Krefeld (Kreisfreie Stadt)
Hund in Krefeld: Was wirklich gilt
Krefeld liegt am linken Niederrhein, knapp 20 Kilometer nordwestlich von Düsseldorf. Im Osten der Rhein, im Westen das flache Ackerland der niederrheinischen Tiefebene. Die Stadt grenzt an die Kreise Viersen, Neuss und Wesel. Auf den ersten Blick: Textilfabriken, Hafen, dichte Bebauung. Wer mit Hund loszieht, entdeckt das andere Gesicht schnell. Feuchtwiesen, eiszeitliche Hügelketten, zehn Naturschutzgebiete und ein langer Rheinuferstreifen, der in Sichtweite der Schornsteine naturbelassen geblieben ist.
Genau diese Mischung hat einen Haken. Die kommunalen Regeln sind präzise. Besonders in den Naturschutzgebieten kontrollieren der Kommunalbetrieb und der Kommunale Ordnungsdienst regelmäßig. Das Landeshundegesetz NRW (LHundG NRW) bildet die gesetzliche Grundlage. Krefeld legt darüber kommunale Anforderungen. Wer die kennt, bewegt sich entspannt. Wer sie ignoriert, zahlt ein Bußgeld direkt auf dem Feldweg.
Leinenpflicht in Krefeld: Was kommunal gilt
Das LHundG NRW schreibt Leinenpflicht vor: in Fußgängerzonen und Haupteinkaufsbereichen, in umfriedeten Park-, Garten- und Grünanlagen sowie bei öffentlichen Versammlungen und Volksfesten. Das ist der landesweite Mindeststandard. Krefeld legt eine eigene Schicht darüber, und die ist spürbar strenger als in vielen anderen NRW-Kommunen.
Innenstadt und Grünanlagen
Wochenmarkt, Fußgängerzone, Stadtpark: Hund an die Leine. Die kommunale Leinenpflicht gilt in Fußgängerzonen und Haupteinkaufsbereichen, in öffentlich zugänglichen umfriedeten Parkanlagen und Grünanlagen sowie bei Veranstaltungen mit Menschenansammlungen. Ausgenommen sind ausgewiesene Hundeauslaufflächen.
Für große Hunde gilt zusätzlich: Wer einen Hund hält, der ausgewachsen mindestens 40 Zentimeter Widerristhöhe oder mindestens 20 Kilogramm Gewicht erreicht, muss ihn in bebauten Ortsteilen auf allen öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen anleinen. Ausgenommen sind offiziell ausgewiesene Hundewiesen.
Wald: Was das Landesrecht regelt
Das Oberverwaltungsgericht Münster stellte 2012 klar: Auf Waldwegen in NRW dürfen Hunde frei laufen. Ein kommunaler Leinenzwang greift dort nicht, wo die Gemeinde nicht selbst zuständig ist. Im Wald selbst gilt Leinenpflicht, auf den Wegen nicht, sofern der Hund in Ruf- und Sichtweite bleibt und gehorcht. Das regelt das Landesjagdgesetz NRW.
Für Stadtwald, Forstwald und Hülser Berg gilt Sonderrecht. Die Stadt Krefeld hat diese Gebiete per kommunaler Ordnungsbehördlicher Verordnung als öffentliche Anlagen eingestuft. Damit gilt dort generelle Anleinpflicht. Ausnahme: die ausgewiesene Hundewiese im Stadtwald.
Naturschutzgebiete: Ganzjährig Leine
In allen zehn Krefelder Naturschutzgebieten gilt ein generelles Leinengebot. Das ist keine Empfehlung. Es ist bindende Verordnung. Das größte Gebiet ist der Bereich Hülser Berg und Hülser Bruch mit rund 430 Hektar. Weitere Schutzgebiete sind Egelsberg, Latumer Bruch und Niepkuhlen. Kiebitz, Feldlerche und Waldschnepfe brüten hier. Der Kommunalbetrieb kontrolliert. Wer den Hund im Hülser Bruch von der Leine lässt, riskiert ein Ordnungswidrigkeitsverfahren.
