In Ramiswil im Kanton Solothurn hat sich ein Fall ereignet, der tief betroffen macht. Über hundert Hunde mussten vom Veterinäramt eingeschläfert werden – viele in einem derart schlechten Zustand, dass eine Rettung nicht mehr möglich war. Dazu kamen Dutzende Pferde und Ziegen, die beschlagnahmt wurden. Es ist ein tragisches Beispiel dafür, was passieren kann, wenn Tierhaltung ausser Kontrolle gerät – und wenn Warnzeichen zu lange übersehen oder zu spät ernst genommen werden.
Was ist passiert?
Am vergangenen Donnerstag 06.11.25 und Freitag rückten Polizei und Veterinärdienst zu einem Hof in Ramiswil aus. Dort fanden sie rund 120 Hunde, viele davon krank, abgemagert, unterkühlt oder verletzt. Die Tiere lebten unter unhaltbaren Bedingungen, wie die Kantonstierärztin bestätigte. Laut offiziellen Angaben waren praktisch alle in einer desolaten Verfassung. Etwa 100 Hunde mussten eingeschläfert werden.
Auch Pferde und Ziegen wurden vom Hof geholt und an sichere Orte gebracht. Gegen die Halterin, eine 57-jährige Frau, läuft nun ein Verfahren wegen mehrfacher Verstösse gegen das Tierschutzgesetz. Sie war keine Unbekannte: Laut Medienberichten gab es schon länger Hinweise auf Missstände, unter anderem von Tierschutzvereinen und Privatpersonen.
Warum wurde nicht früher eingegriffen?
Diese Frage beschäftigt viele – und sie ist berechtigt. Denn es ist kaum nachvollziehbar, wie sich eine solche Situation überhaupt entwickeln kann. Doch die Hintergründe zeigen, dass es oft ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren ist, das ein Eingreifen verzögert.
Viele Fälle dieser Art entstehen nicht über Nacht. Häufig beginnt alles mit einer Tierliebe, die ausser Kontrolle gerät. Immer mehr Tiere kommen hinzu, Krankheiten breiten sich aus, die Versorgung bricht zusammen. Nach aussen ist das oft schwer zu erkennen, besonders wenn der Hof abgelegen liegt oder sich die Halterin nach aussen freundlich und hilfsbereit zeigt.
Hinweise von Nachbarn oder Tierschutzorganisationen reichen allein meist nicht, um sofort einschneidende Massnahmen zu rechtfertigen. Behörden müssen Beweise sammeln, Berichte schreiben und rechtlich abgesicherte Verfügungen erlassen. Solche Prozesse dauern – selbst wenn das Tierwohl offensichtlich gefährdet ist. Hinzu kommt, dass die Veterinärämter oft mit zu wenig Personal arbeiten. Unangemeldete Kontrollen sind selten, und manchmal dauert es Monate, bis ein Fall überhaupt priorisiert wird.
Ein weiterer Faktor: Tierleid entwickelt sich schleichend. Anfangs sind es vielleicht nur ein paar abgemagerte Tiere, später ganze Gruppen. Doch wenn die Situation eskaliert, ist sie oft schon ausser Kontrolle. Dann bleibt den Einsatzkräften nur noch, zu retten, was zu retten ist – oder in extremen Fällen Leid zu beenden.
Eine Frage der Verantwortung
Der Fall von Ramiswil ist kein Einzelfall. Immer wieder kommen ähnliche Fälle in der Schweiz und im Ausland ans Licht – meist mit demselben Muster: überforderung, Isolation, fehlende Kontrolle. Er zeigt deutlich, wie wichtig es ist, dass sowohl Behörden als auch die Gesellschaft aufmerksam bleiben.
Tierhaltung ist Verantwortung. Wer viele Tiere hält, muss über ausreichend Wissen, Ressourcen und Strukturen verfügen, um sie dauerhaft versorgen zu können. Wer überfordert ist, braucht Unterstützung – bevor das Leid beginnt. Ebenso wichtig ist, dass Nachbarinnen, Bekannte oder Tierfreunde bei Verdacht nicht wegschauen. Jeder Hinweis an eine zuständige Stelle kann Leben retten.
Was sich ändern muss
Damit solche Tragödien künftig verhindert werden, braucht es mehr als nur Empörung im Nachhinein. Es braucht ein System, das frühzeitig reagiert – und Menschen, die den Mut haben, Missstände zu melden.
Dazu gehören regelmässige und unangekündigte Kontrollen, klare Zuständigkeiten und eine bessere Vernetzung zwischen Tierschutz, Gemeinden und Veterinärämtern. Auch eine stärkere Aufklärung in der Bevölkerung ist zentral: Viele wissen nicht, wohin sie sich wenden können, wenn sie Tierleid vermuten.
Der Fall Ramiswil zeigt, dass Tierschutz nicht nur eine Sache der Behörden ist. Es ist eine gemeinsame Aufgabe. Tierwohl beginnt dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen – und nicht erst, wenn ein Fall in den Schlagzeilen landet.
Weitere Informationen unter:
- https://www.solothurnerzeitung.ch/solothurn/thal-gaeu/ramiswil-120-hunde-eingeschlaefert-und-pferde-beschlagnahmt-ld.4042255
- https://www.srf.ch/news/schweiz/nach-einsatz-in-ramiswil-so-diese-tierhaltungsskandale-bewegten-die-schweiz
- https://www.srf.ch/news/schweiz/ueber-100-hunde-eingeschlaefert-kantonstieraerztin-so-etwas-erlebe-ich-hoffentlich-nie-wieder
- https://www.telem1.ch/aktuell/tierdrama-in-ramiswil-wie-konnte-es-so-weit-kommen-162432564
Unsere Meinung
Was in Ramiswil passiert ist, lässt niemanden kalt. über hundert Hunde – viele krank, schwach, voller Angst – mussten sterben, weil zu lange nichts geschah. Es ist ein trauriges Sinnbild dafür, dass Tierleid nicht immer laut schreit. Oft passiert es leise, hinter verschlossenen Türen, auf abgelegenen Höfen oder in vermeintlich liebevollen Händen.
Tierschutz beginnt nicht erst dann, wenn ein Fall in den Schlagzeilen steht. Er beginnt mit Aufmerksamkeit, Verantwortung und Mut – hinzuschauen, nachzufragen, Hilfe zu holen. Auch die beste Behörde kann nicht überall gleichzeitig sein. Deshalb braucht es uns alle: Nachbar:innen, Tierfreund:innen, Vereine, Fachpersonen, die hinschauen und handeln.
Tiere sind fühlende Wesen. Sie haben keine Stimme, ausser unserer.
Und jedes Mal, wenn wir wegsehen, verstummt diese Stimme ein Stück mehr.
Darum ist dieser Fall nicht nur ein Mahnmal, sondern auch ein Auftrag:
Tierwohl darf nie vom Zufall abhängen – weder von der Nachbarschaft noch vom Mut Einzelner. Es braucht ein starkes Netz aus Verantwortung, Kontrolle und Mitgefühl.
Wir von rundum.dog werden weiterhin aufklären, vernetzen und informieren – damit Tierleid früh erkannt und verhindert werden kann.
Denn Wissen schützt Leben.



