Kleine belgische Hunde (FCI 9/3): Griffon Belge, Petit Brabançon

Zu den 2 Rassen

Inhalt
  1. Rassen in FCI 9/3
  2. Drei Rassen, ein Wurf
  3. Wesen: der Stallhund unter dem Gesellschaftshund
  4. Der Kopf: worauf du wirklich achten musst
  5. Zucht und Geburt
  6. Was du beim Kauf verlangst
  7. Häufig gestellte Fragen

Die kleinen belgischen Hunde stammen aus den Ställen und Kutscherhöfen von Brüssel, wo sie Ratten fingen. Aus diesem robusten Gebrauchshund wurde über hundert Jahre ein Gesellschaftshund mit sehr kurzem Gesicht und sehr grossen Augen, und in dieser Verwandlung steckt beides: der wache, selbstbewusste Charakter und das Gesundheitsproblem der Rasse.

Wer einen Griffon sucht, sollte deshalb zuerst lernen, worauf man bei einem Kopf achtet. Die Unterschiede zwischen einem Hund, der frei atmet, und einem, der es nicht tut, sind sichtbar, und sie entscheiden über die nächsten zwölf Jahre.

Drei Rassen, ein Wurf

Die FCI führt in dieser Sektion drei Rassen, die sich ausschliesslich in Fell und Farbe unterscheiden. Der Brüsseler Griffon trägt rauhes Haar in Rot, der Belgische Griffon rauhes Haar in Schwarz oder Schwarz mit Brand, der Petit Brabançon kurzes, glattes Haar in denselben Farben.

Im Wesen, im Körperbau und in ihren Gesundheitsthemen sind sie identisch. Sie dürfen untereinander verpaart werden, und in einem Wurf fallen regelmässig Welpen aller drei Varianten. Welche Rasse ein Welpe ist, entscheidet also nicht seine Abstammung, sondern sein Aussehen. Das ist in der Rassehundezucht ungewöhnlich und erklärt, warum die drei fast immer zusammen besprochen werden.

Ihr Ursprung ist der Smousje, ein kleiner rauhaariger Stallhund. Im 19. Jahrhundert kreuzten Züchter Mops und englische Toy Spaniels ein, um Kopf und Ausdruck zu verändern. Vom Mops kam das kurze Gesicht, vom Toy Spaniel das runde Auge. Beides ist bis heute prägend, und beides ist der Grund für die Liste weiter unten.

Wesen: der Stallhund unter dem Gesellschaftshund

Ein Griffon ist kein ruhiger Schosshund. Er ist aufmerksam, meinungsstark, meldet zuverlässig und mischt sich in alles ein, was in seinem Haushalt passiert. Der Rattenfänger ist im Verhalten deutlicher übrig geblieben als im Aussehen: Diese Hunde jagen Mäuse im Garten, buddeln, und viele von ihnen finden Zerrspiele interessanter als Streicheleinheiten.

Gleichzeitig sind sie ausgesprochen empfindsam. Sie lesen Stimmungen genau, verunsichern sich bei lauter Ansprache und arbeiten mit einem Menschen, der freundlich und klar bleibt, sehr gern zusammen. Für Hundesport in kleinem Massstab, Tricktraining und Nasenarbeit sind sie gut zu gebrauchen.

Fremden gegenüber sind viele zurückhaltend bis skeptisch, und ohne sorgfältige Sozialisierung im Welpenalter wird daraus Kläffen aus Unsicherheit. Wer sich einen Griffon anschafft, weil er klein und niedlich ist, und ihm die Hundeschule erspart, bekommt einen kleinen, lauten Hund mit Meinung.

Der Kopf: worauf du wirklich achten musst

Die kurze Nase dieser Rassen ist kein kosmetisches Detail. Je kürzer das Gesicht, desto enger sind Nasenlöcher, Nasengänge und Rachen bei unverändertem Weichteilvolumen. Die Folge heisst brachyzephales Atemwegssyndrom: Der Hund atmet gegen einen Widerstand an, hechelt schnell, schnarcht im Schlaf, kommt bei Wärme und Anstrengung an seine Grenze und kann im Extremfall daran ersticken.

Beurteilbar ist das ohne Fachwissen. Achte auf offene, weite Nasenlöcher statt schmaler Schlitze, auf eine erkennbare Nasenlänge statt einer Einbuchtung im Gesicht, auf ruhige, geräuschlose Atmung im entspannten Zustand und darauf, dass der Hund nach zehn Minuten Spiel nicht mit weit offenem Fang steht. Ein Züchter, der Schnarchen als rassetypisch und niedlich beschreibt, beschreibt ein Symptom.

Das zweite Thema sind die Augen. Sie sind gross, rund und liegen flach im Schädel, also weit vorn und ungeschützt. Hornhautverletzungen durch Äste, Katzenkrallen oder Rangeleien sind häufig und können ein Auge kosten. Dazu kommen einwärts wachsende Wimpern und ein unvollständiger Lidschluss, der die Hornhaut austrocknet.

