Hunderasse · FCI-Gruppe 1

Bergamasker Hirtenhund (Cane da Pastore)

Selbstständiges Denken, Schutztrieb und 90 Minuten Bewegung täglich sind kein Bonus — sie sind das Grundprofil dieser Rasse.

Größe 54–62 cmGewicht 26–38 kgLebenserwartung 13–15 JahreFCI-Standard Nr. 194
GrossLanghaar
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Foto eines Bergamasker Hirtenhund (Cane da Pastore) – KI-generiert (Imagen 4) für rundum.dog
Quelle: KI-Symbolbild Rasse

01Kurzfazit

In einem Absatz

Wenn du nur 30 Sekunden Zeit hast.

Der Bergamasker Hirtenhund ist ein robuster Alpen-Hütehund, der Jahrhunderte lang eigenverantwortlich arbeitete — und dieses Erbe täglich mitbringt. Sein verfilztes Fell ist unverwechselbar, sein Charakter noch markanter: ruhig, wachsam, tief menschenbezogen und dennoch konsequent selbstständig denkend. Wer diese Rasse hält, übernimmt Verantwortung für einen Hund, der Führung nicht erwartet, sondern prüft.

02Einleitung

Was den Bergamasker Hirtenhund (Cane da Pastore) ausmacht

Einleitung

Der Bergamasker Hirtenhund ist ein italienischer Alpen-Schäferhund, FCI-Gruppe 1, bekannt für sein charakteristisches verfilztes Fell, Widerristhöhe 54–62 cm.

03Steckbrief

Eckdaten und Eignung

Steckbrief
Herkunft
Italien
Ursprüngliche Aufgabe
Schafhüten in den Alpen
FCI
Nr. 194 · Gruppe 1 · Sektion 1: Schäferhunde (Gruppe 1: Hütehunde und Treibhunde, ausgenommen Schweizer Sennenhunde). Mit Arbeitsprüfung.
Schulterhöhe
54–62 cm
Gewicht
26–38 kg
Lebenserwartung
13–15 Jahre
Felltyp
Langhaar
Benötigte Bewegung
60 min/Tag
Welpenpreis
1'200–2'000 CHF
Wartezeit
12 Monate
Sportarten
Hütearbeit · Obedience · Wandern
Charakter-Profil
Aktivitätslevel 3/5
Freundlichkeit zu Fremden 3/5
Bellneigung 3/5
Jagdtrieb 2/5
Spieltrieb 3/5
Erfahrung nötig 3/5
Hitzetoleranz 2/5
Kältevertraeglichkeit 5/5

04Wesen

So zeigt sich der Bergamasker Hirtenhund (Cane da Pastore) im Alltag

Im Alltag

Beim Morgenspaziergehen zeigt sich, was den Bergamasker von vielen anderen Hunden unterscheidet: Er läuft nicht einfach mit, er beobachtet. Passanten, Fahrräder, andere Hunde — der Bergamasker registriert alles, bewertet es und entscheidet dann, ob Reaktion nötig ist. Diese Wachheit ist kein Nervosität, sondern genetisch verankerte Arbeitshaltung.

Im Alltag

Intern — also in dem, was der Hund selbst benötigt — zeigt die Rasse einen hohen Sozialbedarf gegenüber der Bezugsfamilie. Der Bergamasker möchte wissen, wo seine Menschen sind. Er folgt nicht aufdringlich, aber er positioniert sich so, dass er den Überblick behält. Abends auf dem Sofa liegt er oft so, dass er Tür und Fenster im Blick hat. Das ist kein Zufall.

Im Alltag

Extern — also in der Reaktion auf Fremdes — verhält sich die Rasse deutlich reservierter. Besuch, der zum ersten Mal kommt, wird beobachtet, nicht begrüßt. Der Bergamasker entscheidet selbst, wann er Kontakt zulässt. Dieser Prozess kann Minuten oder auch mehrere Besuche dauern. Wer das als Ablehnung interpretiert und den Hund drängt, erzeugt Stress. Wer es als rassetypisches Verhalten versteht und dem Hund Raum lässt, erlebt nach einiger Zeit einen ruhigen, verlässlichen Umgang.

