Der Shar Pei ist eine der markantesten Hunderassen der Welt. Bekannt für seine tiefen Falten, die blaue Zunge und den ruhigen, würdevollen Ausdruck, hat dieser Hund eine lange Geschichte als Hof-, Wach- und Familienhund in China. Trotz seines besonderen Aussehens ist der Shar Pei kein „Einsteigerhund“: Er bringt Eigenständigkeit, Loyalität und eine gewisse Reserviertheit gegenüber Fremden mit. Gleichzeitig ist er sehr anhänglich zu seinen Bezugspersonen und zeigt ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Ruhe und klarer Struktur.
Shar Pei sind intelligente, unabhängige Hunde, die ihren Menschen genau beobachten und sensible Strukturen im Alltag schätzen. Sie gelten als wachsam, ruhig und ausgeglichen, haben aber – rassebedingt – einige gesundheitliche Besonderheiten, die bei der Auswahl eines Züchters und bei der Haltung besonders berücksichtigt werden müssen. Bei guter Pflege und konsequenter, ruhiger Führung entwickelt sich der Shar Pei zu einem loyalen, sanften und erstaunlich liebevollen Begleiter.
Herkunft und Geschichte
Der Shar Pei gehört zu den ältesten Hunderassen Chinas und stammt vermutlich aus der südchinesischen Provinz Guangdong. Historische Abbildungen und Funde deuten darauf hin, dass shar-pei-ähnliche Hunde bereits vor mehr als 2’000 Jahren existierten. Ursprünglich lebten sie als vielseitige Bauernhunde: Sie bewachten Häuser, hielten Vieh zusammen und begleiteten ihre Menschen bei der Arbeit in den Dörfern.
Ursprüngliche Nutzung: Der Shar Pei wurde als Wachhund geschätzt – wachsam, mutig, aber nicht unnötig aggressiv. Seine Falten und die dicke, sandpapierartige Haut („Shar Pei“ bedeutet übersetzt etwa „Sandhaut“) sollten ihn im Kampf gegen Wildtiere oder Eindringlinge schützen. Seine Loyalität und Bindung an die Familie machten ihn wertvoll im Dorfleben.
Fast ausgestorben: In den 1950er- bis 1970er-Jahren wäre die Rasse beinahe verschwunden. Politische Umstände – besonders während der Kulturrevolution – führten zu massiven Hundeverboten in China. Nur wenige Exemplare überlebten in ländlichen Gebieten und in Hongkong. In den 1970ern startete eine internationale Rettungskampagne, die den Shar Pei durch gezielte Zuchtprogramme vor dem Aussterben bewahrte.
Moderne Entwicklung: Durch diese Rettungszucht entstand ein genetischer Engpass, der bis heute Einfluss auf die Gesundheit der Rasse hat. Viele Linien wurden in den 1980er- und 1990er-Jahren zudem bewusst auf extrem ausgeprägte Falten gezüchtet – mit entsprechenden gesundheitlichen Folgen. Seriöse Züchter bemühen sich mittlerweile um eine Rückkehr zum moderateren, ursprünglicheren Typ, der robuster, agiler und weniger übertrieben gefaltet ist.
Heute ist der Shar Pei ein weltweit geschätzter Begleithund, der vor allem für sein ruhiges Temperament, seine Treue und seinen einzigartigen Charakter bekannt ist.
Aussehen & Grösse
Der Shar Pei ist unverwechselbar: Sein faltiges Gesicht, die breite Schnauze, die blaue Zunge und sein kompakter, kräftiger Körper machen ihn zu einer der charakteristischsten Hunderassen. Wichtig ist jedoch zu betonen, dass ein moderater, funktionaler Körperbau gesünder ist als extrem gefaltete Typen, die oftmals gesundheitliche Probleme mit sich bringen.
Grösse & Gewicht: Shar Pei erreichen eine Schulterhöhe von etwa 44–51 cm und wiegen in der Regel 18–30 kg, abhängig von Geschlecht und Körperbau. Ideal ist ein muskulöser, athletischer Hund mit fester Haut und moderaten Falten.
Körperbau: Der Körper ist kompakt, quadratisch und kräftig. Der Rücken ist kurz und stabil, die Brust gut ausgeprägt. Die Beine sind stark und gerade, was ihm einen energischen, aber gemässigten Bewegungsablauf ermöglicht. Die Rute wird hoch angesetzt und oft eng eingerollt über dem Rücken getragen.
