Distretto di Lugano
Karte: Wikipedia Commons, Tschubby, CC BY-SA 3.0. Quelle: commons.wikimedia.org Hund im Distretto di Lugano: Was wirklich gilt
Der Luganersee liegt auf 271 Metern. Sein Wasser ist im August warm genug zum Schwimmen, die Luft riecht nach Zypresse und Schilfrohr. Drumherum türmt sich ein Kranz aus Hügeln und kleineren Bergen auf, Monte San Salvatore im Süden, Monte Brè im Osten, das Alto Malcantone im Westen. Der Distretto di Lugano ist der bevölkerungsreichste Bezirk des Kantons Tessin. Er grenzt an Italien, an die Kantone Graubünden und Uri, und vereint auf engem Raum städtisches Leben, Voralpenwald und Seeufer.
Für Hundehalter bedeutet das: viel Abwechslung, aber auch ein dichtes Regelwerk. Der Kanton Tessin hat ein eigenes Hundegesetz (Legge sui cani/TI). Die Gemeinden konkretisieren es per Polizeireglement. Wer mit Hund in Lugano unterwegs ist, bewegt sich täglich durch Zonen mit unterschiedlichen Pflichten – Stadtpark, Seeufer, Kastanienwald. Es lohnt sich, die wichtigsten Regeln zu kennen, bevor man aufbricht.
Leinenpflicht im Distretto di Lugano: Was kommunal gilt
Im Kanton Tessin gilt an öffentlichen Orten, die von Personen oder Tieren frequentiert sind, oder deren Präsenz im Voraus nicht ausgeschlossen werden kann, Leinenpflicht, bei Bedarf auch Maulkorb (Art. 7 Abs. 4 Legge sui cani/TI). Das ist die kantonale Basis. Sie wirkt weit: Promenaden, Parks, Bushaltestellen, belebte Gassen, überall greift diese Pflicht. Die Gemeinden schichten darüber ihre eigenen Reglements.
Stadt Lugano
Die Luganer Altstadt an einem Samstagvormittag: Touristen, Markttaschen, Kinderwagen, Hundehalter. Genau hier kontrolliert die Stadtpolizei. An öffentlichen, stark frequentierten Orten sind Hunde an der Leine, und sofern angezeigt, mit Maulkorb zu führen. Die Stadt Lugano fasst das eng. Parks, die Uferpromenade, Schulareale und öffentliche Spielanlagen gelten als frequentierte Orte im Sinne des Gesetzes. Ob für einen konkreten Park oder Sektor zusätzliche Verbote gelten, erfährst du auf der offiziellen Seite der Stadt Lugano oder direkt beim städtischen Ordnungsamt.
Wald und Brut- und Setzzeit
Sobald der Weg zwischen den Kastanienstämmen verschwindet und Erde unter den Pfoten liegt, gelten andere Regeln. Streunende Hunde, die sich mehr als dreihundert Meter von bewohnten Gebäuden entfernen, dürfen von Beauftragten der Jagdpolizei gefangen oder getötet werden (Art. 11 Abs. 1 Regolamento sulla caccia/TI). Das klingt drastisch, ist aber der Rechtsstand. Ein Hund, der im Tessiner Wald frei läuft und als streichend gilt, ist rechtlich ungeschützt.
Zusätzlich gilt die eidgenössische Verordnung über die Jagdbanngebiete (VEJ, SR 922.31): In Jagdbanngebieten sind Hunde an der Leine zu führen (Art. 5 Abs. 1c VEJ). Im Kanton Tessin betrifft das die Gebiete Campo Tencia und Greina. Diese Gebiete liegen nördlich von Lugano, im Livinental, für Tagesausflüge aus dem Distretto relevant. Im übrigen Tessiner Wald gibt es keine explizite saisonale Wald-Leinenpflicht wie etwa im Aargau oder Zürich, aber die allgemeine Pflicht des Art. 7 Abs. 4 Legge sui cani/TI greift weiterhin. Vor Ort die Beschilderung beachten.
Naturschutzgebiete im Bezirk
Der Distretto di Lugano hat mehrere Schutzzonen, darunter das Naturschutzgebiet Monte Caslano am Westufer des Luganersees. Ob und welche Hunderegelungen in einem konkreten Schutzgebiet gelten, hängt vom kantonalen Dekret ab. Aktuelle Hinweisschilder vor Ort sind verbindlich. Für den Monte Caslano und weitere Schutzflächen informiert das Dipartimento del territorio des Kantons Tessin.
Listenhunde im Distretto di Lugano: Kantonale Bewilligungspflicht für 30 Rassen
Im Kanton Tessin gilt seit April 2009 für 30 Rassen eine Bewilligungspflicht. Die Vorschriften gelten auch für Hunde, die sich länger als 30 Tage pro Jahr im Kanton aufhalten, das betrifft besonders Ferienhaus- und Zweitwohnungsbesitzer.
