Darmflora
Die Darmflora beim Hund ist die Gemeinschaft der Bakterien, Pilze und Viren im Verdauungstrakt, die Verdauung und Immunabwehr mitsteuert.
Inhalt
Die Darmflora beim Hund ist eine Gemeinschaft aus Bakterien, Pilzen und Viren im Verdauungstrakt. Wie viele es genau sind, hat beim Hund noch niemand ausgezählt. Die oft genannten 100 Billionen und das Verhältnis «zehnmal mehr als Körperzellen» stammen aus der Humanmedizin, und dort gelten sie seit 2016 als überholt. Eine Neuberechnung kam auf rund 38 Billionen Bakterien gegenüber 30 Billionen Körperzellen, also ungefähr gleich viele.
Die bakterielle Besiedlung beginnt bereits bei der Geburt. Welpen erhalten ihre ersten Darmbakterien durch den Geburtskanal und die Muttermilch. Bis zur achten Lebenswoche stabilisiert sich diese Grundausstattung.
Was leistet die Darmflora konkret?
Die Darmbakterien spalten unverdauliche Pflanzenfasern zu kurzkettigen Fettsäuren auf. Für die Zellen des Dickdarms ist die Buttersäure daraus eine wichtige Energiequelle. Die häufig zitierten 70 Prozent stammen allerdings aus einem Laborversuch an menschlichen Dickdarmzellen. Die Zellen bekamen dort ausschliesslich Buttersäure angeboten; stand zusätzlich Traubenzucker zur Verfügung, sank der Anteil. Auf den ganzen Darm des Hundes lässt sich die Zahl nicht übertragen. Die Richtung bleibt unbestritten: Fehlen die Fettsäuren, leidet die Darmwand.
Bestimmte Bakterienstämme produzieren Vitamin K, das für die Blutgerinnung nötig ist. Ein Hund mit gestörter Darmflora kann daher zu Blutungen neigen.
Die Mikroorganismen trainieren das Immunsystem: Sie zeigen den Immunzellen, welche Stoffe harmlos sind und welche bekämpft werden müssen. Der Darm ist dabei tatsächlich das grösste Immunorgan. Die verbreitete Angabe «80 Prozent aller Immunzellen» verschmilzt allerdings zwei verschiedene Zahlen aus derselben Quelle: Rund 70 Prozent des Immunsystems sitzen im darmassoziierten Gewebe, und rund 80 Prozent der Plasmazellen. Beides sind Werte aus der Humanmedizin.
Wie erkennt man eine gestörte Darmflora?
Durchfall ist das offensichtlichste Zeichen. Aber auch chronisch weicher Kot, übermässige Blähungen oder häufiges Grasfressen können auf ein bakterielles Ungleichgewicht hinweisen.
Wie oft ein gesunder Hund Kot absetzt, schwankt stark und hängt vor allem vom Futter ab; eine belastbare Normzahl dafür gibt es nicht. Aussagekräftiger ist die Beschaffenheit: geformt, gut aufzunehmen, und der Geruch zwar deutlich, aber nicht penetrant süsslich oder faulig.
Was stört das bakterielle Gleichgewicht?
Antibiotika töten nicht nur Krankheitserreger, sondern auch nützliche Darmbakterien. Wie lange die Erholung dauert, ist keine feste Grösse. In einer Studie an gesunden Hunden waren Teile der Darmflora vier Wochen nach dem Absetzen von Metronidazol noch immer nicht zurück, vier Wochen sind also eher die Untergrenze als der Regelfall.
Stress verändert die Bakterienzusammensetzung messbar. Eine Zahl dazu kursiert allerdings zu Unrecht: Der oft genannte Rückgang der Bifidobakterien um 40 Prozent lässt sich nicht belegen – diese Bakteriengattung ist im Darm des Hundes nicht einmal als fester Bestandteil etabliert.
Ob eine einzige Proteinquelle die bakterielle Vielfalt senkt, ist offen. Die häufig genannten 30 Prozent weniger Bakterienarten bei reiner Huhn-Fütterung sind nicht belegt. Für die Praxis bleibt der unstrittige Teil: Eine abwechslungsreiche Ration mit fermentierbaren Ballaststoffen bietet der Darmflora mehr Substrat als eine immer gleiche.
Wie unterstützt man die Darmgesundheit?
Fermentierbare Ballaststoffe aus Kürbis oder Flohsamenschalen füttern die nützlichen Bakterien. Ein Esslöffel geriebener Kürbis pro 10 Kilogramm Körpergewicht täglich reicht dafür aus.
Kefir oder Naturjoghurt (laktosefrei) liefern lebende Milchsäurebakterien. Zwei Teelöffel täglich für einen 20-Kilogramm-Hund können das bakterielle Gleichgewicht stabilisieren.
Bei Futterumstellungen langsam vorgehen: ein Viertel neues Futter am ersten Tag, die Hälfte am vierten, drei Viertel am siebten. So hat die Darmflora Zeit, sich anzupassen.
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