Kopf & Ausdruck: Der charakteristische „Nilpferdkopf“ mit breiter, fester Schnauze und kleinen, dunklen Augen verleiht dem Shar Pei seinen typischen, leicht ernst wirkenden Ausdruck. Die kleinen, dreieckigen Ohren liegen eng am Kopf an. Die Zunge ist dunkelblau bis violett – ein Merkmal, das er mit dem Chow-Chow teilt.
Fell & Haut: Das Fell ist kurz, hart und sehr dicht – es wirkt rau, weshalb Shar Peis historisch als „Sandhaut-Hunde“ bezeichnet wurden. Farben sind vielfältig: schwarz, rot, fawn, creme, chocolate, blau, lilac und viele Schattierungen. Wichtig: Zu viele oder extrem tiefe Falten sind gesundheitlich problematisch. Ein gut gezogener Shar Pei hat Falten vor allem am Kopf und Widerrist, nicht am ganzen Körper.
Ein gut gezüchteter Shar Pei ist also kein „faltiges Stofftier“, sondern ein harmonisch gebauter, kräftiger Hund mit klaren, funktionalen Proportionen.
Wesen & Charakter
Der Shar Pei ist ein ruhiger, loyaler und eigenständiger Hund mit einer engen Bindung zu seinen Bezugspersonen. Er gehört zu den sogenannten Urtyp-Hunden und besitzt entsprechend ein selbstbewusstes, manchmal distanziertes Wesen. Fremden gegenüber zeigt er sich häufig reserviert, ohne dabei aggressiv zu sein – eher ruhig beobachtend. Innerhalb seiner Familie ist er dagegen liebevoll, anhänglich und oft überraschend sensibel.
Temperament: Shar Peis sind ausgeglichen, wachsam und haben einen natürlichen Schutzinstinkt. Sie reagieren nicht hektisch, sondern durchdacht und oft mit bemerkenswerter Gelassenheit. Ihr Alltagstempo ist ruhiger als bei vielen anderen Rassen, dennoch können sie temperamentvoll auftreten, wenn es darauf ankommt.
Menschenbezogenheit: Shar Peis sind sehr loyal und suchen die Nähe ihrer Bezugspersonen. Sie sind meist keine „Kletten“, aber sie geniessen Körperkontakt und Familienanschluss. Ein Shar Pei möchte ernst genommen werden – er ist sensibel für Stimmungen und reagiert auf gerechte, ruhige Menschen besonders gut.
Sozialverhalten: Mit guter Sozialisation sind viele Shar Peis freundlich und gelassen im Umgang mit Artgenossen. Einige Linien zeigen allerdings eine gewisse Rüden-Unverträglichkeit oder territoriale Tendenzen. Sie brauchen klare Anleitung und frühe, positive Begegnungen. In der Familie hingegen sind sie oft geduldig, freundlich und zuverlässig, auch im Umgang mit respektvollen Kindern.
Eigenständigkeit: Typisch ist eine gewisse Unabhängigkeit. Shar Peis arbeiten nicht automatisch für ihren Menschen, sondern möchten verstehen, warum sie etwas tun sollen. Ihre Kooperation muss fair aufgebaut werden – Strenge oder Druck führen bei dieser sensiblen Rasse schnell zu Vertrauensverlust.
Wachsamkeit: Der Shar Pei ist ein guter und verlässlicher Wachhund. Er meldet ungewöhnliche Situationen ruhig, aber bestimmt und zeigt Präsenz ohne übermässige Lautstärke. Er schützt seine Familie intuitiv, jedoch ohne übertriebene Schärfe, sofern er gut sozialisiert ist.
Insgesamt ist der Shar Pei ein ruhiger, würdevoller und sehr loyaler Hund mit eigenständigem Charakter. Er eignet sich besonders für Menschen, die Gelassenheit, Klarheit und eine ruhige Führung schätzen.
Für wen passt diese Hunderasse – und für wen eher nicht?
Der Shar Pei ist ein Hund mit besonderem Charakter – ruhig, würdevoll, loyal und gleichzeitig eigenständig. Seine Bedürfnisse unterscheiden sich deutlich von sportlichen, sehr arbeitsfreudigen Rassen. Wer ihn versteht und richtig führt, bekommt einen unglaublich treuen, sensiblen und angenehm ruhigen Begleiter. Wer jedoch einen unkomplizierten oder hochaktiven Hund sucht, wird mit dieser Rasse eher unglücklich.