Im Alltag

Kopfarbeit ist kein optionales Extra. Ein Bergamasker ohne mentale Auslastung beginnt, sich selbst Aufgaben zu suchen — er beobachtet Nachbarn, kontrolliert Zäune, reagiert auf Geräusche. Diese Eigeninitiativen können sich zu unerwünschten Verhaltensweisen entwickeln, wenn sie nicht durch strukturierte Aufgaben kanalisiert werden. Nasenarbeit, Hüteübungen oder klar strukturierte Trainingseinheiten geben dem Hund das, was er genetisch erwartet: eine sinnvolle Aufgabe mit einem nachvollziehbaren Ergebnis.

05Bedürfnisse

Was diese Rasse täglich benötigt

Der Bergamasker benötigt täglich mindestens 90 Minuten aktive Bewegung — aufgeteilt auf mehrere Einheiten, nicht als einzelner langer Spaziergang. Reine Laufstrecke reicht dabei nicht aus. Die Bewegung sollte mit Wahrnehmungsaufgaben verbunden sein: wechselndes Gelände, neue Gerüche, unbekannte Situationen, die der Hund eigenständig einschätzen kann.

Mentale Auslastung steht gleichwertig neben der körperlichen Bewegung. Der Kopfarbeit-Bedarf dieser Rasse ist hoch. Nasenarbeit, Suchaufgaben, strukturierte Gehorsamkeitsübungen oder — wo möglich — Hütearbeit entsprechen dem genetischen Profil des Bergamaskers. Ohne diese Komponente entsteht ein Hund, der seine Energie in unkontrollierte Wachsamkeit oder territoriales Verhalten investiert.

Der Sozialbedarf gegenüber der Bezugsgruppe ist ausgeprägt. Der Bergamasker toleriert kein dauerhaftes Alleinbleiben. Bis zu vier Stunden allein sind mit guter Eingewöhnung möglich, darüber hinaus entsteht Stress, der sich in Unruhe oder übermäßigem Bellen äußert. Ein Hund, der regelmäßig länger allein bleibt, benötigt eine verlässliche Betreuungslösung.

Die Erziehung erfordert Konsequenz ohne Druck. Der Bergamasker reagiert auf Härte mit Rückzug oder Widerstand — beides ist kontraproduktiv. Ruhige, klare Kommunikation mit nachvollziehbaren Regeln funktioniert. Der Hund lernt schnell, testet aber Grenzen, wenn sie unscharf werden. Eine begleitende Hundeschule mit Erfahrung in selbstständigen Hütehunden ist für die meisten Halter empfehlenswert, besonders in der ersten Haltungsphase.

Ein Garten mit sicherem Zaun ist vorteilhaft, ersetzt jedoch keine strukturierte Führung. Der Bergamasker nutzt einen Garten zur Beobachtung und Kontrolle — nicht zur Selbstbeschäftigung im Sinne von Auslastung.

Bewegung

Hoch

Kopfarbeit

Viel

Sozialbedarf

Hoch

Erziehung

Anspruchsvoll

06Sport & Auslastung

Wozu sich der Bergamasker Hirtenhund (Cane da Pastore) sportlich eignet

Realistisch nach Physiologie und Genetik — nicht jede Rasse passt zu jedem Sport.

Strukturell-physiologisch passend: Hütearbeit, Treibball, Coursing geeignet · CaniCross / Bikejöring möglich.

07Schnell-Check

08Eignung

Für wen passt diese Rasse — und für wen nicht

✓Passt zu

Der Bergamasker passt zu Haltern mit nachweisbarer Erfahrung in der Führung selbstständig denkender Hunde — idealerweise Hütehunde oder andere Rassen mit ausgeprägtem Schutztrieb. Wer bereits einen Hund dieser Kategorie erfolgreich geführt hat, bringt die nötige Grundlage mit.

Geeignet sind Haushalte, die täglich mindestens 90 Minuten aktive Bewegung plus strukturierte Kopfarbeit anbieten können. Ein naturnahes Umfeld — ländlich oder zumindest mit regelmäßigem Zugang zu Wald und Gelände — entspricht dem Bewegungsprofil der Rasse.

Familien mit Kindern ab etwa acht Jahren sind geeignet, wenn Kinder im Umgang mit Hunden sozialisiert sind und die Eltern die Führungsrolle klar übernehmen. Der Bergamasker akzeptiert Kinder als Teil seiner Bezugsgruppe, erwartet jedoch respektvollen Umgang.

