Vibrissen sind lange, steife und besonders empfindliche Haare, die bei Hunden und vielen anderen Säugetieren an bestimmten Körperstellen vorkommen. Im Alltag werden sie auch als Tasthaare bezeichnet. Sie sind fest in der Haut verankert, stark durchblutet und von zahlreichen Nervenendigungen umgeben. Dadurch spielen sie eine wichtige Rolle in der Sinneswahrnehmung und im Verhalten des Hundes.
Anatomie der Vibrissen
Vibrissen unterscheiden sich von normalem Fell durch ihre Struktur und Funktion. Sie sind dicker, länger und tiefer in der Haut verankert. Jede Vibrisse ist in einem spezialisierten Haarfollikel eingebettet, der von Bluträumen (Blut-Sinus-Komplex) und Nervenendigungen umgeben ist. Schon kleinste Bewegungen der Vibrisse werden so registriert und als Sinnesreize ans Gehirn weitergeleitet.
Vorkommen am Hundekörper
Die meisten Vibrissen finden sich im Bereich des Kopfes:
- Oberlippe – Schnurrhaare (Mystacial-Vibrissen)
- Augenbrauenregion – Supraorbitale Vibrissen
- Wangen – Genale Vibrissen
- Kinn – Mandibulare Vibrissen
Manchmal treten Vibrissen auch an anderen Stellen, wie etwa am Unterkiefer oder seitlich des Nasenrückens, auf.
Funktion und Bedeutung
Vibrissen helfen Hunden, ihre Umgebung auch bei schlechten Lichtverhältnissen oder in engen Räumen wahrzunehmen. Zu ihren Aufgaben gehören:
- Orientierung in Dunkelheit oder engen Passagen
- Wahrnehmung von Luftströmungen, die Bewegungen in der Umgebung anzeigen
- Schutz der Augen durch Auslösen des Lidschlussreflexes bei Berührung
- Soziale Kommunikation, da Hunde durch Stellung und Bewegung der Vibrissen Stimmungen signalisieren können
Pflege und Umgang
Vibrissen dürfen nicht abgeschnitten werden. Anders als normales Fell wachsen sie nicht kontinuierlich nach, und ihre Funktion ist für den Hund essenziell. In manchen Hundesalons werden sie versehentlich beim Scheren entfernt, was jedoch die Orientierungsfähigkeit und das Wohlbefinden des Hundes erheblich beeinträchtigen kann.
Besonderheiten
Wissenschaftliche Studien zeigen, dass Vibrissen ein wichtiger Bestandteil der taktilen Wahrnehmung sind und ähnlich wie ein „Frühwarnsystem“ funktionieren (Dehnhardt, 1990; Grant et al., 2013). Sie sind evolutionsbiologisch sehr alt und finden sich bei fast allen Säugetieren, vom Hund über Katzen bis hin zu Nagetieren und Meeressäugern.
Fazit
Vibrissen sind ein zentrales Sinnesorgan des Hundes. Sie ermöglichen feinste Umweltwahrnehmungen und tragen wesentlich zur Sicherheit, Kommunikation und zum Wohlbefinden bei. Deshalb sollten Hundehalter:innen darauf achten, dass diese empfindlichen Tasthaare unbeschädigt bleiben.



