Chihuahua (FCI 9/6): Kurzhaar & Langhaar erklärt

Zu den 1 Rassen

Inhalt
  1. Rassen in FCI 9/6
  2. Woher der Chihuahua kommt
  3. Wesen: klein, aber kein Schosshund
  4. Warum «Teacup» keine Rasse ist, sondern eine Warnung
  5. Gesundheit: worauf es bei dieser Grösse ankommt
  6. Was du beim Kauf verlangst
  7. Häufig gestellte Fragen

Der Chihuahua hat eine eigene Sektion, weil er sich nirgends sonst einordnen liess. Er ist der kleinste Hund der Welt, stammt aus Mexiko und gehört zu keiner der Gruppen, mit denen er auf den ersten Blick verwandt wirkt. Die FCI hat ihm deshalb einen eigenen Platz in der Gruppe der Gesellschaftshunde gegeben.

Wer ihn unterschätzt, unterschätzt ihn gründlich. Ein Chihuahua ist kein lebendiges Accessoire, sondern ein wachsamer, meinungsstarker und sehr bindungsfester Hund in einem Körper, dem jede Unachtsamkeit gefährlich wird. Sein grösstes Problem ist heute nicht seine Grösse, sondern was der Markt aus ihr macht.

Woher der Chihuahua kommt

Die Rasse ist nach dem mexikanischen Bundesstaat Chihuahua benannt, in dem europäische Reisende im 19. Jahrhundert kleine Hunde kauften und mit nach Norden nahmen. Ihre Vorgeschichte reicht weiter zurück: Kleine Haushunde sind aus vorspanischen Kulturen Mittelamerikas belegt, wo sie eine Rolle im Alltag und in Bestattungsriten spielten.

Anerkannt und standardisiert wurde die Rasse erst im 20. Jahrhundert, überwiegend von den Vereinigten Staaten aus. Die FCI führt Mexiko bis heute als Ursprungsland. Es gibt zwei Haarvarianten, Kurzhaar und Langhaar, die zusammen eine Rasse bilden und sich im Wesen nicht unterscheiden. Sie dürfen miteinander verpaart werden und fallen in denselben Würfen.

Wesen: klein, aber kein Schosshund

Ein Chihuahua bindet sich meist eng an eine Bezugsperson und begegnet allen anderen erst einmal mit Vorbehalt. Er meldet zuverlässig, hört sehr gut und reagiert auf Veränderungen in seinem Umfeld schneller als grössere Hunde. Diese Wachsamkeit ist Rassemerkmal, nicht Erziehungsfehler.

Das häufigste Problem im Alltag entsteht daraus, dass man ihn nicht wie einen Hund behandelt. Wer ihn hochnimmt, sobald ein anderer Hund auftaucht, bestätigt ihm, dass die Situation gefährlich ist. Wer ihm Verhalten durchgehen lässt, das man einem Schäferhund abgewöhnen würde, bekommt einen Hund, der Konflikte mit Zähnen löst, weil er nie gelernt hat, dass es anders geht. Ein Chihuahua braucht dieselbe Sozialisierung, dieselben Regeln und dieselbe Auslastung wie jeder andere Hund, nur in kleineren Portionen.

Umgekehrt gilt: Er ist kein Anfängerhund für Haushalte mit kleinen Kindern. Nicht weil er beissfreudig wäre, sondern weil er bei ungeschicktem Zugriff schnell und schwer verletzt wird und weil ein Hund, der sich bedroht fühlt und nicht ausweichen kann, sich wehrt.

Warum «Teacup» keine Rasse ist, sondern eine Warnung

Der FCI-Standard nennt ein Gewicht von etwa anderthalb bis drei Kilogramm. Alles, was darunter angeboten wird, ist keine besonders feine Zuchtlinie, sondern in aller Regel eines von drei Dingen: ein Kümmerer aus einem Wurf, ein Welpe, dessen Alter falsch angegeben wird, oder das Ergebnis gezielter Verpaarung von untergewichtigen Tieren.

Die Begriffe «Teacup», «Micro» und «Mini-Chihuahua» kommen in keinem Zuchtstandard vor. Sie sind Verkaufsvokabular. Hunde, die so vermarktet werden, tragen ein deutlich erhöhtes Risiko für Unterzuckerung, offene Fontanelle mit Hirnwasserstau, brüchige Knochen, Zahnfehlstellungen und Herzfehler. Viele erreichen kein hohes Alter, und die Behandlungskosten übersteigen den Kaufpreis um ein Vielfaches.

Dass diese Tiere überhaupt angeboten werden, liegt an der Nachfrage. Solange ein besonders kleiner Hund als besonders wertvoll gilt, wird jemand ihn produzieren. Das ist der Punkt, an dem die Kaufentscheidung Tierschutz ist.

Gesundheit: worauf es bei dieser Grösse ankommt

Die Kniescheibenluxation ist die häufigste orthopädische Diagnose der Rasse. Die Kniescheibe rutscht aus ihrer Führung, der Hund hüpft für ein paar Schritte auf drei Beinen und läuft dann weiter. Leichte Grade bleiben oft unbehandelt, höhere Grade führen zu Arthrose und werden operiert. Zuchttiere sollten untersucht und der Befund schriftlich vorhanden sein.