Gut geeignet für: Menschen, die einen ruhigen, klar strukturierten Alltag führen und einen loyalen, unaufdringlichen Begleiter suchen. Shar Peis fühlen sich wohl bei Halter:innen, die Geduld, Gelassenheit und Feingefühl mitbringen. Sie schätzen Routine, respektvolle Behandlung und kurze, klare Trainingseinheiten. Auch für beruflich eingespannte Menschen mit geregeltem Tagesablauf können sie gut passen, solange Bewegung, Kontakt und Ruhezeiten gewährleistet sind.
Nur bedingt geeignet für: Familien mit sehr kleinen Kindern oder sehr hektischem Umfeld. Shar Peis mögen Ruhe und vermeiden Stress. Hektik im Haushalt oder ständiger Besuch kann sie schnell überfordern. In Familien mit älteren, respektvollen Kindern funktionieren sie dagegen oft gut.
Eher ungeeignet für: extrem sportliche Menschen, die einen Jogging-, Wander- oder Outdoor-Partner erwarten. Shar Peis können durchaus aktiv sein, aber sie sind keine Ausdauerläufer. Ebenso ungeeignet ist die Rasse für Menschen, die einen „einfachen“ Anfängerhund möchten oder einen Hund, der schnell und begeistert gehorcht. Auch Halter:innen, die wenig Aufmerksamkeit auf Gesundheit und Pflege legen möchten, sollten Abstand nehmen – der Shar Pei hat rassetypische gesundheitliche Besonderheiten, die nur durch verantwortungsvolle Haltung gut kontrollierbar sind.
Kurz zusammengefasst: Der Shar Pei ist ein Hund für ruhige, strukturierte Menschen mit Geduld, Respekt, klaren Grenzen und einer Vorliebe für ein harmonisches Miteinander. Wer das bietet, bekommt einen aussergewöhnlich treuen, sensiblen und tief verbundenen Familienhund.
Erziehung & Alltag
Die Erziehung eines Shar Pei erfordert Ruhe, Klarheit und Geduld. Diese Rasse ist intelligent, beobachtend und eigenständig – sie arbeitet nicht automatisch für ihren Menschen, sondern möchte verstehen, warum sich ein Verhalten lohnt. Druck, Härte oder hektische Trainingsmethoden sind bei Shar Peis kontraproduktiv und führen oft zu Rückzug oder Sturheit. Mit einer ruhigen, respektvollen Herangehensweise lässt sich ein Shar Pei jedoch hervorragend erziehen.
Erziehungsstil: Shar Peis reagieren am besten auf kurze, klare und faire Trainingseinheiten. Sie benötigen eindeutige Regeln, aber einfühlsam vermittelt. Positive Verstärkung ist wichtig, doch Übermotivation oder laute Begeisterung kann sie eher verunsichern als motivieren. Ein Shar Pei lernt gut, wenn er merkt, dass sein Mensch souverän, gelassen und berechenbar ist.
Alltag & Routinen: Shar Peis lieben Stabilität. Feste Tagesabläufe, klare Strukturen und Ruhephasen geben ihnen Sicherheit. Sie gehören zu den ruhigeren Rassen und geniessen entspannte Spaziergänge, gemütliche Abende und ein ruhiges Wohnumfeld. Gleichzeitig sind sie wachsam und möchten ihre Familie im Blick haben – sie liegen gerne erhöht oder an Orten, von denen sie alles überblicken können.
Sozialisation: Dieser Punkt ist beim Shar Pei besonders wichtig. Ihre natürliche Reserviertheit gegenüber Fremden und ihre deutliche Körpersprache können ohne frühe Sozialisation zu Unsicherheiten führen. Früh üben solltest du:
- neutral-freundliche Begegnungen mit Menschen
- kontrollierte Kontakte zu Artgenossen
- Umweltreize wie Verkehr, Geräusche und Besuch
Alleinsein: Viele Shar Peis können gut alleine bleiben, sofern es langsam aufgebaut wird. Sie sind unabhängiger als viele andere Familienhunde, möchten aber trotzdem Nähe und Bindung im Alltag.
