Verwandte Rassen FCI 6/3: Dalmatiner, Rhodesian Ridgeback & Co.

Zu den 2 Rassen

Was diese Sektion zusammenhält

Wenig, und das ist die ehrliche Auskunft. Die FCI hat die beiden Rassen hier eingeordnet, weil sie in der Anlage zu den Laufhunden gehören, aber weder als Meutehunde auf lauter Fährte noch als Schweisshunde an der Riemen gearbeitet haben. «Verwandte Rassen» heisst genau das: verwandt, aber mit eigener Geschichte.

Der Dalmatiner lief neben Kutschen. Seine Aufgabe war es, das Gespann über weite Strecken zu begleiten, Pferde zu beruhigen und den Wagen zu bewachen, wenn er stand. Diese Herkunft erklärt seinen Körperbau und seinen Bewegungsbedarf besser als jede Rassebeschreibung.

Der Rhodesian Ridgeback entstand im südlichen Afrika aus europäischen Jagdhunden und einheimischen Hunden der Khoikhoi, die den namensgebenden Aalstrich trugen. Er wurde für die Grosswildjagd eingesetzt und hatte dort eine sehr spezielle Rolle: Löwen aufspüren und in Bewegung halten, bis der Jäger da war. Getötet hat er nichts.

Der Dalmatiner: zwei Erbthemen, ein Fell

Das gefleckte Fell des Dalmatiners entsteht durch ein Gen, das auch die Entwicklung des Innenohrs beeinflusst. Ein erheblicher Teil der Welpen wird deshalb auf einem oder beiden Ohren taub geboren. Die Zahlen schwanken je nach Population, aber die Grössenordnung liegt bei etwa einem Fünftel bis einem Viertel aller Welpen mit einseitiger oder beidseitiger Taubheit.

Feststellen lässt sich das nur mit einer BAER-Messung, bei der die Hirnstammantwort auf akustische Reize abgeleitet wird. Ein einseitig tauber Hund verhält sich im Alltag unauffällig, kann aber nicht orten, aus welcher Richtung ein Geräusch kommt, und sollte nicht in die Zucht. Seriöse Züchter lassen jeden Welpen im Wurf testen und legen das Ergebnis vor. Ein Züchter, der sagt, seine Welpen hörten alle gut, hat es nicht gemessen.

Das zweite Thema betrifft den Stoffwechsel. Alle reinrassigen Dalmatiner tragen einen Defekt im Harnsäuretransport und scheiden deutlich mehr Harnsäure aus als andere Hunde. Bei einem Teil der Tiere, überwiegend Rüden, führt das zu Harnsteinen, die den Harnleiter verlegen können. Das ist ein Notfall.

Praktisch heisst das: purinarme Fütterung, jederzeit Zugang zu Wasser und keine langen Phasen ohne Gelegenheit zum Lösen. Es gibt eine Zuchtlinie, in die vor Jahrzehnten kontrolliert ein Pointer eingekreuzt wurde, um die gesunde Genvariante zurückzuholen. Sie ist anerkannt, aber nicht überall verbreitet, und sie ist ein gutes Beispiel dafür, dass Rassezucht Probleme auch lösen kann, wenn sie es will.

Der Rhodesian Ridgeback: der Ridge und was an ihm hängt

Der Ridge ist ein Streifen gegenläufig wachsenden Haars auf dem Rücken. Das Gen, das ihn erzeugt, ist mit einer Fehlbildung gekoppelt: dem Dermoidsinus, einem röhrenförmigen Kanal von der Haut bis in die Tiefe, der sich entzünden kann und operativ entfernt werden muss. Er ist bei sorgfältiger Untersuchung im Welpenalter tastbar.

Daraus folgt eine unbequeme Konsequenz. Welpen ohne Ridge fallen regelmässig in jedem Wurf, und sie sind gesunde Hunde mit geringerem Risiko für diese Fehlbildung. Sie entsprechen nur nicht dem Standard und dürfen nicht ausgestellt oder in die Zucht genommen werden. Dass solche Welpen früher teilweise getötet wurden, ist dokumentiert und war der Auslöser für die heutige Haltung der meisten Zuchtvereine: Sie werden als Familienhunde mit Zuchtausschluss abgegeben. Wer einen Ridgeback als Begleithund sucht und keinen Sport auf Ausstellungen plant, findet hier oft den vernünftigsten Hund im Wurf.

Im Wesen ist der Ridgeback kein Anfängerhund. Er ist selbstständig, körperlich stark, Fremden gegenüber reserviert und trifft eigene Entscheidungen, wenn ihn nichts überzeugt. Er lässt sich gut erziehen, aber nicht befehligen. Dazu kommt ein ausgeprägter Jagdtrieb mit hohem Tempo: Ein Ridgeback, der startet, ist nicht mehr einzuholen.