Aus derselben Zuchtgeschichte stammen zwei weitere Punkte: die Kniescheibenluxation, die bei allen sehr kleinen Rassen vorkommt, und die über die Toy-Spaniel-Vorfahren eingebrachte Chiari-Malformation mit Syringomyelie, die sich durch Kratzen in der Luft am Hals und Berührungsempfindlichkeit am Kopf zeigt.

Zucht und Geburt

Ein grosser, runder Welpenkopf und ein schmales Becken passen schlecht zusammen. Kaiserschnitte sind bei diesen Rassen häufig, und das ist ein Eingriff, der für die Hündin jedes Mal ein Risiko bedeutet. Eine seriöse Zucht plant deshalb wenige Würfe pro Hündin und beendet ihren Einsatz früh.

In der Schweiz, in Deutschland und in Österreich gibt es rechtliche Vorgaben gegen die Zucht auf Merkmale, die Leiden verursachen. Die Zuchtvereine reagieren darauf unterschiedlich schnell; einige verlangen inzwischen einen Belastungstest der Zuchttiere, bei dem der Hund eine festgelegte Strecke geht und Atmung sowie Erholungszeit beurteilt werden. Wo es ihn gibt, ist er der aussagekräftigste Befund für diese Rassen überhaupt.

Was du beim Kauf verlangst

Frag nach einem Befund zur Atmung der Elterntiere, idealerweise aus einem standardisierten Belastungstest, nach der augenärztlichen Untersuchung beider Elterntiere, nach dem Patellabefund und nach der Zahl der Würfe und Kaiserschnitte der Mutter. Wenn in der Linie MRT-Befunde zu Syringomyelie vorliegen, lass sie dir zeigen.

Sieh dir die Elterntiere selbst an, und zwar in Bewegung, nicht auf dem Foto. Lass sie mit dir eine Runde gehen. Ein Zuchtrüde, der nach fünf Minuten normalem Tempo steht und ringt, gibt seine Anatomie weiter, unabhängig davon, was auf der Ahnentafel steht.

Und lass dich vom Ausdruck nicht in die falsche Richtung führen. Das fast menschliche Gesicht dieser Rassen ist ihr Verkaufsargument und zugleich das Merkmal, dessen Übertreibung sie krank macht. Der gesündere Hund ist der mit der längeren Nase, auch wenn er auf dem Bild weniger auffällt. Angebote ohne jeden Befund, mit sofortiger Verfügbarkeit und Übergabe unterwegs betreffen bei diesen Rassen fast immer Tiere aus Vermehrung, bei denen genau diese Übertreibung ungebremst weitergegeben wurde.

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Brüsseler und Belgischem Griffon?

Nur die Farbe. Der Brüsseler Griffon ist rot, der Belgische Griffon schwarz oder schwarz mit Brand, beide mit rauhem Haar. Kommt kurzes, glattes Haar dazu, heisst derselbe Hund Petit Brabançon. Alle drei gehören zur selben Sektion, dürfen miteinander verpaart werden und fallen in denselben Würfen. Wesen und Gesundheitsthemen sind identisch.

Schnarchen diese Hunde immer?

Nein, und wenn es dir als rassetypisch verkauft wird, solltest du misstrauisch werden. Deutliches Schnarchen und geräuschvolles Atmen sind Anzeichen für verengte Atemwege, nicht für Gemütlichkeit. Ein gut gebauter Griffon atmet in Ruhe hörbar unauffällig und erholt sich nach Belastung zügig. Bei jedem Hund, der bereits im Ruhezustand Geräusche macht, gehört der Kehlkopf tierärztlich beurteilt.

Wie viel Bewegung braucht ein Griffon?

Weniger, als seine Lebhaftigkeit vermuten lässt, aber regelmässig. Ein bis zwei Stunden verteilt über den Tag, mit Schnüffelstrecken und etwas Kopfarbeit, decken den Bedarf. Wichtiger als die Menge ist die Temperatur: Bei Wärme gehören die Runden in die frühen Morgen- und späten Abendstunden. Ein Hund mit kurzem Gesicht kann seine Körpertemperatur über das Hecheln schlechter regeln und überhitzt schneller als andere.

Sind Griffons für Familien mit Kindern geeignet?

Mit Kindern, die einen kleinen Hund respektieren, ja. Sie sind verspielt und robuster im Wesen als viele andere Zwergrassen. Zwei Einschränkungen bleiben: Die vorstehenden Augen sind bei ungestümem Spiel verletzungsgefährdet, und der Hund ist bei zwei bis fünf Kilogramm körperlich unterlegen. Feste Rückzugsorte, die für Kinder tabu sind, lösen den grössten Teil davon.

Wie viel Fellpflege brauchen die rauhaarigen Varianten?

Ein- bis zweimal wöchentlich Kämmen, dazu zwei- bis dreimal jährlich Trimmen von Hand, bei dem das abgestorbene Deckhaar ausgezupft wird. Geschoren wird nicht: Danach wächst das Haar weich und ohne Struktur nach und verfilzt stärker. Der Bart nimmt Futter und Wasser auf und wird nach den Mahlzeiten abgewischt. Der glatthaarige Petit Brabançon kommt mit gelegentlichem Bürsten aus.