Trockenfutter

Trockenfutter wird durch Extrusion hergestellt – ein industrielles Hochdruck- und Hochtemperaturverfahren, das bei etwa 120 °C unter Wasserdampf das Futter in seine charakteristische Form bringt. Dieser Prozess ermöglicht lange Lagerfähigkeit und praktische Handhabung, hat aber auch Auswirkungen auf die Nährstoffverfügbarkeit. Während Extrusionshitze Vitamin- und Enzymverluste verursacht, werden diese durch gezielte Nachbesprühung mit Vitamin- und Mineralstoffdüsen kompensiert. Die Debatte um getreidefreies Trockenfutter und Herzerkrankungen (DCM) wird in wissenschaftlichen Kreisen kontrovers diskutiert – neuere Studien relativieren frühere Befürchtungen. Trotzdem gibt es Auswahlkriterien, die Dir helfen, hochwertiges Trockenfutter zu erkennen, das Deinem Hund wirklich nutzt.

Inhaltsverzeichnis

Themen innerhalb Trockenfutter

Was passiert beim Extrusionsprozess?

Bei der klassischen Extrusion werden Rohzutaten vermischt, erhitzt und unter extremem Druck durch eine Düse gepresst. Die Hitze (etwa 120 °C) und der Druck erzeugen eine kontrollierte Struktur, die verhindert, dass das Futter zerfällt. Dieser Prozess macht Stärke für den Hund verfügbar – rohe Stärke würde von Hundemägen unvollständig verdaut. Die Hitze hat aber auch einen Preis: Hitzeempfindliche Vitamine wie Vitamin A und B-Vitamine werden teilweise zerstört. Um diese Verluste auszugleichen, werden nach der Extrusion Vitamine und Mineralien mit Düsen auf die Pellets aufgesprüht. Je mehr Zusatzstoffe auf dem Etikett aufgelistet sind, desto mehr musste nachträglich ergänzt werden – ein indirekter Indikator für Nährstoffabbau im Prozess. Hochwertige Hersteller nutzen hochverdauliche Rohstoffe, die weniger Hitze benötigen, und damit weniger Zusätze nötig machen.

Getreidefreies vs. getreidehaltiges Futter – die aktuelle Forschungslage

Die DCM-Diskussion und ihre Ursprünge

2019 veröffentlichte die FDA (US-Behörde) eine Warnung zu getreidefreiem Futter und der Herzerkrankung Dilated Cardiomyopathy (DCM). Der Verdacht: hochgradig verarbeitete getreidefreie Futter mit Hülsenfrüchten als Getreideersatz könnten zu Taurinmangel führen. Diese Warnung führte zu erheblicher Verunsicherung unter Hundehaltern. Die bisherigen Studien zeigen jedoch kein eindeutiges Ergebnis – es gibt keinen wissenschaftlich nachgewiesenen direkten Zusammenhang. Die neuesten Studien aus 2024 sind beruhigend: Eine neue, längere Studie kommt zu dem Ergebnis, dass getreidefreie Futter nicht die Ursache von DCM sind. Die FDA selbst hat ihre ursprüngliche Aussage mehrmals aktualisiert und betont, dass ein definitiver Zusammenhang nicht nachgewiesen werden konnte. Der Fokus hat sich von der „Getreidenfreiheit“ auf die hohen Hülsenfruchtanteile verlagert – es sind möglicherweise die Hülsenfrüchte selbst, nicht die Abwesenheit von Getreide, die eine Rolle spielen könnten.

Was Tierärzte heute empfehlen

Modernes Veterinär-Fachwissen empfiehlt getreidefreies Futter nur bei medizinischer Notwendigkeit, etwa bei diagnostizierten Getreideallergien. Bei gesunden Hunden ist ein qualitativ hochwertiges, getreidehaltiges Futter genauso sicher und oft kostengünstiger. Für Risikorassen (etwa Golden Retriever oder Boxer, bei denen DCM genetisch häufiger auftritt) raten Kardiologen zu besonderer Vorsicht. Falls Du Getreidefreies fütterst, sollte es von etablierten Herstellern stammen und nicht als Hauptfutter, sondern gezielt eingesetzt sein.

Häufige Fehler – und was wirklich hilft

Ein verbreiteter Irrglauben ist, dass „getreidefreies Futter grundsätzlich besser“ ist. Getreide ist kein Gift für Hunde – viele Hunde verdauen Getreide hervorragend. Der Preis für Getreidefreiheit ist oft höher, ohne dass Dein Hund davon profitiert, falls keine echte Allergie vorliegt. Eine echte Getreideunverträglichkeit ist seltener als viele Hundehalter denken und sollte durch einen Allergietest bestätigt werden, nicht durch Vermutung. Ein zweiter Fehler ist die Überinterpretation von Zutatenlisten. „Mit echtem Fleisch“ ist keine aussagekräftige Bezeichnung – das müssen alle Futter sein. Aussagekräftig ist, welche Fleischsorten konkret genannt sind und an welcher Stelle der Zutatenliste sie stehen. Fleisch an Stelle eins ist besser als Getreide oder Nebenerzeugnisse. „Fleischnebenerzeugnisse“ ohne Spezifikation sind hingegen vage – hochwertiger wären spezifische Angaben wie „Hühnernebenerzeugnisse“.