Die Bewilligung muss vor der Anschaffung des Hundes beim kantonalen Veterinäramt eingeholt werden (Art. 13 Regolamento sui cani/TI). Wer eine Bewilligung beantragt, muss einen Strafregisterauszug vorlegen und wie alle anderen Halter einen Sachkundenachweis besitzen (Art. 9 und Art. 14 Regolamento sui cani/TI). Hunde der Rasseliste sind im öffentlichen Raum ausschliesslich einzeln zu führen (Art. 8 Regolamento sui cani/TI).
Die vollständige Rasseliste sowie das Bewilligungsverfahren findest du beim kantonalen Veterinäramt Tessin. Eine Übersicht zum Tessiner Hunderecht bietet der Artikel des Instituts für Tier im Recht (TIR). Mehr zu den kantonalen Grundlagen findest du in unserem Artikel zum Kanton Tessin.
Hundesteuer und Anmeldung im Distretto di Lugano
Die Hundesteuer in der Schweiz beträgt je nach Kanton und Gemeinde zwischen 50 und 200 Franken pro Jahr. Sie wird dezentral erhoben, mit erheblichen Preisunterschieden. Während Halter in Bellinzona rund 70 Franken zahlen, fallen andernorts deutlich höhere Beträge an. Für die Gemeinden im Distretto di Lugano variieren die Tarife. Aktuelle Sätze erfragst du direkt bei deiner Wohngemeinde.
Innerhalb von 10 Tagen nach Übernahme musst du dich bei deiner Wohngemeinde als Hundehalter registrieren lassen. Dazu kommt die Pflichtregistrierung in der nationalen Hundedatenbank AMICUS. Die Steuer kann je nach Grösse oder Gewicht des Hundes unterschiedlich ausfallen. Blindenhunde und Rettungshunde sind oft von der Steuer befreit. Für die Stadt Lugano und weitere Gemeinden des Bezirks gilt: Frist und Tarif immer bei der jeweiligen Gemeindeverwaltung prüfen.
Die besten Routen im Distretto di Lugano, mit korrekter Rechtslage
Monte San Salvatore, der HausBerg von Lugano
Im Oktober, wenn der Morgendunst noch in den Kastanienwäldern hängt, beginnt der Aufstieg ab Paradiso still. Die ersten Schritte gehen durch Villen und Weinfelder, dann zieht der Weg steil an. Der Gipfel auf 912 Metern bietet eine weite Aussicht auf den See, die Po-Ebene und die Alpen. Der Klassiker auf der Ceresio-Halbinsel: eine rund zehn Kilometer lange Tour vom Gipfel durch Kastanienwälder, vorbei am Dorf Carona, hinunter nach Morcote.
Im Wald gilt die allgemeine kantonale Leinenpflicht nach Art. 7 Abs. 4 Legge sui cani/TI. Die Beschilderung vor Ort ist massgebend. Ob Hunde die Standseilbahn ab Lugano-Paradiso benutzen dürfen, klärst du auf der offiziellen Seite der Funicolare Monte San Salvatore. Aktuelle Routendetails bei SchweizMobil.
Monte Brè und Gandria – Wald, Reben, Seeufer
Der Monte Brè steht auf 925 Metern. Er gilt als einer der sonnigsten Punkte der Schweiz. Vom Gipfel führt der Abstieg über eine längere Treppenpassage und durch Wald zum 300-Seelen-Dorf Brè. Nach einem kurzen Wegstück, gesäumt von Rebhängen, taucht die Route wieder in den Wald hinein und windet sich steil hinunter nach Gandria, ein ehemaliges Fischerdörfchen mit verwinkelten Gassen und verschachtelten Häusern am Ufer des Lago di Ceresio.
Gandria selbst lässt sich gut zu Fuss erkunden. Im Wald gilt Leinenpflicht nach kantonalem Recht. Vor Ort die Hinweisschilder beachten. Für aktuelle Wegbedingungen und Routenvarianten: SchweizMobil.
Alto Malcantone – Kastanienselven und stille Dörfer
Westlich des Luganersees liegt das Malcantone. Der Herbst bringt den Geruch von Kastanienrauch und feuchtem Laub. Rund um den Monte Caslano auf 552 Metern führt ein Lehrpfad zu Flora, Fauna und Geologie des Naturparks, mit Aussichten auf den Lago di Lugano, Caslano und Ponte Tresa. Weiter oben liegt die Kastanienselve Squillin, wo mehrere Dutzend Kastaniensorten gedeihen.
Im Alto Malcantone ist die Wildtierdichte hoch. Rehwild, Füchse und im Frühjahr Bodenbrüter sind in den Selven präsent. Hund anleinen, auch ohne Pflichtschild. Das schont das Wild und schützt deinen Hund vor der Jagdpolizei-Regelung des Art. 11 Regolamento sulla caccia/TI.
