Ammenfunktion

Die Ammenfunktion beschreibt das Verhalten, bei dem eine Hündin, die nicht selbst trächtig war oder geworfen hat, Welpen anderer Hündinnen säugt oder versorgt. Dieses Phänomen ist besonders bei wildlebenden Caniden wie Wölfen oder Dingos verbreitet und gilt als wichtiger evolutionärer Vorteil für das Überleben des Rudels. Auch bei Haushunden kann die Ammenfunktion auftreten, insbesondere im Zusammenhang mit der hormonellen Grundlage der Scheinträchtigkeit.

Biologische Grundlagen

  • Prolaktin: Das Hormon Prolaktin ist zentral für die Milchbildung. Sein Anstieg nach der Läufigkeit kann auch ohne Trächtigkeit Laktation auslösen.
  • Scheinträchtigkeit: Viele Hündinnen zeigen nach der Läufigkeit Anzeichen einer Pseudogravidität. Dazu gehören Nestbau, Mutterverhalten und Milchproduktion – biologische Voraussetzungen für die Ammenfunktion.
  • Soziale Instinkte: Caniden leben in sozialen Gruppen, in denen kooperative Welpenaufzucht ein wichtiger Faktor für den Fortbestand ist.

Evolutionäre Bedeutung

In Wolfsrudeln und anderen wildlebenden Hundearten ist die Ammenfunktion ein adaptiver Vorteil. Mehrere Hündinnen können Welpen säugen, wodurch:

  • die Überlebenschancen der Jungtiere steigen,
  • das Risiko durch Krankheit oder Verlust der Mutter reduziert wird,
  • Verwandtschaftsselektion gefördert wird – Hündinnen sichern so indirekt ihr eigenes genetisches Erbe.

Ammenfunktion beim Haushund

  • Auch Haushunde zeigen dieses Verhalten, vor allem in Zuchtstätten oder Mehrhundehaushalten.
  • Scheinträchtige Hündinnen können fremde Welpen instinktiv annehmen und säugen.
  • Die Ammenfunktion wird teilweise gezielt genutzt, wenn die leibliche Mutter nicht genug Milch produziert oder verstirbt.

Abgrenzung und Risiken

  • Unterschied zu Adoption: Bei Adoption versorgt die Hündin Welpen, ohne Milch zu geben. Ammenfunktion bedeutet konkret Laktation.
  • Medizinische Risiken: Milchproduktion ohne tatsächliche Welpen kann zu Milchstau oder Mastitis führen.
  • Verhaltensrisiken: Manche Hündinnen entwickeln starke Verteidigungstendenzen gegenüber „ihren“ Welpen, was zu Konflikten führen kann.
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