Verwöhnte Hunde: Der schmale Grat von Belohnung zu Überverwöhnung

Cavoodle Toy Pudel im Fokus, verwöhnt

„Dein Hund ist aber ganz schön verwöhnt“. Hast du diese Aussage vielleicht schon mal gehört? Dann stellen sich jetzt alle möglichen Fragen: stimmt das wirklich? Ab wann gilt ein Hund als zu verwöhnt? Wo ist die Grenze?

Verwöhnung ist erstmal nichts Schlimmes…

Schauen wir uns doch mal die Definition des Wortes „verwöhnen“ an. Laut Duden gibt es zwei mögliche Bedeutungen:

  • jemanden durch zu grosse Fürsorge und Nachgiebigkeit in einer für ihn nachteiligen Weise daran gewöhnen, dass ihm jeder Wunsch erfüllt wird
  • durch besondere Aufmerksamkeit, Zuwendung dafür sorgen, dass sich jemand wohlfühlt

Habe ich einen Hund, dem ich meine ganze Aufmerksamkeit schenke und fühlt sich dieser rundum wohl, ist das doch nicht schlecht, oder? Trifft hingegen eher die erste Definition zu, könnte das durchaus früher oder später zu einem Problem werden.

… bis der „verwöhnte Hund“ mit Fehlverhalten reagiert

In der ersten der oben genannten Erklärungen wird es bereits sichtbar: es geht um eine für den Hund nachteilige Weise. Handelt es sich bei der Verwöhnung nicht um gezielte Belohnungen, fehlt dem Hund eine Assoziation. Das wiederum führt dazu, dass der Hund das Verwöhnprogramm irgendwann voraussetzt (verwöhnen und gewöhnen liegen sehr nah beieinander). Und das führt meistens unweigerlich dazu, dass besagter Hund die Verwöhnung für sich beansprucht, auch wenn er es nicht „verdient“ hat.

Überverwöhnte Hunde zeigen häufig Verhaltensweisen, die dem Menschen (meistens zuerst Anderen, irgendwann vielleicht auch dem Halter selbst) unangenehm auffallen. Hier einige Beispiele.

  • Betteln nach Fressen/Leckerlis, auch am Tisch
  • Hund hält sich ausnahmslos nah beim Menschen auf (will mit ins Bett/aufs Sofa) und verfolgt alle Anwesenden
  • Der Hund will stets das Zentrum der Aufmerksamkeit sein (Geltungssucht) und zeigt das, indem er an Menschen hochspringt, bei Gesprächen laut herumbellt oder aufgeregt durch den Raum rennt
  • Viele verwöhnte Hunde neigen dazu, schlecht alleinbleiben zu können und reagieren mit unbegründetem Angstverhalten
  • Eifersüchtiges Verhalten ist ebenfalls ein häufiges „Symptom“ bei verwöhnten Hunden

Sicherheits- statt Verwöhnfaktor

Natürlich haben wir als Hundehalter eine Verantwortung für unsere Vierbeiner. Wir wollen, dass unsere Hunde gut aufwachsen und ein tolles Leben haben. Gerade deshalb ist es so schwierig, beim Thema Verwöhnen irgendwelche Tipps zum Besten zu geben. Wir möchten nur jedem Hundehalter ans Herz legen, der mit Problemen zu kämpfen hat, die sich nach „ich habe ihn wohl doch zu sehr verwöhnt“ anhören, einmal in sich zu gehen und den eigenen Alltag unter die Lupe zu nehmen. Genau dort ergeben sich nämlich in den allermeisten Fällen die ersten Möglichkeiten zum Ansetzen.

Niemand kann oder möchte dir vorschreiben, ob dein Hund zu dir ins Bett darf – das ist ganz allein deine Einschätzung und Entscheidung. Und solange dein Hund nicht übergewichtig ist, darf und soll er ruhig jedes Leckerli futtern, das du ihm zukommen lässt.

Wenn du aber gezielt mit deinem Hund trainieren und an etwas Bestimmten arbeiten möchtest, lohnt es sich, die Art von Belohnungen zu überdenken und gegebenenfalls ein paar Veränderungen im Hunde-Alltag herbeizuführen.

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Ich habe schon geschrieben, noch bevor Computer selbstverständlich wurden. Schon als Kind habe ich mir die Schreibmaschine meiner Eltern geschnappt und drauflos getippt: Geschichten, Beobachtungen, Gedanken. Hauptsache Worte. Mein Zugang zu Hunde-Themen ist kein klassischer. Lange Zeit war ich eher skeptisch, geprägt von weniger guten Erfahrungen. Umso mehr hat es mich überrascht, als ich – dank Roger – erlebt habe, wie verantwortungsvoll und bewusst gute Hundehaltung funktionieren kann. Dieser Perspektivwechsel begleitet meine Arbeit bis heute. Bei rundum.dog bin ich als Content Managerin an vielen Stellen beteiligt, an denen aus Ideen fertige Beiträge werden. Ich recherchiere Themen, plane Inhalte, schreibe Artikel, begleite Gastbeiträge redaktionell, veröffentliche Texte und betreue die Social-Media-Kanäle. Mein Blick richtet sich dabei immer auf das grosse Ganze: Welche Themen sind relevant? Welche Fragen stehen dahinter? Und wie lassen sich Inhalte so aufbereiten, dass sie verständlich, fundiert und für unsere Leser wirklich hilfreich sind? Ich glaube, dass Emotionen allein nicht ausreichen. Gute Entscheidungen entstehen dort, wo Information, Selbstreflexion und Bereitschaft zum Hinterfragen zusammenkommen. Mit meinen Texten möchte ich genau dazu beitragen.

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