann eine grössere Probe erforderlich sein.

Was wird im Liquor untersucht?

Zu den wichtigsten Untersuchungen gehören:

  • Zellzahl: Wie viele kernhaltige Zellen befinden sich im Liquor?
  • Zelldifferenzierung: Welche Zelltypen sind vorhanden?
  • Proteingehalt: Ist die Konzentration von Proteinen erhöht?
  • Aussehen: Ist die Flüssigkeit klar und farblos oder verändert?
  • Weitere Untersuchungen: Je nach Verdacht können beispielsweise mikrobiologische, serologische oder molekularbiologische Untersuchungen hinzukommen.

Bei gesunden Hunden enthält Liquor nur sehr wenige Zellen. Als Referenzbereich werden häufig 0 bis 5 kernhaltige Zellen pro Mikroliter angegeben. Auch beim Proteingehalt gibt es Unterschiede abhängig davon, an welcher Stelle der Liquor entnommen wurde. Für cisternal entnommenen Liquor werden beispielsweise Werte unter 25 mg/dl genannt, während der Referenzbereich bei einer lumbalen Entnahme höher liegen kann.

Was bedeuten veränderte Liquorwerte?

Eine erhöhte Anzahl kernhaltiger Zellen wird als Pleocytose bezeichnet. Sie kann auf eine Entzündung oder Infektion des zentralen Nervensystems hinweisen. Auch der Proteingehalt kann bei verschiedenen Erkrankungen erhöht sein. Dazu gehören unter anderem entzündliche Erkrankungen, Infektionen, Tumoren, Verletzungen und bestimmte Erkrankungen des Rückenmarks.

Auch die Zusammensetzung der Zellen kann Hinweise auf die zugrunde liegende Erkrankung geben. Eine überwiegend lymphozytäre Zellpopulation kann beispielsweise bei bestimmten nicht eitrigen Entzündungen auftreten, während neutrophile Zellen unter anderem bei bakteriellen Entzündungen vorkommen können.

Die Zellzusammensetzung allein erlaubt jedoch in der Regel keine eindeutige Unterscheidung zwischen einer bestimmten Erkrankung oder einem bestimmten Erreger.

Auch ein unauffälliger Liquor schliesst eine Erkrankung des zentralen Nervensystems nicht vollständig aus. Deshalb wird das Ergebnis immer im Zusammenhang mit den übrigen Untersuchungsergebnissen beurteilt.

Aussehen des Liquors

Normaler Liquor ist klar und farblos. Eine rötliche Verfärbung kann durch Blutbeimengung während der Punktion entstehen. Bleibt die Verfärbung auch nach entsprechender Aufbereitung bestehen, kann dies unter bestimmten Umständen auf eine Blutung im zentralen Nervensystem hinweisen. Eine Trübung kann unter anderem durch eine erhöhte Zellzahl oder einen erhöhten Proteingehalt verursacht werden.

Welche Risiken hat eine Liquorpunktion?

Die Liquorpunktion ist ein etabliertes diagnostisches Verfahren, aber wie jeder invasive Eingriff mit Risiken verbunden. Dazu gehören insbesondere:

  • Blutungen
  • Infektionen
  • Verletzungen von Gewebe im Bereich der Punktionsstelle
  • Komplikationen im Zusammenhang mit der Narkose

Ein besonders wichtiger Punkt ist ein erhöhter Hirndruck. Bei bestimmten raumfordernden Veränderungen oder ausgeprägten Schwellungen des Gehirns kann eine Liquorentnahme kontraindiziert beziehungsweise mit einem erhöhten Risiko verbunden sein. Deshalb kann vor der Punktion eine bildgebende Untersuchung, insbesondere eine MRT, erforderlich sein.

Welche Untersuchungen vor einer Liquorpunktion notwendig sind, hängt vom neurologischen Befund und vom individuellen Risiko des Hundes ab.

Welche Bedeutung hat dabei die MRT?

MRT und Liquoruntersuchung ergänzen sich. Die MRT ermöglicht die Darstellung von Gehirn und Rückenmark und kann beispielsweise entzündliche Veränderungen, Tumoren oder andere strukturelle Veränderungen sichtbar machen.

Die Liquoruntersuchung liefert dagegen Informationen über die Zusammensetzung der Flüssigkeit und kann Hinweise auf Entzündungsprozesse oder bestimmte Infektionen geben.

Bei Verdacht auf entzündliche Erkrankungen des zentralen Nervensystems werden daher häufig beide Verfahren kombiniert.

Was kostet eine Liquoruntersuchung beim Hund?

Die Kosten lassen sich nicht seriös als festen Betrag angeben. Sie hängen unter anderem davon ab, ob lediglich eine routinemässige Liquoranalyse oder zusätzliche Untersuchungen durchgeführt werden und ob zuvor eine MRT oder eine andere Bildgebung erforderlich ist.

Zu den Gesamtkosten können daher die neurologische Untersuchung, Narkose, Liquorpunktion, Laboranalyse und gegebenenfalls bildgebende Verfahren wie MRT oder CT gehören. Auch die Gebühren unterscheiden sich je nach Tierarztpraxis, Tierklinik und Umfang der Untersuchung.

Für konkrete Kosten sollte die jeweilige Tierarztpraxis oder Tierklinik einen Kostenvoranschlag erstellen.