So wählst Du das richtige Trockenfutter aus

Beginne mit der Zutatenliste und achte auf die erste Position. Ein qualitativ hochwertiges Futter führt eine spezifische Fleischsorte an erster Stelle auf – beispielsweise „Huhn“ oder „Rinder“ statt vage „Fleisch“ oder „Fleischmehl“. Die zweite und dritte Zutat sollten ebenfalls namentlich bekannte Zutaten sein. Wenn die ersten drei Zutaten zu 80 % aus Getreide oder undefinierten Füllstoffen bestehen, ist das ein Zeichen für Qualitätsmangel. Im Umkehrschluss: Drei Fleischzutaten nacheinander sind ein gutes Qualitätsmerkmal. Überprüfe die Rohfaser und Rohasche. Rohfaser sollte unter 5 % liegen – höhere Werte deuten auf billige pflanzliche Faseranteile hin. Rohasche (Mineralstoffe) sollte bei etwa 6–8 % liegen; über 10 % ist ein Zeichen, dass Mineralien als Füllstoffe eingesetzt wurden, statt natürlicherweise im Futter enthalten zu sein. Der Rohproteingehalt für ausgewachsene Hunde sollte zwischen 18–25 % liegen; für Welpen und aktive Hunde 22–28 %. Rohfett sollte mindestens 8 % betragen, besser 12–15 %, da Fett die Verfügbarkeit fettlöslicher Vitamine erhöht. Vergleiche die Zusatzstoffdeklaration. Je weniger spezifische Zusatzstoffe aufgelistet sind, desto weniger wurde im Herstellungsprozess zerstört. Eine Liste voller Vitamine und Mineralien bedeutet, dass viel kompensiert werden musste. Ein Futter mit wenigen, dafür qualitativ hochwertigen Rohzutaten braucht weniger Nachbesserung. Schau auch auf die Haltbarkeitsdauer: Futter mit natürlichen Konservierungsstoffen (etwa Vitamin E) hält meist 18–24 Monate, während chemische Konservierungsmittel längere Fristen ermöglichen. Beides ist erlaubt, aber natürliche Varianten sind ein Anhaltspunkt für höherwertiges Verfahren.

Flüssigkeitszufuhr bei Trockenfutterhunden – Was Du beachten solltest

Trockenfutter enthält nur 10–12 % Wasser – der Hund muss den Nährstoffbedarf also aus konzentrierteren Pellets decken. Das ist per se kein Problem, solange Dein Hund ausreichend trinkt. Ein Hund, der zu wenig Wasser aufnimmt, könnte durch Trockenfutter unterhydriert sein. Das Risiko für Harnwegserkrankungen und Nierenstress steigt bei schlechter Wasseraufnahme. Ältere Hunde, die ohnehin weniger trinken, brauchen möglicherweise zusätzliche Flüssigkeit. Ein einfacher Test: Beschaue den Urin Deines Hundes. Heller, verdünnter Urin signalisiert ausreichende Flüssigkeitszufuhr; dunkelgelber oder orange-gefärbter Urin deutet auf Konzentration hin. Du kannst die Wasseraufnahme fördern, indem Du Trockenfutter in lauwarmem Wasser einweichst oder parallel Nassfutter anbietest. Bei Trockenfutterfütterung ist es besonders wichtig, mehrere Wasserstellen im Haus anzubieten und frisches Wasser täglich zu wechseln.

Wann brauchst Du professionelle Unterstützung?

Wenn Dein Hund Allergiesymptome zeigt – Kratzen, Hautausschläge, Ohrentzündungen – ist eine Ausschlussdiät sinnvoll. Diese sollte unter Anleitung eines Tierarztes durchgeführt werden, nicht durch Versuch und Irrtum. Ein Allergietest kann auch Klarheit schaffen, ob es sich überhaupt um eine Lebensmittelallergie handelt. Für Hunde mit Nierenerkrankungen oder Herzproblemen gibt es spezielle therapeutische Trockenfutter, die nicht eigenständig ausgewählt werden sollten. Auch bei Fütterungsproblemen – wenn Dein Hund nicht zunimmt, trotz ausreichender Futtermenge abnimmt oder Verdauungsprobleme hat – lohnt sich eine Beratung. Ein Tierarzt kann überprüfen, ob das aktuelle Futter dem Bedarf Deines Hundes entspricht und ob möglicherweise ein Wechsel oder eine Umstellung sinnvoll ist.