Umgang mit Artgenossen: Je nach Linie können Shar Peis in Hundebegegnungen souverän oder selektiv sein. Gute Anleitung, klare Körpersprache des Menschen und kontrollierte Kontaktaufnahme sind essenziell. Schlecht gezüchtete oder nicht sozialisierte Shar Peis neigen eher zu schroffem Verhalten.
Mit ruhiger Konsequenz, fairer Kommunikation und geduldigem Aufbau wird der Shar Pei zu einem zuverlässigen, ausgeglichenen Begleiter, der seinen Menschen in allen Lebenslagen loyal zur Seite steht.
Auslastung & Beschäftigung
Der Shar Pei ist kein klassischer Sport- oder Arbeitshund, sondern ein ruhiger, überlegter Begleiter mit moderatem Bewegungsbedarf. Er braucht regelmässige Aktivität, aber keine Hochleistung. Wichtig sind entspannte, kontrollierte Spaziergänge, geistige Anregung und soziale Stabilität – weniger körperliche Höchstleistungen.
Körperliche Auslastung: Tägliche Spaziergänge von insgesamt 60–90 Minuten reichen den meisten Shar Peis. Sie mögen gemächliche, aber beständige Bewegung, ohne Hetzen oder Dauerjoggen. Besonders in warmem Wetter müssen sie geschont werden, da sie hitzeempfindlich sind. Freilauf auf gesicherten Flächen tut ihnen gut, sofern das Sozialverhalten dies zulässt.
Mentale Beschäftigung: Shar Peis profitieren von ruhigen, strukturierten Aufgaben wie Nasenarbeit, Futtersuchspielen oder kurzen Tricktraining-Einheiten. Ihr Arbeitsstil ist bedacht und nicht hektisch – sie lösen Aufgaben gerne in ihrem eigenen Tempo. Zu schnelle, aufregende Spiele überfordern sie oft eher, als dass sie Spass machen.
Soziale Auslastung: Der Shar Pei ist sehr menschenbezogen und benötigt Kontakt zur Familie. Er möchte in den Alltag eingebunden sein, ohne ständig „unterhalten“ zu werden. Ein Shar Pei liebt es, einfach in der Nähe seines Menschen zu sein und Situationen zu beobachten. Für viele Vertreter sind ruhige Hundekontakte angenehm, solange sie respektvoll ablaufen.
Hundesportarten: Eignen sich nur bedingt. Mantrailing, langsames Dummytraining oder ruhige Beschäftigungsformen können Spass machen. Sportarten wie Agility, Canicross oder viel Sprungarbeit passen jedoch nicht zur körperlichen Struktur der Rasse.
Wichtig: Überforderung führt bei Shar Peis schnell zu Stress, Unsicherheit oder Rückzug. Die ideale Auslastung ist eine Kombination aus Bewegung, überschaubarer mentaler Stimulation und viel gemeinsamer Ruhe – ein harmonischer, aber nicht hyperaktiver Alltag.
Pflege & Fell
Die Pflege des Shar Pei ist weniger aufwendig, als sein faltiges Erscheinungsbild vermuten lässt – aber sie ist dafür sehr speziell. Vieles dreht sich um Hautgesundheit, Faltenhygiene und ein Verständnis für rassetypische Risiken. Regelmässige, behutsame Pflege ist entscheidend, damit Haut und Fell gesund bleiben.
Fellpflege: Das kurze, harte Fell des Shar Pei ist grundsätzlich pflegeleicht. Wöchentliches Bürsten reicht aus, um lose Haare zu entfernen und die Haut zu stimulieren. Während des Fellwechsels kann häufiger gebürstet werden. Baden sollte sparsam erfolgen, da viele Shar Peis empfindlich auf Shampoos reagieren – ideal sind milde, hypoallergene Produkte.
Faltenpflege: Entgegen verbreiteter Annahmen dürfen gesunde Shar Peis nicht übermässig viele oder tief liegende Falten haben. Übertriebene Falten gelten als Qualzucht und sind risikobehaftet. Bei moderaten Falten genügt es, diese sauber und trocken zu halten. Feuchte Falten sollten sanft abgetrocknet werden, da Nässe zu Reizungen, Hefepilzen oder bakteriellen Infektionen führen kann. Niemals stark schrubben, nicht täglich aggressive Reinigungen durchführen.