Halter, die Freude an einer engen, ruhigen Mensch-Hund-Bindung haben und nicht auf einen sozial offenen Hund angewiesen sind, finden im Bergamasker einen verlässlichen Begleiter. Wer Besucher selten empfängt oder damit umgehen kann, dass der Hund Fremden gegenüber reserviert bleibt, ist im Vorteil.

Menschen mit Interesse an Nasenarbeit, Hüteübungen oder strukturierten Hundesportarten, die dem Arbeitsprofil der Rasse entsprechen, bieten dem Bergamasker eine sinnvolle Auslastung. Auch ruhige Einzelpersonen oder Paare mit ausreichend Zeit und Erfahrung sind geeignete Halter.

×Passt nicht zu

Der Bergamasker ist nicht geeignet für Ersthalter ohne Vorerfahrung mit selbstständig denkenden Hunden. Wer bisher ausschließlich sozial offene, führige Rassen gehalten hat, unterschätzt erfahrungsgemäß die Eigenständigkeit dieser Rasse — mit Konsequenzen, die sich erst nach Monaten zeigen.

Haushalte, in denen der Hund regelmäßig mehr als vier Stunden allein bleibt, ohne Betreuungslösung, sind ungeeignet. Der hohe Sozialbedarf des Bergamaskers verträgt sich nicht mit dauerhafter Isolation.

Wer einen sozial offenen, für alle freundlichen Hund sucht, wird mit dem Bergamasker nicht glücklich. Die rassetypische Zurückhaltung gegenüber Fremden ist kein Erziehungsproblem — sie ist Wesensmerkmal. Wer dieses Verhalten als störend empfindet oder versucht, es wegzutrainieren, erzeugt Stress beim Hund ohne dauerhaften Erfolg.

Wer die Fellpflege unterschätzt oder keine Zeit für die intensive Aufbauphase der Filzplatten in den ersten Lebensjahren mitbringt, sollte diese Rasse nicht wählen. Das Fell ist kein dekoratives Merkmal — es erfordert regelmäßige Kontrolle und gezielte Pflege.

Stadthalter ohne Zugang zu naturnahem Gelände und ohne Möglichkeit für strukturierte Kopfarbeit sind ebenfalls schlecht positioniert. Ein Bergamasker, der ausschließlich auf Asphalt spaziert und keine Aufgaben erhält, entwickelt Verhaltensweisen, die den Alltag belasten.

10Linien-Realität

Show-Linie, Arbeitslinie, Vermehrer-Markt

Der Bergamasker Hirtenhund weist keine ausgeprägte Linien-Differenzierung zwischen Show- und Arbeitslinie auf, wie sie etwa beim Border Collie oder Deutschen Schäferhund bekannt ist. Die Rasse ist weltweit so selten, dass die Zucht primär auf Erhalt des Gesamttyps ausgerichtet ist — eine Spezialisierung in distinkte Linien hat sich nicht etabliert.

Der FCI-Standard schreibt eine Arbeitsprüfung vor, was bedeutet, dass Arbeitseigenschaften offiziell Teil des Zuchtziels bleiben. In der Praxis werden Bergamasker in der DACH-Region kaum noch zur aktiven Hütearbeit eingesetzt, jedoch zeigen die meisten Hunde aus seriöser Zucht die rassetypischen Eigenschaften — Wachsamkeit, Eigenständigkeit, Schutztrieb — in vollem Umfang.

Regionale Unterschiede existieren zwischen italienischen Zuchten, die näher am Arbeitstypus orientiert sind, und einzelnen mitteleuropäischen Zuchten, die stärker auf Begleithund-Eignung selektieren. Diese Unterschiede sind jedoch graduell, nicht kategorial. Ein Halter, der einen Bergamasker aus einer italienischen Arbeitszucht erwirbt, sollte mit einem Hund rechnen, der seinen Schutztrieb und seine Eigenständigkeit deutlicher auslebt als ein Hund aus einer auf Begleitung fokussierten Zucht.

Die Empfehlung lautet: Vor dem Kauf das Zuchtprogramm des Züchters gezielt erfragen — welche Arbeitsprüfungen die Elterntiere absolviert haben und wie die Welpen sozialisiert wurden, gibt mehr Aufschluss über den zu erwartenden Charakter als das Herkunftsland allein.