Bewegung: der Punkt, an dem beide Rassen scheitern

Beide Rassen wurden für Ausdauer über weite Strecken gezüchtet, und beide haben davon nichts verloren. Ein Dalmatiner braucht täglich mehrere Stunden Bewegung, davon einen Teil im Trab am Rad oder neben dem Pferd, und er wird bei Unterforderung nervös, laut und schwer zu halten. Der häufigste Grund, warum Dalmatiner im Tierheim landen, ist nicht Aggression, sondern Unterbeschäftigung.

Beim Ridgeback kommt hinzu, dass er sich Unterforderung nicht anmerken lässt. Er liegt ruhig im Haus, wirkt zufrieden und entwickelt seine Probleme draussen, in Form von Selbstständigkeit, die als Ungehorsam gelesen wird. Beide Rassen brauchen im ersten Lebensjahr allerdings genau das Gegenteil: kontrolliert wenig, weil ihre Gelenke bei diesem Wachstumstempo empfindlich sind.

Was du beim Kauf verlangst

Beim Dalmatiner: den BAER-Befund für den Welpen und für beide Elterntiere, dazu die Auskunft, wie in der Linie mit Harnsteinen umgegangen wird und ob ein Elterntier bereits betroffen war. Frag nach den Fütterungsempfehlungen des Züchters. Wer bei einem Dalmatiner keine Meinung zu Purinen hat, züchtet nicht ernsthaft.

Beim Ridgeback: den tierärztlichen Befund zum Dermoidsinus für den konkreten Welpen, die Hüft- und Ellenbogenauswertung beider Elterntiere und eine klare Antwort auf die Frage, was mit ridgelosen Welpen des Wurfs geschieht. Die Antwort auf diese Frage sagt mehr über einen Züchter aus als seine Ausstellungserfolge.

Für beide gilt: Sie sind auffällig, fotogen und gefragt, und damit sind sie im illegalen Welpenhandel gut vertreten. Ein Angebot mit sofortiger Verfügbarkeit, ohne Befunde, mit Übergabe unterwegs, betrifft Welpen, bei denen weder gemessen noch getastet wurde. Bei diesen beiden Rassen ist das keine Formsache, sondern der Unterschied zwischen einem gesunden Hund und einer Operation im ersten Lebensjahr.

Häufig gestellte Fragen

Sind alle Dalmatiner mit blauen Augen taub?

Nein, aber blaue Augen erhöhen die Wahrscheinlichkeit deutlich, weil dieselbe Pigmentverteilung dahintersteht, die auch das Innenohr betrifft. Gewissheit gibt allein die BAER-Messung, und die ist bei jedem Welpen sinnvoll, unabhängig von der Augenfarbe. Ein einseitig tauber Dalmatiner kann ein gutes Leben führen, gehört aber nicht in die Zucht und braucht im Strassenverkehr besondere Umsicht.

Warum darf ein Dalmatiner kein normales Futter bekommen?

Weil er Harnsäure schlechter abbaut als andere Hunde und aus purinreichen Bestandteilen wie Innereien Steine bilden kann. Er braucht purinarmes Futter, dauerhaft Zugang zu Wasser und regelmässige Gelegenheit zum Lösen. Das ist kein Sonderwunsch, sondern die Grundbedingung dieser Rasse. Rüden sind stärker gefährdet als Hündinnen, weil ihre Harnröhre enger ist.

Ist ein Welpe ohne Ridge weniger wert?

Züchterisch ja, gesundheitlich eher im Gegenteil. Ridgelose Welpen entsprechen nicht dem Standard und werden mit Zuchtausschluss abgegeben, tragen dafür aber ein geringeres Risiko für den Dermoidsinus. Als Familienhund ist ein ridgeloser Ridgeback ein vollwertiger Hund derselben Rasse. Wie ein Züchter mit diesen Welpen umgeht, ist eine der aufschlussreichsten Fragen, die man ihm stellen kann.

Wie viel Bewegung brauchen diese Rassen wirklich?

Beim erwachsenen Hund zwei bis drei Stunden täglich, davon ein spürbarer Anteil im zügigen Tempo. Der Dalmatiner ist ein Laufhund im Wortsinn und eignet sich hervorragend als Begleiter am Rad oder Pferd, der Ridgeback braucht zusätzlich Kopfarbeit, weil ihn reines Laufen nicht auslastet. Im ersten Lebensjahr gilt das Gegenteil: kurze Einheiten, keine Treppen, kein Springen, kein Radfahren, bis die Wachstumsfugen geschlossen sind.

Eignet sich ein Rhodesian Ridgeback für Anfänger?

Selten. Er ist gutmütig gegenüber seiner Familie, aber selbstständig, kräftig und wenig geneigt, Anweisungen ohne erkennbaren Sinn zu befolgen. Dazu kommt ein hoher Jagdtrieb bei enormer Geschwindigkeit. Wer bereits Erfahrung mit selbstständigen Rassen hat, bekommt einen ruhigen, verlässlichen Hund. Wer seinen ersten Hund sucht und über Gehorsam führen will, bekommt einen Dauerkonflikt.