Ohren: Ein wichtiger Punkt: Die engen, kleinen Ohren des Shar Pei sind anfällig für Entzündungen. Sie sollten regelmässig kontrolliert, aber nur bei Bedarf gereinigt werden – zu häufiges Reinigen stört die natürliche Flora. Bei Rötungen, Kratzen oder Geruch ist ein Tierarztbesuch ratsam.
Augen: Einige Shar Peis neigen zu Roll-Lid-Problemen (Entropium). Frühzeitige Kontrolle, besonders im Welpenalter, ist wichtig. Leichtes Einschiessen oder Tränen kann normal sein, starke Irritationen jedoch nicht.
Pfoten & Krallen: Wie bei vielen Hunden sollten Krallen regelmässig gekürzt werden. Zwischenräume frei von Schmutz halten und bei Reizungen sanft pflegen. Manche Shar Peis reagieren empfindlich auf Streusalz – Pfotenfett kann im Winter helfen.
Hautgesundheit: Shar Peis haben eine besondere Hautstruktur. Trockene Haut, Juckreiz oder Schuppen treten häufiger auf als bei vielen anderen Rassen. Hochwertige Ernährung, Omega-3-Fettsäuren und eine gute Parasitenprophylaxe unterstützen die Hautbarriere optimal.
Zusammengefasst: Die Pflege des Shar Pei konzentriert sich vor allem auf gesunde Haut, moderate Falten und gut kontrollierte Ohren- und Augenpflege. Wer diese Routinen verlässlich umsetzt, trägt entscheidend zur langfristigen Gesundheit dieser besonderen Rasse bei.
Gesundheit & häufige Probleme
Die Gesundheit des Shar Pei ist ein zentraler Punkt, denn durch genetische Engpässe und frühere Übertypisierung (extreme Falten, enge Augen, enge Ohren) gilt die Rasse als gesundheitlich anspruchsvoll. Mit guter Zuchtwahl, bewusster Haltung und konsequenter Pflege lassen sich viele Risiken jedoch reduzieren. Wichtig ist, die rassetypischen Besonderheiten zu kennen und eng mit einer tierärztlichen Praxis zusammenzuarbeiten.
Shar-Pei-Fieber (FSF): Eine der bekanntesten rassespezifischen Erkrankungen ist das sogenannte Shar-Pei-Fieber. Es handelt sich um eine entzündliche Reaktion, die u. a. mit hohem Fieber, geschwollenen Gelenken und Schmerzen einhergeht. Ursache ist eine genetische Veranlagung zu überschießenden Entzündungsreaktionen (Autoinflammatory Disease). Bei wiederholten Episoden kann es zu Amyloidablagerungen kommen, die die Nieren schädigen. Frühe Diagnose und angepasste Therapie sind entscheidend.
Hautprobleme: Durch die besondere Hautstruktur neigen Shar Peis zu:
- Hefepilzen
- Hotspots
- Atopie (allergische Hauterkrankungen)
- bakteriellen Entzündungen
Übertriebene Falten erhöhen das Risiko deutlich – ein Grund, warum moderat gefaltete Linien gesundheitlich klar vorzuziehen sind.
Augenerkrankungen: Besonders relevant ist Entropium (Einrollen der Augenlider), das zu Schmerzen, Reizungen und Hornhautschäden führt. Viele Welpen müssen früh tierärztlich untersucht werden, da in schweren Fällen operative Korrekturen notwendig sind. Zusätzlich treten vermehrt Konjunktivitis, trockene Augen und Lidfehlstellungen auf.
Ohrenentzündungen: Die engen, kleinen Ohren bieten wenig Luftzirkulation, was zu wiederkehrenden Otitis-Problemen führen kann. Regelmässige Kontrolle ist Pflicht.
Atem- und Schnorchelprobleme: Hunde aus extrem faltigen Linien können durch überhängende Haut an Nase und Kopf eingeschränkte Luftwege haben. Dies ist ein Zeichen schlechter Zucht und sollte unbedingt vermieden werden.
Gelenkprobleme (HD, ED): Wie viele mittelgrosse Rassen können Shar Peis Hüft- oder Ellbogendysplasie entwickeln. Zuchttiere sollten daher zwingend orthopädisch untersucht sein.
Nahrungsmittelunverträglichkeiten: Verdauungsprobleme und Futtermittelallergien kommen häufiger vor. Viele Shar Peis profitieren von hochwertigen, gut verdaulichen Futtersorten, ggf. auch von Ausschlussdiäten.