Ceresio-Uferweg und Val Colla
Das Seeufer zwischen Lugano und Melide liegt auf Meereshöhe. Im August glänzt der Beton der Promenade weiss. Hunde an der Leine, städtisches Gebiet, stark frequentiert. Wer es ruhiger will, fährt nordöstlich ins Val Colla. Das Tal ist schmal, die Strassen eng, die Dörfer fast menschenleer. Von Sonvico auf den Monte Roveraccio (897 m) öffnet sich auf dem Gipfel ein 360°-Rundblick in die Tessiner Bergwelt. Auch hier: Im Wald und in jagdrelevanten Gebieten Leinenpflicht einhalten.
Was im Distretto di Lugano anders ist als im Rest des Tessins
Lugano ist das wirtschaftliche und demografische Zentrum des Tessins. Die Stadt zieht Grenzgänger, Touristen und Zweitwohnungsbesitzer aus der ganzen Welt an. Genau das macht den Bezirk für Hundehalter komplexer als ländlichere Tessiner Gegenden: Die Gemeinden rund um den Luganersee haben teils dichtes Siedlungsgebiet, teils naturnahe Schutzzonen, unmittelbar nebeneinander. Ein Wechsel zwischen Park und Waldrand kann innerhalb weniger Minuten mehrere Regelzonen bedeuten.
Dazu kommt die Grenzlage zu Italien. Die Tessiner Bewilligungspflicht für Listenhunde gilt auch für Hunde, die sich länger als 30 Tage pro Jahr im Kanton aufhalten (Art. 12 Regolamento sui cani/TI). Wer mit einem bewilligungspflichtigen Hund aus dem benachbarten Grenzraum anreist, ist davon betroffen. Das unterscheidet den Distretto di Lugano von Binnenkantonen ohne Grenzverkehr. Aktuelle Tourismusinfos und Veranstaltungen für die Region findest du bei Lugano Region.
Häufig gestellte Fragen
Gilt im Distretto di Lugano generell Leinenpflicht?
Die Leinenpflicht hängt vom Ort ab. Im Kanton Tessin gilt: An öffentlichen Orten, die von Personen oder Tieren frequentiert sind, sind Hunde anzuleinen, und bei Bedarf mit Maulkorb zu führen (Art. 7 Abs. 4 Legge sui cani/TI). Das trifft auf die meisten städtischen und touristischen Bereiche zu. Im Wald gilt dieselbe Grundregel. Zusätzlich gelten die Vorschriften der jeweiligen Gemeinde. Vor Ort die Beschilderung lesen.
Ich reise mit meinem Rottweiler nach Lugano. Was muss ich beachten?
Der Kanton Tessin führt seit 2009 eine Liste von 30 bewilligungspflichtigen Rassen. Die Bewilligung muss vor der Einreise beim kantonalen Veterinäramt eingeholt werden. Sie gilt auch für Hunde, die sich länger als 30 Tage pro Jahr im Kanton Tessin aufhalten. Bewilligungspflichtige Hunde sind im öffentlichen Raum einzeln zu führen. Mehr dazu beim Veterinäramt des Kantons Tessin.
Wie melde ich meinen Hund in Lugano an?
Du meldest deinen Hund innerhalb von 10 Tagen nach Übernahme bei deiner Wohngemeinde an. Gleichzeitig registrierst du ihn in der nationalen Datenbank AMICUS. Die Gemeinde stellt danach jährlich die Hundetaxe in Rechnung. Tarife und Formulare bekommst du direkt bei der Gemeindeverwaltung.
Was passiert, wenn mein Hund im Tessiner Wald frei läuft?
Im Kanton Tessin dürfen streunende Hunde, die sich mehr als 300 Meter von bewohnten Gebäuden entfernen, von der Jagdpolizei gefangen oder getötet werden, ohne Entschädigungspflicht (Art. 11 Abs. 1 Regolamento sulla caccia/TI). Das gilt auch dann, wenn der Hund nicht als gefährlich eingestuft ist. Hund im Wald immer anleinen oder in unmittelbarer Rufweite halten.
Sind Hunde am Luganersee erlaubt?
Das hängt vom konkreten Uferabschnitt ab. Bestimmte Badestellen und Parkanlagen am Seeufer haben spezifische Regelungen oder saisonale Einschränkungen. Ob Hunde an einem bestimmten Ort erlaubt sind, prüfst du auf der offiziellen Seite der jeweiligen Gemeinde oder liest die Beschilderung vor Ort.
Quellen
- Tier im Recht (TIR): Hunderecht Kanton Tessin – Legge sui cani/TI, Regolamento sui cani/TI
- Dipartimento del territorio Kanton Tessin – Naturschutz und Jagdverwaltung
- Stadt Lugano, offizielle Informationen
- SchweizMobil, Wanderrouten Distretto di Lugano
Saisonale Hinweise
Beste Jahreszeit: Sommer