Was die Sektion zusammenhält
Nicht die Verwandtschaft, sondern der Typ. «Urtyp» bezeichnet in der FCI-Systematik Hunde, deren Erscheinung und Verhalten dem Ausgangsform des Haushunds nahe geblieben sind: mittelgross, trocken bemuskelt, mit aufrechten Ohren, keilförmigem Kopf und wenig Übertreibung an irgendeiner Stelle. Die Untergliederung «Jagdhunde» trennt die Rassen ab, die dabei ihre jagdliche Aufgabe behalten haben.
Der Kanarische Podengo und der Cirneco dell’Etna gehören zum mediterranen Typ, den man auf ägyptischen Darstellungen wiederzuerkennen glaubt. Ob diese Linie tatsächlich so weit zurückreicht, ist genetisch umstritten; die heutigen Populationen sind jünger als der Mythos. Unstrittig ist ihre Arbeitsweise: Sie jagen Kaninchen in schwierigem, felsigem Gelände und nutzen dabei Augen, Nase und Gehör gleichzeitig. Die grossen, beweglichen Ohren sind Arbeitswerkzeug.
Der Thai Ridgeback kommt aus dem Osten Thailands und war dort über lange Zeit weitgehend isoliert. Er jagte selbstständig, bewachte Haus und Hof und trug dabei den namensgebenden Aalstrich, einen Streifen gegenläufigen Haars auf dem Rücken.
Was Selbstständigkeit im Alltag bedeutet
Diese Hunde arbeiten nicht für den Menschen, sondern neben ihm. Ein Podengo, der ein Kaninchen sieht, fragt nicht nach. Er entscheidet, startet und kommt zurück, wenn er fertig ist, und das kann zwanzig Minuten oder zwei Stunden dauern. Das ist kein Erziehungsdefizit, sondern die Eigenschaft, wegen der die Rasse existiert.
Praktisch heisst das: Freilauf in unumzäuntem Gelände ist bei den meisten Tieren dieser Sektion keine realistische Option, jedenfalls nicht dort, wo Wild vorkommt. Ein Schleppleinentraining und ein gesicherter Auslauf ersetzen den Freilauf; ein Rückruf, der beim Spaziergang funktioniert, ersetzt ihn nicht, weil er unter Jagdreiz nicht abgefragt wurde.
Dazu kommt die Kletterfähigkeit. Podengos und Cirnechi springen aus dem Stand über Zäune, die man für hoch hält, und finden Lücken, die für einen Hund dieser Grösse nicht vorgesehen waren. Anderthalb Meter sind zu wenig. Zwei Meter mit Überkletterschutz sind der Ansatz, mit dem man anfängt.
Menschen gegenüber sind alle drei Rassen freundlich bis reserviert, aber nicht anhänglich im Sinne eines Retrievers. Sie suchen Nähe zu ihren Leuten, ohne sich zu unterwerfen, und sie reagieren auf Härte mit Rückzug statt mit Gegenwehr. Beim Thai Ridgeback kommt eine deutliche Wachsamkeit gegenüber Fremden hinzu.
Gesundheit: die kurze Liste und die eine Ausnahme
Die mediterranen Rassen dieser Sektion gehören zu den gesündesten Hunden überhaupt. Sie sind nie auf ein Schönheitsmerkmal übertypisiert worden, ihre Populationen waren nie durch wenige Zuchtrüden verengt, und Erbkrankheiten mit Rassebezug sind kaum beschrieben. Fünfzehn Jahre Lebenserwartung sind bei ihnen keine Ausnahme.
Zwei Punkte gehören trotzdem beachtet. Erstens die Kälte: Kurzes Haar ohne Unterwolle und wenig Körperfett bedeuten, dass diese Hunde im mitteleuropäischen Winter frieren und einen Mantel brauchen. Zweitens die Narkose: Wie andere sehr trockene, windhundartige Hunde reagieren sie empfindlicher auf bestimmte Narkosemittel, worauf der Tierarzt hingewiesen werden sollte.
Die Ausnahme ist der Thai Ridgeback. Bei ihm hängt am Ridge-Gen dieselbe Fehlbildung wie beim Rhodesian Ridgeback: der Dermoidsinus, ein Kanal von der Rückenhaut in die Tiefe, der sich entzündet und operiert werden muss. Er ist im Welpenalter tastbar, und ein Züchter, der den Wurf nicht darauf untersuchen lässt, hat eine zentrale Aufgabe nicht erledigt.
Podengo und Podenco: die Tierschutzfrage
Rund um die mediterranen Jagdhunde gibt es eine Realität, die man kennen sollte, bevor man sich für einen entscheidet. In Teilen Spaniens und Portugals werden Podencos als Verbrauchsmaterial der Jagdsaison gehalten und danach ausgesetzt oder getötet. Tierschutzorganisationen vermitteln von dort jedes Jahr Hunde in den deutschsprachigen Raum.
