Alpenvorland & Mittelland Mitteldeutschland Nördliche Tiefebene Gesundheit

Grannenzeit: Wenn Gräser zur Gefahr werden

20. Mai – 31. Aug Schweregrad: Hoch

Reife Grasfrüchte bohren sich in Pfoten, Ohren, Augen und Nase — von Mai bis Spätsommer eine der häufigsten Notfallursachen in der Tierarztpraxis.

Grannen sind die spitzen, mit Widerhaken besetzten Fruchtteile zahlreicher Süßgräser. Wenn Wiesen abreifen, brechen die Ähren in einzelne Grannen auf, und genau dann werden sie für Hunde gefährlich.

Warum Grannen so problematisch sind

Die Widerhaken einer Granne wirken wie eine Einbahnstraße: Einmal in Fell, Haut oder einer Körperöffnung verfangen, wandert sie ausschließlich nach innen. Tierärzte berichten von Grannen, die im Bauchraum, in der Lunge oder zwischen Wirbelkörpern entdeckt werden, manchmal Wochen nach dem ursprünglichen Eindringen.

Besonders häufig betroffen sind:

Was bei Verdacht zu tun ist

Grannen, die noch sichtbar im Fell stecken, lassen sich oft mit ruhiger Hand entfernen. Sobald aber eine Eintrittsstelle entstanden ist, gehört der Hund ohne Umweg in die Praxis: Eine vermeintlich kleine Wunde zwischen den Zehen ist nicht selten der äußere Punkt eines mehrere Zentimeter tiefen Trakts.

Vorbeugen ist einfacher als behandeln

In der Hauptzeit reicht oft schon ein bewusster Routenwechsel: weg von gemähten Wiesen und Wegrändern mit hohen Gräsern, hinein in Wald oder befestigte Pfade. Wer seinen Hund nach jedem Spaziergang kurz absucht, Pfoten, Achseln, Bauch, Ohren, fängt die meisten Grannen ab, bevor sie wandern.

Intensitäts-Verlauf

Erste Fälle ab Ende Mai mit der ersten Mahd. Hauptbelastung Juni–Juli, je nach Witterung. Ende August deutliche Entspannung.

Quellen

  1. Schweizerische Tierärztliche Vereinigung für Kleintiermedizin (SVK-ASMPA), Fachinformation Grannen 2024
  2. Deutscher Tierärzteverband, Praxistipp Mai 2025
  3. BVET (Schweiz) Tiergesundheitsbericht, Kapitel Fremdkörper