11Gesundheit · Realität

Was du beim Bergamasker Hirtenhund (Cane da Pastore) medizinisch einplanen musst

Der Bergamasker gilt als robuste Rasse mit einer Lebenserwartung von 13 bis 15 Jahren — ein für mittelgroße Hunde überdurchschnittlicher Wert, der auf die historisch arbeitsorientierte Zucht ohne extreme Typisierung zurückgeführt wird.

Hüftdysplasie (HD) tritt in der Rasse auf, ist jedoch nicht so verbreitet wie bei großen Hütehunden. Belastbare rassenspezifische HD-Prävalenzstudien für den Bergamasker existieren aufgrund der geringen Populationsgröße nicht. Als Orientierung gilt: Seriöse Züchter legen HD-Röntgenbefunde beider Elterntiere vor — ein Züchter ohne diese Nachweise ist kein verlässlicher Partner. Augenprobleme, insbesondere progressive Retinaatrophie (PRA), sind als rassetypisches Risiko bekannt und sollten durch Augenuntersuchungen der Elterntiere abgeklärt sein.

Das Fell erfordert besondere Aufmerksamkeit: Unter den Filzplatten können sich Feuchtigkeit, Schmutz und Parasiten ansammeln. Regelmäßige Kontrolle der Haut unter den Platten — mindestens monatlich — beugt Hautreizungen und Infektionen vor. Ohren und Pfoten sind ebenfalls regelmäßig zu kontrollieren, da das dichte Fell dort Probleme verdecken kann.

Übergewicht ist bei dieser aktiven Rasse selten ein primäres Problem, kann jedoch bei unzureichender Bewegung entstehen. Das Gewicht ist unter dem Fell schwer einzuschätzen — eine regelmäßige Gewichtskontrolle beim Tierarzt (mindestens jährlich) ist sinnvoll.

Vorsorgeuntersuchungen: jährliche Tierarztuntersuchung inklusive Gebissbefund, HD-Screening bei Zuchttieren, Augenuntersuchung in der Jugend. Impfschutz und Parasitenvorsorge nach aktuellem STIKO-Hund-Impfkalender (Stand 2024, VDH).

12Strukturdaten

Gesundheit nach Zahlen

Gesundheit

Anfällige Erkrankungen

Hüftdysplasie, Augenprobleme, allgemein robust

Empfohlene Gesundheitstests

Hüftröntgen, Augenuntersuchung

13Mythen ↔ Realität

Was über diese Rasse oft falsch erzählt wird

Fünf Mythen, fünf Realitäten, fünf Quellen.

1

Das zottelige Fell des Bergamaskers erfordert kaum Pflege, weil es sich von selbst bildet.

Die Filzplatten entstehen zwar natürlich, müssen jedoch in den ersten zwei bis drei Lebensjahren aktiv getrennt und kontrolliert geformt werden. Verfilzungen an falschen Stellen, Schmutzansammlungen und Hautprobleme unter den Platten entstehen ohne regelmäßige Kontrolle. Der Zeitaufwand ist in der Aufbauphase erheblich und erfordert Einweisung durch erfahrene Züchter.

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2

Der Bergamasker ist wegen seiner Ruhe ein unkomplizierter Hund für Ersthalter.

Die äußere Gelassenheit des Bergamaskers verdeckt eine ausgeprägte Eigenständigkeit. Die Rasse hinterfragt inkonsequente Führung aktiv und übernimmt bei Unklarheit selbst die Initiative. Ohne Erfahrung mit selbstständig denkenden Hütehunden entstehen Führungsprobleme, die sich schleichend entwickeln und schwer korrigierbar sind.

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3

Als Hirtenhund ist der Bergamasker von Natur aus freundlich gegenüber allen Menschen.

Der FCI-Standard beschreibt ausdrücklich eine natürliche Zurückhaltung gegenüber Fremden als rassetypisch. Der Bergamasker baut eine enge Bindung zur Bezugsfamilie auf, begegnet unbekannten Personen jedoch reserviert und wachsam. Sein Schutztrieb ist ausgeprägt. Fehlende Sozialisation in der Welpenphase kann diese Zurückhaltung zu problematischem Misstrauen verstärken.

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4

Der Bergamasker ist ein reiner Außenhund, der am besten allein im Garten lebt.

Die Rasse zeigt einen hohen Sozialbedarf gegenüber ihrer Bezugsgruppe. Isolation oder dauerhaftes Alleinleben im Außenbereich widerspricht dem Wesen des Bergamaskers grundlegend und führt zu Verhaltensauffälligkeiten wie übermäßigem Bellen, Unruhe oder destruktivem Verhalten. Der Hund benötigt engen Kontakt zur Familie.

