Was europäische Spitze zusammenhält
Europäische Spitze wurden als Wächter gezüchtet, nicht als Jäger. Das unterscheidet sie von fast allen anderen Sektionen der FCI-Gruppe 5. Der Wolfsspitz begleitete niederländische Flussschiffer und meldete, wer sich dem Kahn näherte. Der Deutsche Spitz war Hofhund des Bürgertums und der Bauern: klein genug, um wenig zu fressen, laut genug, um jeden Fremden anzuzeigen, und ohne Jagdtrieb, der ihn vom Grundstück weggeführt hätte.
Dieses Erbe steckt bis heute im Hund. Der Spitz bellt früh, häufig und ausdauernd, und er bellt bei Dingen, die du gar nicht bemerkt hast: dem Lift zwei Stockwerke tiefer, dem Nachbarn auf dem Balkon, dem Auto in der Einfahrt. Das ist kein Erziehungsfehler und kein Defekt, das ist die Aufgabe, für die er gemacht wurde. In einem Reihenhaus mit hellhörigen Wänden ist es die wichtigste Frage vor dem Kauf.
Der zweite Erbteil ist angenehmer: Spitze bleiben. Sie haben keinen Hetz- und keinen Stöbertrieb, der sie über Feld und Wald zieht. Ein gut sozialisierter Spitz orientiert sich stark am Menschen und ist auch ohne Leine berechenbarer als die meisten Jagdhunderassen. Wer einen kleinen Hund sucht, der zuverlässig in der Nähe bleibt, findet in dieser Sektion mehr als in Gruppe 6 oder 7.
Die Grössenvarianten und was sie unterscheidet
Der Deutsche Spitz ist eine einzige Rasse mit mehreren Grössenschlägen, nicht eine Familie eigenständiger Rassen. Wolfsspitz, Grossspitz, Mittelspitz, Kleinspitz und Zwergspitz teilen einen Rassestandard und unterscheiden sich in der Widerristhöhe, nicht im Wesen. Der Wolfsspitz ist identisch mit dem, was im englischen Sprachraum Keeshond heisst.
Praktisch heisst das: Wer sich für den Charakter interessiert, kann die Grössenfrage getrennt beantworten. Wachsamkeit, Bellfreude, Menschenbezug und Fellpflegebedarf sind über alle Schläge hinweg ähnlich. Was sich mit der Grösse ändert, ist der Bewegungsbedarf und, deutlich wichtiger, das Gesundheitsrisiko.
Warum der Zwergspitz eine Sonderstellung hat
Der Zwergspitz ist unter seinem englischen Handelsnamen Pomeranian zu einem der meistfotografierten Hunde der Welt geworden, und dieser Erfolg hat die Zucht beschädigt. Gefragt ist ein kugelrunder Kopf, eine sehr kurze Schnauze und ein Gewicht, das möglichst weit unter dem Standard liegt. Unter dem Schlagwort Teacup werden Tiere von einem Kilogramm und weniger angeboten, oft aus dem Ausland, oft ohne Papiere.
Solche Hunde tragen dieselben Probleme wie andere extrem verkleinerte Rassen: eine offen bleibende Fontanelle, Wasserkopf, Zähne, die in einem zu kleinen Kiefer keinen Platz finden, eine Luftröhre, die unter dem eigenen Knorpelgewicht kollabiert, und Knochen, die bei einem Sprung vom Sofa brechen. Patellaluxation, das Herausspringen der Kniescheibe, ist bei kleinen Spitzen ohnehin verbreitet und wird durch die Verzwergung häufiger.
Ein Zwergspitz im Standard wiegt rund zwei bis drei Kilogramm und ist ein robuster kleiner Hund. Die Ware, die auf Kleinanzeigenportalen als besonders klein beworben wird, ist etwas anderes. Der Preis für die Niedlichkeit zahlt der Hund, und zwar über sein ganzes Leben.
Das Doppelfell: der eine Fehler, den fast alle machen
Ein Spitz darf nicht geschoren werden. Das Doppelfell besteht aus einer dichten, isolierenden Unterwolle und darüber liegendem, grobem Deckhaar. Beides wächst unterschiedlich schnell nach. Wird geschoren, kommt die Unterwolle zuerst und schneller zurück und verdrängt das Deckhaar. Das Ergebnis ist ein stumpfes, wolliges Fell, das seine Isolationswirkung nach beiden Seiten verliert: Der Hund friert im Winter schlechter geschützt und heizt sich im Sommer stärker auf als vorher.
In einem Teil der Fälle wächst das Fell an Rumpf und Flanken gar nicht mehr richtig nach. Bei Zwergspitzen tritt zusätzlich eine hormonell mitbedingte Fellstörung auf, in der Fachliteratur als Alopezie X geführt, die zu grossflächigem, symmetrischem Haarverlust am Rumpf führt. Eine Schur kann sie auslösen oder verschlimmern.
Der richtige Weg ist Bürsten, nicht Scheren. Zweimal jährlich verliert ein Spitz seine Unterwolle in grossen Mengen, und in diesen Wochen braucht er alle zwei Tage eine gründliche Runde mit grobem Kamm und Zupfbürste. Dazwischen genügt einmal pro Woche. Verfilzungen entstehen zuerst hinter den Ohren, in den Achseln und an der Hose. Wer sich vor der Menge Haar in der Wohnung fürchtet, sollte keinen Spitz nehmen, und nicht den Hundesalon damit beauftragen, das Problem wegzuschneiden.
