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Bissverletzungen

Bissverletzungen beim Hund sind Verletzungen, die entstehen, wenn ein anderes Tier den Hund beisst, wobei neben äusseren Wunden oft auch Muskeln, Bänder, Sehnen, Knochen und innere Organe betroffen sein können.

6 Min Lesezeit
Bissverletzungen
Inhalt
  1. Wie entstehen Bissverletzungen?
  2. Welche Symptome können auftreten?
  3. Warum können kleine Bisswunden problematisch sein?
  4. Wie werden Bissverletzungen diagnostiziert?
  5. Wie werden Bissverletzungen behandelt?
  6. Wie ist die Prognose?
  7. Wann muss ein Hund nach einem Biss zum Tierarzt?
  8. Wie kann man Bissverletzungen vorbeugen?
  9. Was sollte man nach einem Biss beachten?

Bissverletzungen entstehen durch den Biss eines anderen Tieres. Bei Hunden werden sie besonders häufig durch andere Hunde verursacht. Die Verletzungen können von kleinen Hautwunden bis zu schweren Verletzungen von Muskeln, Gefässen, Nerven, Knochen oder inneren Organen reichen. Die äussere Wunde lässt dabei nicht immer auf die tatsächliche Tiefe der Verletzung schliessen.

Besonders bei Bissen im Bereich von Brust und Bauch können auch tiefer liegende Strukturen betroffen sein. In einer Untersuchung von 37 Hunden mit Bissverletzungen waren Nacken, Gliedmassen, Kopf, Brust, Schulterregion und Bauch häufig betroffene Körperregionen.

Wie entstehen Bissverletzungen?

Die häufigste Ursache sind Auseinandersetzungen zwischen Hunden. Auch Bisse durch andere Tiere sind möglich. Das Verletzungsmuster hängt unter anderem von der Grösse und Beisskraft des angreifenden Tieres, der betroffenen Körperregion und der Art des Bisses ab.

Ein Biss kann eine kleine Punktionswunde hinterlassen oder zu grösseren Riss- und Quetschwunden führen. Bei einem Biss wird Gewebe nicht nur durch die Zähne durchtrennt. Die Kraft des Bisses kann das darunterliegende Gewebe zusätzlich quetschen oder verschieben.

Dadurch können auch Verletzungen entstehen, die an der Hautoberfläche zunächst kaum sichtbar sind. Bei tiefen Wunden kann sich beispielsweise ein Hohlraum zwischen Haut und darunterliegendem Gewebe bilden. Auch Blutungen, Gewebeschäden oder Verletzungen tiefer Strukturen sind möglich.

Welche Symptome können auftreten?

Die sichtbaren Anzeichen hängen von Art und Schwere der Verletzung ab. Möglich sind unter anderem:

  • Punktions- oder Risswunden

  • Blutungen

  • Schwellungen

  • Schmerzen und Berührungsempfindlichkeit

  • Lahmheit oder eingeschränkte Beweglichkeit

  • Wundsekret oder Eiter bei einer Infektion

  • Fieber

  • Schwäche und Teilnahmslosigkeit

  • verminderter Appetit

Bei schweren Verletzungen können zusätzlich Atemprobleme, blasse oder bläuliche Schleimhäute, Kreislaufprobleme oder ein Kollaps auftreten.

Solche Symptome können auf einen erheblichen Blutverlust, Schock oder Verletzungen innerer Organe hinweisen und erfordern eine sofortige tierärztliche Behandlung.

Warum können kleine Bisswunden problematisch sein?

Die Zähne dringen bei einem Biss häufig tief in das Gewebe ein. Die kleine Öffnung der Haut kann sich anschliessend wieder teilweise verschliessen, während sich darunter Bakterien und beschädigtes Gewebe befinden.

Bisswunden sind deshalb häufig mit Bakterien kontaminiert. In einer Untersuchung von 37 Hunden konnten bei 65 % der untersuchten Proben aerobe und bei 15 % anaerobe Bakterien nachgewiesen werden.

Eine Infektion kann sich in den Tagen nach der Verletzung entwickeln. Schwellung, zunehmende Schmerzen, Wärme, Wundsekret, Fieber oder eine Verschlechterung des Allgemeinzustands können darauf hinweisen.

Wie werden Bissverletzungen diagnostiziert?

Zunächst untersucht der Tierarzt den Hund und beurteilt die sichtbaren Wunden sowie den Allgemeinzustand. Dabei wird auch nach möglichen Verletzungen tiefer liegender Strukturen gesucht.

Das Ausmass einer Bissverletzung lässt sich insbesondere bei kleinen Hautöffnungen nicht immer anhand der Oberfläche beurteilen. Das Fell muss deshalb gegebenenfalls geschoren werden, damit die gesamte Verletzungsregion untersucht werden kann.

Je nach Lokalisation und Schwere der Verletzung können weitere Untersuchungen erforderlich sein. Dazu gehören beispielsweise:

  • Röntgenuntersuchungen, etwa bei Verdacht auf Knochenverletzungen oder Fremdkörper

  • Ultraschalluntersuchungen, insbesondere bei Verdacht auf Verletzungen im Bauchraum

  • weitere bildgebende Verfahren, wenn tiefer liegende Verletzungen abgeklärt werden müssen

  • Wundabstrich oder Gewebeprobe, wenn eine bakterielle Infektion vermutet wird oder die Wunde nicht wie erwartet auf die Behandlung anspricht

Bei schweren Bissverletzungen kann eine Untersuchung unter Sedation oder Narkose notwendig sein, um die Wunde vollständig zu beurteilen und zu versorgen.

Wie werden Bissverletzungen behandelt?

