Der Bloodhound fällt mit seinem auffällig gefalteten Gesicht und den hängenden Augenlidern sofort ins Auge – doch genau diese Merkmale bringen oft gesundheitliche Einschränkungen mit sich. In der Beitragsserie «Qualzucht oder nicht?» werfen wir einen genauen Blick auf einzelne Hunderassen: Wie sah die Rasse ursprünglich aus? Welche Merkmale gelten heute als Qualzucht? Und gibt es überhaupt noch gesunde Vertreter dieser Rasse – oder ist sie inzwischen untrennbar mit gesundheitlichen Problemen verbunden?
Entstehung und Geschichte der Rasse
Der Bloodhound hat eine beeindruckende Vergangenheit: Seine Vorfahren stammen vermutlich von schweren Laufhunden ab, die im Mittelalter in Klöstern wie der Abtei Saint-Hubert in Belgien gezüchtet wurden. Von dort gelangten sie nach England, wo der Bloodhound im 19. Jahrhundert als eigenständige Rasse etabliert wurde.
Sein Name hat nichts mit „blutig“ oder gar „blutrünstig“ zu tun, sondern ist eine Ableitung von „blooded hound“, also ein reinrassiger, adliger Hund. Hauptzweck war die Nachsuche von Wild oder Menschen anhand der Spur (Schweissfährte, Geruch) – eine Aufgabe, die der Bloodhound bis heute wie kein anderer beherrscht. Seine Spürnase ist legendär: Er kann selbst tagelang alte Spuren verfolgen und wurde dafür auch oft in der Kriminalistik eingesetzt.
Frühere Vertreter der Rasse waren robuster, mit weniger Hautfalten, einem höheren Augenstand und allgemein funktionalerer Anatomie. Die heute typischen Übertreibungen entwickelten sich erst im Rahmen von „Schönheitszuchten“.
Der Bloodhound heute
Der Bloodhound ist gross, kräftig gebaut und besitzt eine markant lose Haut mit ausgeprägten Falten, besonders im Gesichtsbereich. Typisch sind:
- Sehr lange Hängeohren
- Tief angesetzte Augen
- Extrem lose Haut im Kopf- und Halsbereich
- Tiefe Lefzen und schwere, hängende Hautpartien
Was für viele charmant oder „edelmütig“ aussieht, stellt aus Tierschutz-Sicht ein echtes Problem dar: Die Falten und Hautüberschüsse sind nicht funktional, sondern oft mit chronischen Leiden verbunden – ebenso wie die überlange Form der Ohren.
Häufige gesundheitliche Probleme
Augenprobleme
- Viele Bloodhounds leiden unter Entropium (Eindrehen der Lider) oder Ektropium (Auswärtsrollen), was zu ständig gereizten, entzündeten oder trockenen Augen führt.
- Die sichtbaren Bindehautsäcke sind sehr anfällig für Reizungen.
- In schweren Fällen drohen Hornhautentzündungen oder Sehstörungen – oft bleibt nur eine operative Korrektur.

Typisches Erscheinungsbild bei Bloodhounds: Das untere Augenlid ist stark nach aussen gerollt (Ektropium), die empfindliche Bindehaut liegt ungeschützt offen – das führt häufig zu Reizungen, Entzündungen und Schmerzen.
Hautfalten
Die überhängende Haut ist anfällig für Faltenekzeme, Pilzinfektionen und bakterielle Entzündungen – besonders an Lefzen und Hals.
Eine tägliche Reinigung der Hautfalten ist bei den allermeisten Hunde dieser Rasse notwendig, sonst entstehen schmerzhafte Entzündungen.
Der Preis von langen Ohren
Die langen Hängeohren behindern die Belüftung des Gehörgangs und führen zu chronischen Ohrinfektionen (Otitis externa).
Geruch, Juckreiz und Schmerzen sind häufige Begleiter – die Ohren müssen deshalb regelmässig kontrolliert und gereinigt werden.
Bewegungsapparat und Verdauung
Wie viele grosse Rassen ist der Bloodhound anfällig für Hüftdysplasie und Ellenbogendysplasie.
Auch Magendrehungen sind bei dieser Rasse ein bekanntes Risiko. Zusätzlich leiden manche Bloodhounds unter Verdauungsempfindlichkeit oder Blähungen durch den lockeren Bauchraum.
Folgeprobleme im Alltag
Der Alltag mit einem Bloodhound kann herausfordernd sein. Allein seine Grösse, seine Sabbermenge und der typische Eigengeruch (erhöhte Geruchsbildung durch die Hautfalten und langen Ohren) machen ihn nicht unbedingt zum „einfachen Familienhund.
Der Pflegeaufwand ist im Vergleich zu anderen Hunderassen verhältnismässig hoch: Die Hautfalten, Ohren und Augen erfordern eine tägliche Kontrolle.
Darüber hinaus benötigen viele der aufgezählten typischen Probleme wiederkehrende Behandlungen oder sogar Operationen, was wiederum zu hohen Tierarztkosten führt.
Gibt es gesunde Hunde dieser Rasse?
Es gibt sie – aber sie sind selten. Einige engagierte Züchter versuchen, Bloodhounds mit weniger Hautfalten, strafferer Lidform und besserer Konstitution zu züchten, etwa im Rahmen von Arbeitslinien, die auf Leistungsfähigkeit statt Optik ausgerichtet sind.
Tipps zur Orientierung:
- Auf seriöse Herkunft achten (Hunde aus reinen Showlinien zeigen eher extreme Merkmale)
- Züchter wählen, die keine extremen Merkmale fördern (z. B. kürzere Ohren, festere Haut, normale Augenlider). Hier gibt es ein paar allgemeine Tipps zur Auswahl seriöser Züchter: Verantwortungsvoller Hundekauf: Wie man seriöse Züchter erkennt
- Gesundheitsnachweise verlangen: Screening auf Augenkrankheiten, HD/ED, Zucht auf genetische Vielfalt
Fazit: Qualzucht oder nicht?
Der Bloodhound ist ein faszinierender Hund mit einer einzigartigen Nase und langjähriger Tradition. Doch viele seiner heute gezüchteten Merkmale sind übertrieben und gesundheitlich bedenklich. Besonders betroffen sind Augen, Ohren und Haut – oft mit chronischen, schmerzhaften Folgen für den Hund.
Deshalb: Der Bloodhound liegt im Grenzbereich zur Qualzucht, vor allem in den sogenannten Showlinien. Wer sich für diese Rasse interessiert, sollte genau hinschauen – und sich gezielt nach Zuchten umsehen, die auf Funktionalität, nicht auf übertriebene Optik setzen.