Listenhunde in Krefeld: LHundG NRW als Grundlage
Das LHundG NRW unterscheidet drei Kategorien: gefährliche Hunde (§ 3), Hunde bestimmter Rassen (§ 10) und große Hunde (§ 11). Krefeld setzt dieses Landesrecht um, ohne eigene Verschärfungen der Rassenliste.
Als gefährliche Hunde nach § 3 LHundG NRW gelten Pitbull Terrier, American Staffordshire Terrier, Staffordshire Bullterrier und Bullterrier sowie deren Kreuzungen. Unter „Hunde bestimmter Rassen“ nach § 10 fallen Alano, American Bulldog, Bullmastiff, Mastiff, Mastino Espanol, Mastino Napoletano, Fila Brasileiro, Dogo Argentino, Rottweiler und Tosa Inu. Für beide Gruppen gilt im öffentlichen Raum: Leinenpflicht und Maulkorbpflicht ab dem sechsten Lebensmonat.
Für die Haltung brauchst du eine Haltungserlaubnis des Krefelder Ordnungsamts. Du legst außerdem eine Haftpflichtversicherung vor, mindestens 500.000 Euro Deckung für Personenschäden und 250.000 Euro für sonstige Schäden. Eine Befreiung vom Maulkorb ist nach bestandener Verhaltensprüfung bei einem amtlichen Tierarzt möglich (§ 5 Abs. 3 LHundG NRW). Wer diese Prüfung nachweist, zahlt außerdem den normalen Hundesteuer-Satz statt den erhöhten Listenhund-Tarif.
Mehr zur landesweiten Systematik des LHundG NRW findest du in der Übersicht Nordrhein-Westfalen auf rundum.dog.
Hundesteuer und Anmeldung in Krefeld
Krefeld hat die Hundesteuersätze zum 1. Januar 2025 angepasst. Für einen Hund zahlst du 112 Euro pro Jahr. Ab dem zweiten Hund werden je 130 Euro fällig, ab dem dritten je 148 Euro. Für gefährliche Hunde und Hunde bestimmter Rassen gilt bei zwei oder mehr Tieren ein deutlich erhöhter Satz von 900 Euro pro Tier und Jahr. Die aktuellen Tarife und mögliche Sonderregelungen erfragst du direkt beim Serviceportal der Stadt Krefeld.
Wer seinen Hund aus dem Tierheim übernimmt, ist ein Jahr lang steuerfrei, gerechnet ab dem Monat der Übernahme. Danach gilt der reguläre Ersthund-Satz. Wer Sozialhilfe, Grundsicherung im Alter oder Grundsicherung für Arbeitssuchende bezieht, kann eine Ermäßigung beantragen.
Du meldest deinen Hund innerhalb von 14 Tagen nach Aufnahme in den Haushalt an. Seit 2025 gibt es keine physische Steuermarke mehr. Stattdessen erhältst du einen QR-Code auf dem Steuerbescheid. Den kannst du als Foto auf dem Smartphone oder als Ausdruck mitführen. Beides gilt bei Kontrollen durch den Kommunalen Ordnungsdienst als Nachweis. Die Anmeldung läuft über das Serviceportal der Stadt Krefeld.
Hältst du einen großen Hund? Dann legst du dem Fachbereich Ordnung zusätzlich vor: einen Sachkundenachweis, den Mikrochip-Nachweis zur fälschungssicheren Kennzeichnung und den Abschluss einer Tierhalterhaftpflichtversicherung.
Die besten Routen in Krefeld, mit korrekter Rechtslage
Hülser Berg und Hülser Bruch: Eiszeitliche Endmoräne mit Regeln
Im Oktober leuchten die Buchen am Hülser Berg rötlich. Der Boden riecht nach feuchtem Laub. Das größte Krefelder Naturschutzgebiet zeigt sich dann von seiner eindrücklichsten Seite. Der Hülser Berg ist eine eiszeitliche Endmoräne, 63 Höhenmeter, die höchste Erhebung im Stadtgebiet. Oben stehen ein Aussichtsturm, ein Gesteinsgarten, drei Wildgehege. Südwestlich schließt das Hülser Bruch an, zusammen rund 430 Hektar Schutzgebiet.