Das ist eine echte Möglichkeit, einem Hund zu helfen, und sie ist etwas anderes als der Kauf eines Welpen. Ein erwachsener Podenco aus dem Tierschutz bringt mit, was er erlebt hat: oft grosse Scheu vor Menschen, manchmal kaum Erfahrung mit Wohnung, Leine und Treppen, fast immer denselben Jagdtrieb. Eine seriöse Vermittlung sagt das offen, macht eine Vorkontrolle, vermittelt nicht auf einen Parkplatz und nimmt den Hund zurück, wenn es nicht passt. Wer nur schnelle Bilder und einen Transporttermin bekommt, hat es mit Handel zu tun, nicht mit Tierschutz.
Der Kanarische Podengo als FCI-Rasse und der aus dem Tierschutz vermittelte «Podenco» sind dabei nicht dasselbe. Der Begriff bezeichnet auf der Halbinsel einen Typ, nicht eine Rasse, und viele der vermittelten Hunde sind Mischlinge dieses Typs. Für die Haltung macht das wenig Unterschied, für die Erwartung an Grösse und Aussehen schon.
Was du beim Kauf verlangst
Beim Thai Ridgeback: den tierärztlichen Befund zum Dermoidsinus für den konkreten Welpen und die Hüftauswertung der Elterntiere. Die Rasse ist in Europa selten, entsprechend klein sind die Zuchtpopulationen, und Importe ohne nachvollziehbare Papiere sind häufig.
Bei Kanarischem Podengo und Cirneco dell’Etna: Ahnentafel eines anerkannten Zuchtverbands, Auskunft über die Verwandtschaft der Elterntiere und ein Züchter, der von sich aus nach deiner Zaunhöhe fragt. Diese Rassen sind so selten, dass ein Angebot mit mehreren verfügbaren Welpen ohne Wartezeit fast immer ein anderes Tier meint als das, was im Inserat steht.
Und in beiden Fällen die ehrliche Vorabfrage an dich selbst: Gibt es hier ein Revier, in dem dieser Hund laufen kann, und einen Garten, den er nicht verlässt? Wenn nicht, ist die Rasse nicht die richtige. Das ist kein Makel dieser Hunde, sondern der Preis dafür, dass sie geblieben sind, was sie waren.
Häufig gestellte Fragen
Kann ein Podengo jemals ohne Leine laufen?
In gesichertem Gelände ja, im freien Feld meistens nicht. Diese Hunde jagen selbstständig und auf Sicht, sie sind extrem schnell und im Jagdmodus praktisch nicht ansprechbar. Ein zuverlässiger Rückruf ist unter Ablenkung ohne Wild trainierbar, unter Wildsicht bei den wenigsten Tieren. Die übliche Lösung sind eingezäunte Hundewiesen, Schleppleine im Gelände und ein Garten mit mindestens zwei Metern Zaun.
Sind diese Rassen gesund?
Der Kanarische Podengo und der Cirneco dell’Etna gehören zu den gesündesten Rassen überhaupt, mit Lebenserwartungen um fünfzehn Jahre und sehr wenigen beschriebenen Erbkrankheiten. Der Thai Ridgeback trägt über sein Ridge-Gen das Risiko eines Dermoidsinus, der operativ entfernt werden muss. Für alle drei gilt: kurzes Haar ohne Unterwolle, also Kälteschutz im Winter, und ein Hinweis an den Tierarzt zur Narkoseempfindlichkeit.
Was ist der Unterschied zwischen Podengo, Podenco und Cirneco?
Es sind regionale Ausprägungen desselben mediterranen Typs. «Podengo» ist die portugiesische, «Podenco» die spanische Bezeichnung, der Cirneco dell’Etna ist die sizilianische Variante und die kleinste davon. Als FCI-Rassen anerkannt sind nur einige davon, während «Podenco» im Tierschutzkontext oft einen Typ und keinen Rassehund meint. Für die Haltung sind sich alle sehr ähnlich.
Eignet sich ein Hund aus dieser Sektion für Anfänger?
Nur unter zwei Bedingungen: gesicherte Auslaufmöglichkeiten und die Bereitschaft, den Jagdtrieb zu managen statt ihn abtrainieren zu wollen. Wer das mitbringt, bekommt einen unkomplizierten, gesunden und angenehm unaufdringlichen Hund. Wer einen Begleiter für den Freilauf im Wald sucht, wird mit dieser Sektion nicht glücklich, egal wie viel Mühe er sich gibt.
Ist ein Tierschutz-Podenco eine gute Alternative zum Welpen?
Für erfahrene Halter oft ja. Man bekommt einen erwachsenen Hund mit sichtbarem Charakter statt einer Prognose, und man nimmt einem Tier eine sehr schlechte Perspektive. Verlangen sollte man eine ehrliche Beschreibung inklusive der Probleme, eine Vorkontrolle, einen Schutzvertrag mit Rücknahmeklausel und einen Gesundheitscheck auf Mittelmeerkrankheiten. Eine Vermittlung, die auf all das verzichtet und nur den Transporttermin nennt, ist Handel mit anderem Etikett.


