Übung · Training & Erziehung

Rückruf unter Ablenkung

Hilfsmittel
Leckerlis, eventuell ein Helfer
Trainingsziel

Der Hund lernt, auf Rückruf zu kommen, auch wenn Ablenkungen vorhanden sind.

Ziel: Dein Hund kommt zuverlässig zurück – auch wenn Kinder Ball spielen, andere Hunde bellen oder ein Jogger vorbeiläuft.

Schwierigkeitsgrad: Mittelstufe (nach erfolgreichem Grundrückruf)

Material: Hochwertige Leckerlis (gekochtes Hühnchen oder Käse), 10-Meter-Schleppleine, eventuell Trainingspartner

Wie trainiere ich den Rückruf unter Ablenkung?

Stufe 1 – Kontrollierte Geräusche (Woche 1–2):

  1. Lass deinen Hund 5 Meter entfernt schnüffeln
  2. Trainingspartner klopft leise an einen Baum oder raschelt mit Blättern
  3. Rufe deinen Hund mit fröhlicher Stimme
  4. Kommt er sofort: 3–5 Leckerlis hintereinander + überschwängliches Lob
  5. Kommt er zögerlich: trotzdem belohnen, aber Ablenkung beim nächsten Mal reduzieren

Stufe 2 – Bewegende Ablenkungen (Woche 3–4):

  1. Trainingspartner geht langsam in 10 Meter Entfernung vorbei
  2. Später: Partner wirft einen Ball (nicht zum Hund)
  3. Erhöhe schrittweise die Geschwindigkeit der Bewegungen
  4. Bei Erfolg: Die Belohnung muss attraktiver sein als die Ablenkung

Stufe 3 – Andere Hunde (Woche 5–6):

  1. Beginne mit ruhigen Hunden in 15 Meter Entfernung
  2. Schleppleine als Sicherung verwenden
  3. Rufe nur, wenn dein Hund entspannt ist – nicht während er starrt
  4. Gelingt der Rückruf: Jackpot-Belohnung (10 Leckerlis + Spiel)

Stufe 4 – Alltags-Ablenkungen (ab Woche 7):

  • Spielende Kinder auf dem Spielplatz
  • Jogger, Radfahrer, Skateboards
  • Andere Hundehalter mit Leckerlis
  • Picknickplätze mit Essensgerüchen

Welche Fehler ruinieren das Training?

Zu früh, zu stark: Vom Geräusch-Training direkt zum Hundeplatz ist ein Sprung, der das Vertrauen zerstört. Dein Hund lernt: „Rückruf bedeutet, dass das Interessante weggenommen wird.“

Leere Belohnung: Ein trockenes Leckerli gegen einen spielenden Hund ist wie ein Franken gegen einen Hunderter. Die Belohnung muss wertvoller sein als die Ablenkung.

Falscher Moment: Wenn du rufst, während dein Hund starr fixiert, endet das in Frustration. Warte, bis er entspannt ist – oder unterbrich die Fixierung zuerst auf anderem Weg.

Wie erkenne ich Fortschritte?

Erfolg zeigt sich nicht in perfekten Rückrufen, sondern in der Reaktionsgeschwindigkeit. Ein Hund, der nach 2 Sekunden kommt statt nach 5, macht Fortschritte – auch wenn er kurz gezögert hat.

Trainingszeit und Wiederholungen

Tägliche Sessions: 10 Minuten, maximal 5 Rückrufe pro Training. Mehr überfordert und macht den Rückruf zur Routine statt zur Freude.

Wöchentlicher Fortschritt: Wechsle nur zur nächsten Stufe, wenn 8 von 10 Rückrufen in der aktuellen Stufe klappen. Zu viel Eile schadet dem Training.

Sicherheitshinweise

Die Schleppleine bleibt dran, bis der Rückruf in jeder Situation zu 90 % funktioniert. Das dauert oft 3–4 Monate. Ein Hund, der zu früh frei läuft und wegläuft, verliert das Vertrauen in den Rückruf vollständig.

Trainiere nie in der Nähe von Strassen oder wenn dein Hund gestresst, krank oder überreizt ist. Ein überreizter Hund kann normal trainierte Kommandos nicht abrufen.

Was du brauchst

Leckerlis, eventuell ein Helfer