Apportierspiel
Apportieren bezeichnet das kontrollierte Holen und Zurückbringen eines geworfenen Gegenstands auf Signal des Halters.
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Apportieren bezeichnet das kontrollierte Holen und Zurückbringen eines geworfenen Gegenstands auf Signal des Halters. Anders als einfaches Ballspielen endet echtes Apportieren erst mit der vollständigen Übergabe des Objekts, nicht mit wildem Zerren oder Wegrennen.
Manche Hunde zeigen diese Verhaltenskette instinktiv. Retriever, Pudel und Spaniel wurden jahrhundertelang darauf selektiert, erlegte Vögel unversehrt zu bringen. Bei anderen Rassen ist Apportieren reine Trainingssache, oft sogar schwieriger als bei den „Naturtalenten“.
Welche Vorteile hat regelmässiges Apportieren?
Ein durchschnittlich grosser Hund verbrennt beim 15-minütigen Apportieren etwa 80–120 Kalorien, soviel wie bei einem 30-minütigen Spaziergang. Das macht es zur effizienten Alternative bei Zeitmangel.
Noch wichtiger ist die geistige Komponente. Der Hund muss den Wurf verfolgen, sich die Landestelle merken, das Objekt lokalisieren und den Rückweg finden, während er gleichzeitig seine Erregung kontrolliert. Diese Mehrfachbelastung lastet Kopfarbeiter wie Border Collies nachhaltiger aus als stumpfes Rennen.
Für die Bindung ist entscheidend: Der Hund kehrt freiwillig zum Menschen zurück, statt sich selbst zu belohnen. Das stärkt die Kooperationsbereitschaft, sofern das Training korrekt aufgebaut wurde.
Wie trainiere ich Apportieren Schritt für Schritt?
Die meisten Halter machen denselben Fehler: Sie werfen sofort weit und erwarten, dass der Hund zurückkommt. Funktioniert nur bei den wenigsten.
Beginne indoor mit einem 20 cm langen, geriffelten Apportierholz, nicht mit einem Ball. Bälle rollen weg und verleiten zum Jagen statt zum kontrollierten Aufnehmen. Setze dich auf den Boden und zeige das Holz. Sobald der Hund es berührt oder ins Maul nimmt: Marker-Signal („Yes“ oder Clicker) und hochwertiges Leckerli.
Wiederhole das fünf Mal täglich über drei Tage. Dann erhöhst du die Anforderung: Das Holz muss zwei Sekunden im Maul bleiben. Dann drei. Dann fünf. Erst wenn dein Hund das Holz mindestens zehn Sekunden entspannt trägt, machst du weiter.
Jetzt kommt das „Aus“-Signal. Halte ein Leckerli direkt vor seine Nase und sage „Aus“. Die meisten Hunde öffnen reflexartig das Maul. Sofort belohnen. Falls nicht: Warte. Dränge nie mit den Händen.
Erst wenn die Übergabe zuverlässig klappt, wirfst du zunächst nur einen Meter weit. Der Hund soll das Holz sehen landen. Läuft er hin, nimmt es auf und schaut zu dir: überschwänglich loben und rufen. Kommt er zurück: Jackpot-Belohnung. Bleibt er stehen oder läuft weg: Training zu früh vorangetrieben.
Warum bringt mein Hund das Spielzeug nicht zurück?
Der häufigste Grund: Das Zurückkommen war bisher uninteressant oder sogar unangenehm. Viele Halter nehmen das Spielzeug kommentarlos und werfen es gleich wieder. Aus Hundesicht ist das Spiel dann vorbei, also behält er es lieber.
Die Lösung: Feiere jede Rückkehr wie einen kleinen Sieg. Drei Sekunden streicheln, lobend reden, dann erst das „Aus“-Signal. Danach kurz pausieren, bevor der nächste Wurf kommt. So wird der Mensch zum attraktiveren Teil des Spiels als das Objekt.
Bei hartnäckigen Verweigerern hilft die Zwei-Spielzeug-Methode: Du hast zwei identische Bälle. Hund läuft mit Ball A weg? Du holst Ball B hervor und machst ihn hochinteressant, schüttelst ihn, wirfst ihn kurz hoch. Die meisten Hunde lassen Ball A fallen und wollen Ball B. Genau dann rufst du überschwänglich.
Welche Fehler passieren beim Apportier-Training?
Zu schnell zu weit werfen ist nur der offensichtlichste Fehler. Gefährlicher ist die Verknüpfung mit Kommandos, die der Hund noch nicht zuverlässig kann. Wer „Komm“ ruft, während der Hund mit dem Ball wegläuft, trainiert Ungehorsam.
Ein weiteres Problem: falsche Spielzeugwahl. Tennisbälle ruinieren die Zähne, der Filz wirkt wie Schmirgelpapier. Stöckchen splittern. Zu kleine Bälle können verschluckt werden. Professionelle Apportier-Dummys aus festem Segeltuch sind die sicherste Wahl, kosten aber 25–40 Euro.
Der subtilste Fehler: Training bei Übererregung. Ein hibbeliger Hund lernt nichts. Zwischen aufregenden Aktivitäten (Ankunft von Besuch, nach dem Fressen) sollten mindestens 30 Minuten liegen, bevor du mit Apportier-Übungen beginnst.
Kann jeder Hund apportieren lernen?
Mops und Bulldogge werden nie Retrieving-Champions, zu kurze Schnauze, zu schnelle Erschöpfung. Aber auch sie können lernen, ein kleines Stofftier fünf Meter weit zu holen. Das reicht für die geistige Auslastung völlig.
Schwieriger wird es bei Hunden mit starkem Jagdtrieb. Ein Beagle, der einer Spur folgt, vergisst das Apportierholz. Die Lösung: Alternative Suchspiele statt klassischem Apportieren. Das Objekt wird versteckt statt geworfen, der Hund muss es erschnüffeln und bringen.
Ältere Hunde ab zehn Jahren sollten nicht mehr weite Strecken sprinten. Hier eignet sich Indoor-Apportieren oder Wasserapport, das Schwimmen schont die Gelenke und ermüdet trotzdem effektiv.
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