Ein Rückenmarksinfarkt – in der Tiermedizin oft als Fibrocartilaginous Embolism (FCE) bezeichnet – ist eine plötzliche Durchblutungsstörung des Rückenmarks. Dabei wird ein Blutgefäß durch Knorpelmaterial oder ein Blutgerinnsel verstopft. Die Folge: Nervenzellen im betroffenen Bereich erhalten keinen Sauerstoff mehr und sterben ab. Das führt zu akuten Lähmungserscheinungen, die für Hundehalter:innen meist völlig überraschend auftreten.
Ursachen
- Fibrocartilaginöse Embolie: Vermutlich gelangen kleine Knorpelpartikel aus den Bandscheiben in die Blutgefäße des Rückenmarks.
- Gefäßverschluss durch Thromben: Selten sind Blutgerinnsel beteiligt.
- Risikofaktoren: Häufig mittelgroße bis große Rassen, oft in Bewegung oder beim Spielen; eher junge bis mittelalte Hunde.
Symptome
- Plötzlich einsetzende Lähmung einer oder mehrerer Gliedmaßen
- Keine oder nur geringe Schmerzen
- Asymmetrische Ausfälle (z. B. nur ein Hinterbein betroffen)
- Reflex- und Sensibilitätsstörungen je nach Lokalisation
Diagnose
- Neurologische Untersuchung zur Lokalisation des Schadens
- MRT (Magnetresonanztomografie) als Goldstandard
- Ausschluss anderer Ursachen wie Bandscheibenvorfall, Trauma oder Entzündung
Therapie
Eine gezielte ursächliche Behandlung gibt es nicht. Im Vordergrund stehen:
- Strikte Ruhe in der Akutphase
- Physiotherapie und Bewegungsübungen zur Regeneration
- Unterstützende Maßnahmen: Blasenentleerung, Lagerung, Vermeidung von Druckstellen
- Medikamente gegen Schwellung oder sekundäre Entzündungen können eingesetzt werden, wirken aber begrenzt
Prognose
Die Heilungschancen hängen stark von der Schwere der Ausfälle und der Lokalisation ab. Viele Hunde erholen sich innerhalb von Wochen bis Monaten teilweise oder vollständig. Je schneller eine physiotherapeutische Unterstützung erfolgt, desto besser die Aussichten. Bei vollständigem Verlust der Tiefensensibilität ist die Prognose jedoch ungünstig.
Fazit
Ein Rückenmarksinfarkt beim Hund ist ein akutes, dramatisches Ereignis, das sofort tierärztlich abgeklärt werden muss. Auch wenn es keine direkte medikamentöse Heilung gibt, zeigen viele Hunde mit intensiver Pflege und Physiotherapie deutliche Verbesserungen. Im Zweifel sollte immer eine tierärztliche Abklärung erfolgen, um die Ursache korrekt zu diagnostizieren und bestmöglich zu behandeln.