Hitzeempfindlichkeit: Die Rasse verträgt Wärme schlecht. Spaziergänge sollten bei hohen Temperaturen reduziert werden; Schatten und viel Wasser sind Pflicht.
Lebenserwartung: Ein gesunder, gut gezüchteter Shar Pei wird meist 9–12 Jahre alt. Linien mit moderater Anatomie und verantwortungsvoller Zuchtpraxis zeigen oft bessere Gesundheit und höhere Lebenserwartung.
Kurz: Wer einen Shar Pei möchte, muss bereit sein, aktiv auf Gesundheit zu achten – dafür belohnt er mit Ruhe, Loyalität und tiefem Vertrauen.
Kauf, Adoption & Züchterwahl
Beim Shar Pei ist eine verantwortungsvolle Herkunft entscheidend. Die Rasse wurde in der Vergangenheit stark übertypisiert – extreme Falten, enge Augen und genetische Engpässe führten zu massiven Gesundheitsproblemen. Ein guter Shar Pei stammt deshalb aus moderater, funktionaler Zucht mit klaren Standards, gesundem Körperbau und geprüften Elterntieren. Käufer:innen sollten besonders sorgfältig auswählen.
Woran du seriöse Züchter erkennst: Ein guter Züchter arbeitet unter einem anerkannten Verband (FCI/SKG/VDH/ÖKV), züchtet nur mit gesunden, moderat gefalteten Hunden und kann sämtliche Untersuchungen vorlegen: Augenuntersuchungen (Entropium-Risiko), HD-/ED-Röntgen, genetische Abklärungen zu FSF/Autoinflammation, Nachweise zu Haut- und Gesundheitszustand. Welpen wachsen im Haus auf, sind gut sozialisiert und werden nicht „als süsse Faltenhunde“ vermarktet. Ein verantwortungsvoller Züchter betont immer die Bedeutung von Funktionalität statt Optik.
Warnsignale: extrem faltige Welpen, Welpen im Keller/Zwinger, keine Gesundheitsnachweise, häufige Würfe, übertriebene Versprechungen („garantiert gesund“), Verkauf über Kleinanzeigen oder Abholorte im Ausland. Besonders problematisch sind Zuchten, die gezielt Falten überbetonen – diese gelten tierschutzrechtlich als Qualzucht.
Preisrahmen: Ein seriös gezüchteter Shar Pei kostet meist 2’000–3’500 CHF/€. Sehr günstige Tiere stammen fast immer aus Übertypisierungszuchten, Massenzuchten oder unseriösen Importen – mit hohem Risiko für Gesundheitsprobleme.
Adoption: Im Tierschutz landen Shar Peis häufiger als viele denken – oft wegen gesundheitlicher Herausforderungen, falschen Erwartungen oder unzureichender Sozialisation. Für erfahrene und ruhige Haushalte kann die Adoption jedoch eine wunderbare Option sein. Wichtig sind stabile Routinen, emotionale Feinheit und Unterstützung durch eine gute Hundetrainer:in.
Vorbereitung auf den Einzug: Shar Peis brauchen hochwertige Ernährung, regelmässige Gesundheitskontrollen, ruhige und klare Alltagsstrukturen, konsequente Fell- und Faltenpflege, einen sicheren Rückzugsort und wohlüberlegte Sozialisation. Wer das erfüllt, schafft die besten Voraussetzungen für ein entspanntes, gesundes Shar-Pei-Leben.
Fazit
Der Shar Pei ist ein aussergewöhnlicher Hund mit einer besonderen Ausstrahlung: ruhig, würdevoll, loyal und eng an seine Bezugsperson gebunden. Er ist weder ein Sporthund noch ein einfacher Anfängerhund, sondern ein charakterstarker Begleiter, der klare Kommunikation, Stabilität und ein ruhiges Umfeld braucht. Wer bereit ist, sich auf seine Eigenständigkeit einzulassen, wird mit einer tiefen, vertrauensvollen Bindung belohnt.
Entscheidend für diese Rasse sind eine verantwortungsvolle Herkunft, eine frühzeitige Sozialisation und ein respektvoller, geduldiger Umgang. Ein gut gezüchteter Shar Pei mit moderatem Körperbau kann ein gesunder, ausgeglichener und sehr treuer Familienhund sein, der seinen Menschen jahrelang mit Gelassenheit und leiser Zuneigung begleitet.