Die Behandlung richtet sich nach Tiefe, Lokalisation und Verschmutzung der Wunde sowie nach dem Allgemeinzustand des Hundes.

Wundreinigung und Spülung

Eine gründliche Reinigung und Spülung der Wunde entfernt Verunreinigungen und reduziert die bakterielle Belastung. Beschädigtes oder abgestorbenes Gewebe kann chirurgisch entfernt werden. Dieses Verfahren wird als Débridement bezeichnet.

Bei grösseren oder schmerzhaften Verletzungen kann dafür eine Sedation oder Narkose erforderlich sein.

Offenlassen oder Verschliessen der Wunde

Ob eine Bisswunde vernäht wird, hängt unter anderem von ihrem Verschmutzungsgrad, dem Zeitpunkt der Behandlung, der Lokalisation und dem Ausmass der Gewebeschädigung ab.

Stark kontaminierte oder bereits infizierte Wunden werden häufig zunächst offen behandelt, damit Wundsekret abfliessen kann. In geeigneten Fällen kann eine Wunde nach gründlicher Reinigung und Entfernung geschädigten Gewebes sofort verschlossen werden. Bei anderen Wunden erfolgt ein verzögerter Verschluss.

Bei tieferen Wunden kann eine Drainage erforderlich sein. Sie ermöglicht den Abfluss von Flüssigkeit aus einem Wundhohlraum und kann das Risiko einer Ansammlung von Wundsekret verringern.

Antibiotika

Antibiotika sind nicht bei jeder Bissverletzung automatisch erforderlich. Ob ein Antibiotikum eingesetzt wird, hängt unter anderem von Tiefe und Lokalisation der Wunde, dem Grad der Verschmutzung, dem Zeitpunkt der Behandlung und dem Infektionsrisiko ab.

Bei tiefen oder stark kontaminierten Wunden sowie bei bereits bestehenden Infektionen kann eine antibiotische Behandlung sinnvoll sein. Bei unkomplizierten Verletzungen kann dagegen eine gründliche Wundversorgung ausreichend sein.

Eine bakterielle Untersuchung mit Resistenztest kann insbesondere bei infizierten Wunden oder bei fehlendem Ansprechen auf eine Behandlung sinnvoll sein. Die Untersuchung kann helfen, die geeignete Antibiotikatherapie auszuwählen.

Schmerzbehandlung

Bissverletzungen sind häufig schmerzhaft. Je nach Schwere der Verletzung können deshalb Schmerzmittel eingesetzt werden. Bei schmerzhaften Untersuchungen oder umfangreichen Wundversorgungen kann zusätzlich eine Sedation oder Narkose notwendig sein.

Wie ist die Prognose?

Die Prognose hängt vor allem vom Ausmass der Verletzungen ab. Oberflächliche Wunden haben in der Regel eine gute Prognose. Bei tiefen Bissverletzungen können dagegen Infektionen, grössere Gewebeschäden, Knochenverletzungen oder Verletzungen innerer Organe auftreten.

Eine grosse retrospektive Untersuchung von 12’412 Hunden mit Bissverletzungen ergab eine Überlebensrate bis zur Entlassung von 95,1 %.

Die Prognose war unter anderem bei Hunden mit Kopf- oder Wirbelsäulenverletzungen sowie bei schwereren Allgemeinzuständen schlechter.

Diese Zahlen beziehen sich auf Hunde, die in tiermedizinischen Traumazentren behandelt wurden, und lassen sich deshalb nicht unmittelbar auf jede Bissverletzung übertragen.

Wann muss ein Hund nach einem Biss zum Tierarzt?

Grundsätzlich sollte jede Bissverletzung zeitnah tierärztlich untersucht werden, auch wenn die Hautverletzung klein erscheint. Insbesondere bei Punktionswunden besteht die Gefahr, dass die tatsächliche Tiefe der Verletzung unterschätzt wird.

Eine sofortige tierärztliche Untersuchung ist besonders wichtig bei:

  • starken oder anhaltenden Blutungen

  • Atemproblemen

  • blassen oder bläulichen Schleimhäuten

  • starken Schmerzen

  • ausgeprägter Schwäche oder Teilnahmslosigkeit

  • Kreislaufproblemen oder Kollaps

  • Bissen an Brust oder Bauch

  • Verletzungen an Kopf, Hals oder Wirbelsäule

  • tiefen oder grossflächigen Wunden

  • Verdacht auf Knochenverletzungen

  • mehreren Bisswunden

Bei einer akuten Verletzung sollte zunächst die Sicherheit des Menschen und des Hundes gewährleistet werden. Eine starke Blutung kann vorsichtig mit einem sauberen Tuch oder Verbandmaterial komprimiert werden. Anschliessend sollte der Hund tierärztlich untersucht werden.

Wie kann man Bissverletzungen vorbeugen?

Das Risiko einer Bissverletzung lässt sich nicht vollständig ausschliessen. Begegnungen mit unbekannten Hunden sollten deshalb aufmerksam beobachtet werden. Besonders bei angespannten oder bereits aggressiven Begegnungen sollte ausreichend Abstand gehalten werden.

Auch bekannte Hunde sollten nicht unbeaufsichtigt zusammenbleiben, wenn es bereits zu Konflikten oder Beissvorfällen gekommen ist.

Was sollte man nach einem Biss beachten?

Nach der tierärztlichen Behandlung sollte die Wunde entsprechend den Anweisungen des Tierarztes kontrolliert und versorgt werden. Zunehmende Schwellung, Rötung, Schmerzen, Wundsekret, unangenehmer Geruch, Fieber oder eine Verschlechterung des Allgemeinzustands können auf eine Infektion oder eine andere Komplikation hinweisen.

Bei einer Verschlechterung sollte der Hund erneut tierärztlich untersucht werden.