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5

Weil der Bergamasker selten ist, sind alle Züchter automatisch seriös und engagiert.

Seltenheit schützt nicht vor unseriöser Zucht. Auch bei seltenen Rassen existieren Vermehrer, die auf Nachfrage reagieren, ohne Gesundheitstests durchzuführen oder Welpen ausreichend zu sozialisieren. Hüftdysplasie-Screenings und Augenuntersuchungen sind auch beim Bergamasker relevante Vorsorgeuntersuchungen, die seriöse Züchter nachweislich durchführen.

www.vdh.de

Mehr zur Realität dieser Rasse — und warum sie überdurchschnittlich häufig in Tierheimen landet.Zur Tierschutz-Perspektive →

14Tierschutz

Die Tierschutz-Perspektive

Vermehrer-Markt, Designer-Versionen, Tierheim-Realität — was niemand auf der Welpen-Anzeige schreibt.

Der Bergamasker ist in der DACH-Region so selten, dass ein organisierter Vermehrer-Markt im klassischen Sinne kaum existiert. Das bedeutet jedoch nicht, dass alle verfügbaren Welpen aus seriöser Zucht stammen. Gerade bei seltenen Rassen reagieren gelegentlich Züchter ohne Verbandszugehörigkeit auf Nachfragen — ohne Gesundheitstests, ohne Sozialisierungskonzept, aber mit sofortiger Verfügbarkeit. Diese Konstellation ist ein Warnsignal, kein Vorteil.

Designer-Versionen des Bergamaskers existieren derzeit nicht in relevantem Umfang. Die Rasse ist zu selten und zu wenig massentauglich, um als Kreuzungspartner für Trendmischungen zu dienen. Das kann sich ändern, wenn das ungewöhnliche Fell mediale Aufmerksamkeit erhält — ein Muster, das bei anderen optisch auffälligen Rassen wiederholt beobachtet wurde.

Zucht- und haltungsbedingte Probleme beim Bergamasker entstehen weniger durch körperliche Extremtypisierung als durch Fehler in der Sozialisation und Haltung. Ein Hund, der in der sensiblen Phase nicht ausreichend an Menschen und Umgebungen gewöhnt wurde, entwickelt eine Zurückhaltung gegenüber Fremden, die sich zu ernstem Misstrauen verstärken kann. Haltungsfehler — zu wenig Bewegung, zu viel Isolation, fehlende Führung — erzeugen Verhaltensauffälligkeiten, die schwer korrigierbar sind. Diese Hunde landen selten im Tierschutz, weil die Rasse zu selten ist — aber wenn, dann oft mit komplexer Vorgeschichte.

Vermittlung als gleichwertige Option: Wer einen erwachsenen Bergamasker mit bekanntem Charakter übernimmt, hat gegenüber einem Welpen einen klaren Vorteil — das Wesen ist einschätzbar, die Sozialisation abgeschlossen. Spezialisierte Hütehund-Auffangorganisationen und Rasseschutzvereine sind die erste Anlaufstelle. Die Suche erfordert Geduld, kann sich aber lohnen — besonders für erfahrene Halter, die wissen, was sie suchen.

15Kosten · Transparenz

Was diese Rasse realistisch kostet

Ein Welpe aus seriöser, VDH-angeschlossener Zucht kostet in der DACH-Region zwischen 1.500 und 2.500 EUR. Angebote deutlich unter diesem Bereich ohne nachweisbare Gesundheitstests der Elterntiere sind kritisch zu bewerten. Lange Wartelisten bei seriösen Züchtern sind normal — wer sofort liefern kann, sollte erklären warum.

Die jährlichen Lebenshaltungskosten für einen Bergamasker liegen erfahrungsgemäß bei 2.000 bis 3.500 EUR, abhängig von Futterwahl, Versicherung und Fellpflege. Hochwertiges Trockenfutter oder BARF für einen Hund dieser Größe kostet monatlich zwischen 60 und 120 EUR.