Die Fontanelle am Schädeldach schliesst sich bei einem Teil der Chihuahuas nie vollständig. Für sich genommen ist das nicht zwingend krankhaft, in Verbindung mit einem Wasserkopf aber ein ernstes Problem. Ein Welpe mit auffällig gewölbtem Schädel, Gleichgewichtsstörungen oder starrem Blick gehört nicht gekauft, sondern gemeldet.

Dazu kommen ein Trachealkollaps, der sich durch anfallsartigen Husten wie ein Gänseschnattern äussert, sowie Zahnprobleme durch zu viele Zähne in einem zu kleinen Kiefer. Milchzähne, die nicht ausfallen, müssen gezogen werden, sonst entsteht Zahnstein an Stellen, an die keine Bürste kommt. Zähneputzen ist bei dieser Rasse kein Luxus.

Ein letzter Punkt betrifft die Zucht selbst: Chihuahua-Hündinnen bringen ihre Welpen häufig per Kaiserschnitt zur Welt, weil der Welpenkopf im Verhältnis zum Becken gross ist. Wer züchtet, geht ein Risiko für die Hündin ein, und wer sehr kleine Hündinnen verpaart, erhöht es bewusst.

Was du beim Kauf verlangst

Lass dir das Gewicht der Elterntiere nennen und die Hündin zeigen. Frag nach dem Untersuchungsbefund zur Kniescheibe, nach Herzauskultation und nach der Zahl der bisherigen Würfe und Kaiserschnitte der Mutter. Ein Welpe geht frühestens mit zwölf Wochen, nicht mit acht: Bei dieser Grösse ist die Unterzuckerungsgefahr in den ersten Wochen real, und die Mutter leistet einen Teil der Sozialisierung, den kein Mensch ersetzt.

Der Chihuahua ist eine der am häufigsten illegal gehandelten Rassen überhaupt. Er ist klein, transportabel, teuer und leicht zu verkaufen, und genau diese Kombination macht ihn für den Welpenhandel attraktiv. Warnzeichen sind Angebote mit sofortiger Verfügbarkeit, mehrere Rassen beim selben Anbieter, Übergabe unterwegs statt zu Hause, ein Impfpass ohne nachvollziehbare Tierarztstempel und jede Formulierung mit «Teacup». Ein Welpe, der ruhig und teilnahmslos in der Hand liegt, ist nicht besonders lieb, sondern vermutlich krank.

Häufig gestellte Fragen

Wie schwer wird ein Chihuahua wirklich?

Der Standard nennt etwa anderthalb bis drei Kilogramm, und in diesem Bereich liegen gesunde, gut gezüchtete Hunde. Ein ausgewachsener Chihuahua von zweieinhalb Kilo ist normal, kein zu grosser Hund. Angebote unter einem Kilo sind ein Warnsignal, keine Qualitätsangabe. Wer einen möglichst kleinen Hund sucht, sucht das Risiko mit.

Braucht ein Chihuahua im Winter einen Mantel?

In der Regel ja, und zwar auch der Langhaar. Bei dieser Körpermasse geht Wärme sehr schnell verloren, und dem Kurzhaar fehlt jede Unterwolle. Kriterium ist der Hund: Wer bei Kälte die Rute einzieht, den Rücken krümmt und die Pfoten hebt, friert. Ein gut sitzender Mantel ist dann Tierschutz, kein Modeartikel. Bei Nässe unter etwa zehn Grad gilt dasselbe.

Wie viel Bewegung braucht ein Chihuahua?

Mehr, als seine Grösse vermuten lässt, aber in anderer Form. Zwei bis drei kürzere Spaziergänge am Tag mit Schnüffelgelegenheit decken den Bedarf gut ab, dazu Kopfarbeit wie Suchspiele oder einfache Tricks. Getragen werden will er nicht, er will laufen. Dauerndes Hochnehmen nimmt ihm Bewegung und Sicherheit zugleich.

Kurzhaar oder Langhaar: was ist der Unterschied?

Nur das Fell. Beide Varianten gehören zur selben Rasse, haben dasselbe Wesen, dieselben Gesundheitsthemen und fallen in denselben Würfen. Der Langhaar braucht ein- bis zweimal wöchentlich Kämmen, vor allem an den Ohrfahnen und den Hosen, der Kurzhaar kommt mit gelegentlichem Bürsten aus. Der Langhaar haart nicht mehr als der Kurzhaar, es fällt nur anders auf.

Sind Chihuahuas kinderfreundlich?

Mit älteren Kindern, die einen Hund lesen und respektieren können, funktioniert es gut. Für Kleinkinder ist die Kombination ungünstig: Der Hund ist zerbrechlich, er kann sich schlecht entziehen, und er verteidigt sich, wenn ihm keine andere Wahl bleibt. Das ist kein Rassefehler, sondern eine Frage der Grössenverhältnisse. Wer beides hat, braucht Rückzugsorte für den Hund, die Kinder nicht betreten.