Die Rechtslage ist eindeutig. Der Hülser Berg ist kommunal als öffentliche Anlage eingestuft, generelle Anleinpflicht gilt. Im Hülser Bruch als Naturschutzgebiet darf der Hund nicht frei laufen. Die Schilder vor Ort weisen darauf hin. Die gesamte Runde um Berg und Bruch läuft also mit Leine, durchgehend. Dafür bekommst du breite Feldwege, Wildgehege zum Anschauen und an klaren Tagen eine Aussicht bis zu den Ausläufern des Bergischen Landes.
Rheinufer zwischen Krefeld und Duisburg: Kies, Wind, weiter Blick
Wenn der Westwind über den Strom fegt und die Silberpappeln an den Uferböschungen rauschen, ist die Rheinroute von der Krefelder Rheinbrücke ostwärts eines der entspanntesten Gassigebiete der Region. Naturbelassene Wiesenpfade führen durch alte Weidenbestände. An ruhigen Wochentagen teilst du das Ufer mit ein paar Radfahrern und viel offenem Himmel. Bei niedrigem Wasserstand schieben sich Rheinkiesbänke ans Licht, wasserbegeisterte Hunde schätzen das.
Das Rheinufer außerhalb von Spielbereichen und Freizeitanlagen gilt nicht als umfriedete Grünanlage im Sinne des LHundG NRW, solange du nicht in einem ausgewiesenen Schutzgebiet unterwegs bist. Große Hunde müssen in bebauten Ortsteilen angeleint bleiben. Auf dem offenen Uferstreifen fernab von Siedlungen greift § 11 LHundG NRW nicht. Prüf vor Ort die Beschilderung, besonders in der Nähe von Campingplätzen.
Aktuelle Routentipps für das Niederrhein-Gebiet findest du bei NRW-Tourismus.
Stadtwald Krefeld: Hundewiese als Ventil
Samstagnachmittag im Stadtwald: Schattige Eichenwege, alte Baumriesen, gefederter Waldboden, der auch im Hochsommer kühl bleibt. Und fast immer andere Hunde. Die ausgewiesene Hundewiese im Stadtwald ist das einzige Areal, wo du die Leine offiziell abnehmen darfst. Auf den übrigen Wegen gilt kommunale Anleinpflicht, auch dort, wo das Landesforstrecht Freilauf eigentlich erlauben würde.
Die Hundewiese ist innerhalb des Stadtwalds ausgeschildert. Koordinaten und aktuelle Lage erfährst du über das Stadtportal krefeld.de/de/ordnung/hunde.
Latumer Bruch und Niepkuhlen: Feuchtgebiete im Südosten
Im Frühjahr klingen Latumer Bruch und Niepkuhlen nach Kiebitz-Rufen. Im Herbst verschwimmen die Konturen der Kopfweiden im Morgennebel. Beides sind stille Gebiete, kaum Spaziergänger, große Weitsicht über die flachen Niederrheinwiesen. Beides sind auch Naturschutzgebiete. In allen Krefelder Naturschutzgebieten gilt ganzjährig generelles Leinengebot. Das ist nicht verhandelbar. Der Kommunalbetrieb kontrolliert. Der Reiz dieser Feuchtbiotope bleibt trotzdem real, nur eben mit Leine.
Was in Krefeld anders ist als im Rest von NRW
Krefeld ist kein monolithischer Stadtkörper. Es ist eine Ansammlung von Stadtteilen mit unterschiedlichem Charakter, dichte Innenstadt, der Ortsteil Hüls mit Bergdorf-Atmosphäre, landwirtschaftlicher Stadtrand im Westen. Das Stadtrecht ist dabei strenger als das Landesrecht es verlangt.
Stadtwald, Forstwald und Hülser Berg unterliegen kommunaler Anleinpflicht per Ordnungsbehördlicher Verordnung. Das überrascht viele Hundehalter: Das OVG Münster hat 2012 für NRW-Wälder Freilauf auf Wegen erlaubt. Die Logik dahinter ist kommunalrechtlich. Diese Waldgebiete wurden zugleich als öffentliche Anlage im Sinne der kommunalen Sicherheitsverordnung eingestuft. Damit greift Kommunalrecht, nicht Landesforstrecht.