Die Fellpflege ist ein spezifischer Kostenfaktor: In der Aufbauphase der Filzplatten (erstes bis drittes Lebensjahr) ist professionelle Einweisung durch den Züchter oder einen Spezialisten notwendig. Danach entfallen reguläre Friseurkosten, jedoch bleibt der Zeitaufwand für die Eigenpflege erheblich. Tierarztkosten für Routineuntersuchungen, Impfungen und Parasitenvorsorge liegen bei 300 bis 600 EUR jährlich. Unvorhergesehene Behandlungen können deutlich höher ausfallen.

Eine Hundehaftpflichtversicherung ist in der DACH-Region dringend empfohlen (in einigen Kantonen und Bundesländern Pflicht) und kostet je nach Anbieter 60 bis 150 EUR jährlich. Eine Krankenversicherung für den Hund ist optional, kann jedoch bei einer Rasse mit potenziellen HD- oder Augenproblemen sinnvoll sein — Jahresprämien ab ca. 400 EUR.

16Welpensuche

Worauf du bei der Zuchtwahl achten musst

  • Der Bergamasker gehört in der DACH-Region zu den sehr seltenen Rassen.
  • Seriöse Züchter arbeiten mit langen Wartelisten — wer sofort einen Welpen erhält, sollte das als Warnsignal werten.
  • Ein seriöser Züchter legt Gesundheitsnachweise der Elterntiere vor: Hüftdysplasie-Screening (HD-Röntgen) und Augenuntersuchungen sind relevante Vorsorgeuntersuchungen, die dokumentiert sein sollten.
  • Frage gezielt nach diesen Nachweisen und lass dir Originaldokumente zeigen.
  • Welpen sollten mindestens acht Wochen beim Züchter bleiben und in dieser Zeit an Menschen, Alltagsgeräusche und verschiedene Umgebungen gewöhnt worden sein.
  • Die Sozialisation in der sensiblen Phase prägt das spätere Verhalten gegenüber Fremden erheblich.
  • Besichtige den Wurf vor Ort.
  • Die Mutter sollte anwesend und zugänglich sein.
  • Ein Züchter, der Treffen ablehnt oder Welpen auf neutralem Boden übergibt, gibt keinen Einblick in die Haltungsbedingungen.
  • Vermittlung als gleichwertige Option: Obwohl der Bergamasker im Tierschutz selten vorkommt, existieren spezialisierte Hütehund-Auffangstationen und Rasseschutzvereine, die gelegentlich Hunde vermitteln.
  • Diese Option lohnt eine gezielte Recherche — ein erwachsener Hund mit bekanntem Charakter kann für erfahrene Halter die passendere Wahl sein als ein Welpe.
  • Der VDH und spezialisierte Rasseclub-Kontakte können bei der Suche unterstützen.

FAQ

Häufige Fragen zum Bergamasker Hirtenhund (Cane da Pastore)

Ist Bergamasker Hirtenhund (Cane da Pastore) ein Familienhund?

Bergamasker Hirtenhund (Cane da Pastore) gilt bei guter Sozialisierung und artgerechter Haltung als familientauglich.

Wie hoch ist der Bewegungsbedarf von Bergamasker Hirtenhund (Cane da Pastore)?

Mindestens rund 60 Minuten Bewegung pro Tag.

Welche Grösse und welches Gewicht hat Bergamasker Hirtenhund (Cane da Pastore)?

Ausgewachsen erreicht Bergamasker Hirtenhund (Cane da Pastore) etwa 54–62 cm Widerristhöhe und wiegt rund 26–38 kg.

Wie hoch ist die Lebenserwartung von Bergamasker Hirtenhund (Cane da Pastore)?

Die Lebenserwartung von Bergamasker Hirtenhund (Cane da Pastore) liegt bei etwa 13–15 Jahren.

Ist Bergamasker Hirtenhund (Cane da Pastore) für Allergiker geeignet?

Bergamasker Hirtenhund (Cane da Pastore) gilt als vergleichsweise allergikerfreundlich. Eine Garantie gibt es nie — teste den direkten Kontakt vorab.

Welche Krankheiten treten bei Bergamasker Hirtenhund (Cane da Pastore) häufig auf?

Hüftdysplasie, Augenprobleme, allgemein robust

17Rasseclubs

Offizielle Rasseclubs in DACH

FCI-Rassestandard (PDF)

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Fazit

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Das Fell des Bergamaskers verfilzt naturgemäss zu «Strähnen» – ein einmaliges Pflegebild. Ruhiger, ausdauernder Alpen-Hütehund.