AAM Angeborener Auslöse Mechanismus
Der Angeborene Auslösemechanismus (AAM) ist ein genetisch programmiertes Verhaltensmuster, das bei Hunden automatisch durch bestimmte Umweltreize ausgelöst wird – wie das Jagen bei schnellen Bewegungen oder das Hüten bei umherlaufenden Lebewesen.
Inhalt
Warum jagt mein Hund automatisch jedem Ball hinterher?
Das ist der Angeborene Auslösemechanismus (AAM) in Aktion. Dein Hund sieht einen rollenden Ball und kann nicht anders – er muss hinterher. Diese Reaktion passiert blitzschnell und völlig ohne Nachdenken.
Ein AAM funktioniert wie ein fest verdrahteter Schalter im Gehirn. Bestimmte Reize lösen automatisch bestimmte Verhaltensweisen aus. Bei dem Ball ist es die schnelle Bewegung, die den Jagdinstinkt aktiviert. Dein Hund hat das nie gelernt – er bringt es einfach mit.
Welche AAM-Verhaltensweisen erkenne ich bei meinem Hund?
Du siehst AAM jeden Tag, ohne es zu merken. Ein Welpe fiept – und seine Mutter wendet sich sofort zu ihm um. Ein Fremder klingelt – und dein Hund bellt, bevor er überhaupt nachgedacht hat.
Beim Spaziergang springt dein Hund plötzlich einem Eichhörnchen hinterher. Das Eichhörnchen läuft weg, was den Jagdtrieb auslöst. Oder dein Border Collie fixiert Kinder auf dem Spielplatz und will sie „zusammentreiben“ – pure Genetik.
Selbst das Kreisdrehen vor dem Hinlegen ist ein AAM. Ursprünglich haben Wölfe so ihr Lager vorbereitet. Dein Hund macht das heute noch auf seinem weichen Körbchen.
Kann ich AAM-Verhalten bei meinem Hund abstellen?
Komplett abstellen? Nein. AAM ist genetisch verankert – du kannst es höchstens umleiten oder kontrollieren. Aber das ist auch gut so. Diese Instinkte haben das Überleben seiner Vorfahren gesichert.
Du kannst aber die Auslöser kontrollieren. Wenn dein Hund jeden Jogger jagt, übst du in reizarmer Umgebung das Bleiben. Oder du lenkst die Energie um: Statt dem Jogger zu folgen, soll er dir folgen.
Bei Hütehunden funktioniert das gut mit Ersatzaufgaben. Statt Kinder zu hüten, kann er Bälle sammeln. Das befriedigt den gleichen Instinkt, ist aber erwünscht.
Welche Rolle spielt die Hunderasse beim AAM?
Die Rasse macht einen enormen Unterschied. Ein Pointer zeigt automatisch auf Wild – ein Mops eher nicht. Jahrhundertelange Zucht hat bestimmte AAM verstärkt oder abgeschwächt.
Terrier haben einen ausgeprägten Beutefang-AAM. Sie können kaum widerstehen, wenn etwas raschelt oder sich schnell bewegt. Retriever apportieren instinktiv – sie bringen Dinge zu dir zurück, ohne dass du es ihnen beigebracht hast.
Herdenschutzhunde haben einen starken Schutz-AAM. Sie bewachen automatisch ihr Territorium und ihre „Herde“ – das bist oft du und deine Familie.
Wann wird AAM-Verhalten problematisch?
Problematisch wird es, wenn der AAM in unpassenden Situationen auslöst. Dein Hund jagt das Nachbarkätzchen, obwohl es auf dem eigenen Grundstück ist. Oder er „hütet“ Besucherkinder so intensiv, dass diese Angst bekommen.
Manchmal verstärken wir das Problem unbewusst. Du rufst aufgeregt „Nein!“, wenn dein Hund einem Eichhörnchen nachjagt – für ihn klingt das wie Unterstützung beim Jagen.
Die Lösung: Früh erkennen und umleiten, bevor der AAM vollständig abläuft. Sobald dein Hund das Eichhörnchen fixiert, aber noch nicht losgerannt ist, kannst du seine Aufmerksamkeit noch auf dich lenken.
Wie nutze ich AAM positiv im Training?
Arbeite mit den Instinkten, nicht gegen sie. Ein jagdbegeisterter Hund lernt Apportieren viel schneller als Sitz und Platz. Du nutzt seine natürliche Motivation.
Für nervöse Hunde ist das Pflegeverhalten hilfreich. Ruhiges Bürsten oder sanftes Streicheln aktiviert den Entspannungs-AAM – wie bei Welpen, die von der Mutter geleckt werden.
Hütehunde kannst du mit Suchspielen auslasten. Das Sammeln und Bringen verschiedener Gegenstände befriedigt ihren Ordnungsinstinkt und macht sie mental müde.
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