Erziehung: das Bellen kanalisieren statt verbieten
Ein Spitz hört nicht auf zu melden, weil man ihn anschreit. Anschreien ist für ihn Mitbellen. Was funktioniert, ist eine klare Trennung zwischen Melden und Dauerbellen: Der Hund darf anzeigen, und danach kommt ein Signal, das den Vorgang beendet, gefolgt von etwas Besserem als weiterbellen. Wer das vom ersten Tag an übt, bekommt einen Hund, der zweimal bellt statt zwanzigmal.
Der zweite Punkt ist Sozialisation, und er wird bei kleinen Hunden fast immer vernachlässigt. Ein Zwergspitz, der auf den Arm genommen wird, sobald ein grosser Hund auftaucht, lernt, dass grosse Hunde gefährlich sind und dass Kläffen ihn nach oben in Sicherheit bringt. Aus dem niedlichen Welpen wird so ein Hund, der an der Leine ausrastet. Kleine Hunde brauchen dieselbe Hundebegegnung, dasselbe Training und dieselben Grenzen wie grosse, nur mit kürzeren Wegen.
Worauf du beim Kauf achtest
Frag nach der Widerristhöhe der Elterntiere und lass sie dir zeigen, nicht nur nennen. Bei Zwergspitzen ist jede Werbung mit besonders geringem Gewicht ein Ausschlusskriterium, ebenso Bezeichnungen wie Teacup, Mini oder Micro, die in keinem Rassestandard vorkommen. Lass dir die Kniegelenke der Elterntiere befunden zeigen und frag, ob im Wurf oder in der Verwandtschaft Trachealkollaps oder Fellprobleme aufgetreten sind.
Sieh dir die Mutter gemeinsam mit dem ganzen Wurf an, in den Räumen, in denen die Welpen leben. Ein Spitzwelpe, der mit acht Wochen bereits übermässig ängstlich oder übermässig laut auf dich reagiert, hat in der Prägephase zu wenig erlebt. Wird dir der Besuch verweigert oder wird ein Treffen auf einem Parkplatz vorgeschlagen, kauf dort nicht.
Häufig gestellte Fragen
Sind Pomeranian und Zwergspitz dasselbe?
Ja. Pomeranian ist der im englischen Sprachraum übliche Handelsname für den Zwergspitz, den kleinsten Schlag des Deutschen Spitzes. Einen eigenen Rassestandard gibt es dafür nicht. Wenn ein Anbieter Pomeranians teurer verkauft als Zwergspitze oder beides als verschiedene Rassen anbietet, ist das ein Verkaufsargument und keine zuchtliche Tatsache.
Wie viel haart ein Spitz wirklich?
Ganzjährig mässig, zweimal im Jahr sehr stark. Während des Fellwechsels verliert der Hund seine komplette Unterwolle, das dauert je nach Tier zwei bis vier Wochen und hinterlässt sichtbare Mengen Haar auf Textilien und Boden. Tägliches Bürsten in dieser Zeit reduziert die Menge in der Wohnung deutlich, verhindert sie aber nicht. Ein Spitz ist kein Hund für einen Haushalt, in dem Hundehaare grundsätzlich stören.
Darf man einen Spitz im Sommer scheren, damit ihm nicht so heiss ist?
Nein. Das Doppelfell isoliert in beide Richtungen und hält im Sommer die Hitze vom Körper ab. Nach einer Schur wächst die Unterwolle schneller nach als das Deckhaar und verdrängt es, das Fell wird stumpf und filzig und schützt schlechter als vorher. In manchen Fällen wächst es an Rumpf und Flanken dauerhaft nicht mehr richtig nach. Gegen Hitze helfen Schatten, kühle Böden, Spaziergänge in den Morgen- und Abendstunden und ausreichend Wasser, nicht die Schermaschine. Nur bei medizinischer Notwendigkeit, etwa vor einer Operation, wird geschoren.
Eignet sich ein Spitz für die Wohnung?
Von der Grösse und vom Bewegungsbedarf her ja, vom Bellen her nur unter Bedingungen. Ein Spitz meldet alles, was er im Treppenhaus hört, und ein Mehrfamilienhaus liefert davon den ganzen Tag Nachschub. Wer früh trainiert, dass Melden erlaubt und Dauerbellen beendet wird, kommt gut zurecht. Wer den Hund allein lässt, ohne das geübt zu haben, bekommt Ärger mit den Nachbarn. Die Grösse der Wohnung ist dabei die kleinere Frage.
Ist der Wolfsspitz ein anderer Hund als der Keeshond?
Nein, es sind zwei Namen für denselben Grössenschlag des Deutschen Spitzes. Keeshond ist die niederländische Bezeichnung, die sich international durchgesetzt hat, Wolfsspitz die deutsche. Unterschiede zwischen Zuchtlinien einzelner Länder kann es geben, eine eigene Rasse ist der Keeshond aber nicht.