Hinzu kommt die Dichte der Schutzgebiete. Zehn Naturschutzgebiete für eine kreisfreie Stadt dieser Größenordnung sind viel. In der Praxis heißt das: Du hast in Krefeld deutlich weniger Fläche für legalen Freilauf als in vergleichbaren NRW-Städten. Die Hundewiese im Stadtwald ist für viele Hundehalter kein optionales Angebot, sondern das wichtigste Ventil im Stadtgebiet. Wer mehr Freilauf braucht, fährt in die offene Feldflur westlich Krefelds. Dort bieten Wege abseits von Schutzgebieten und Siedlungsrändern deutlich mehr Spielraum.
Häufig gestellte Fragen
Muss ich meinen Hund im Stadtwald Krefeld anleinen?
Ja. Krefeld hat Stadtwald, Forstwald und Hülser Berg per kommunaler Ordnungsbehördlicher Verordnung als Anlagen eingestuft, in denen generelle Leinenpflicht gilt. Das gilt auch auf den Waldwegen, obwohl das OVG Münster 2012 für NRW-Wälder Freilauf auf Wegen erlaubt hat. Ausnahme ist die ausgewiesene Hundewiese im Stadtwald. Dort darf der Hund ohne Leine laufen.
Wie hoch ist die Hundesteuer in Krefeld 2025?
Seit Januar 2025 zahlst du für einen Hund 112 Euro pro Jahr, für den zweiten je 130 Euro, ab dem dritten je 148 Euro. Für gefährliche Hunde oder Hunde bestimmter Rassen wird bei zwei oder mehr Tieren ein erheblich höherer Satz fällig. Die Anmeldung muss innerhalb von 14 Tagen nach Aufnahme des Hundes erfolgen. Statt einer physischen Marke gibt es ab 2025 einen QR-Code auf dem Steuerbescheid.
Darf ich mit meinem Hund im Hülser Bruch frei laufen?
Nein. Hülser Bruch und Hülser Berg bilden zusammen das größte Naturschutzgebiet der Stadt Krefeld. In allen Krefelder Naturschutzgebieten gilt ganzjährig generelle Leinenpflicht. Die Gebiete sind beschildert, der Kommunalbetrieb kontrolliert. Ein Verstoß ist eine Ordnungswidrigkeit.
Was gilt für meinen Rottweiler oder American Bulldog in Krefeld?
Beide Rassen fallen unter „Hunde bestimmter Rassen“ nach § 10 LHundG NRW. Du brauchst eine Haltungserlaubnis des Krefelder Ordnungsamts, einen Sachkundenachweis, eine Haftpflichtversicherung mit mindestens 500.000 Euro Deckung für Personenschäden sowie einen Mikrochip zur Kennzeichnung. Im öffentlichen Raum gilt Leinenpflicht und Maulkorbpflicht ab dem sechsten Lebensmonat. Nach bestandener Verhaltensprüfung ist eine Befreiung vom Maulkorb möglich.
Was muss ich für einen großen Hund (über 40 cm / 20 kg) in Krefeld zusätzlich beachten?
Große Hunde nach § 11 LHundG NRW meldest du beim Krefelder Fachbereich Ordnung an. Dazu legst du Sachkundenachweis, Mikrochip-Kennzeichnung und eine Tierhalterhaftpflichtversicherung vor. In bebauten Ortsteilen gilt auf allen öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen Leinenpflicht, ohne Ausnahmen außerhalb der Hundewiese. Befreiungsmöglichkeiten von der Leinenpflicht für große Hunde gibt es in Krefeld nicht.
Quellen
- Serviceportal Stadt Krefeld – Hundehaltung (Leinenpflicht, Anzeigepflicht, LHundG NRW)
- Serviceportal Stadt Krefeld – Hundesteuer (Steuersätze 2025, digitale Marke)
- Stadt Krefeld, Fachbereich Umwelt – Informationen für Hundehalter (PDF)
- LHundG NRW, Landeshundegesetz Nordrhein-Westfalen (recht.nrw.de)
Saisonale Hinweise
Beste Jahreszeit: Sommer
Bild: Wikimedia Commons –