Allomonen sind chemische Botenstoffe, die von einem Organismus abgesondert werden und auf Individuen einer anderen Art wirken. Im Gegensatz zu Pheromonen, die innerhalb derselben Art kommunizieren, entfalten Allomonen ihre Wirkung interspezifisch (zwischen verschiedenen Arten). Der Nutzen liegt dabei meist auf der Seite des sendenden Organismus, indem er beispielsweise Feinde abschreckt, Beute anlockt oder sich einen anderen ökologischen Vorteil verschafft.
Definition
Der Begriff „Allomon“ wurde erstmals in den 1960er Jahren von Chemikern und Ökologen geprägt. Er bezeichnet chemische Substanzen, die:
- von einem Lebewesen produziert werden,
- in die Umwelt abgegeben werden,
- auf Individuen einer anderen Art wirken,
- und dem Sender einen Vorteil verschaffen.
Beispiele für Allomonen
Pflanzen
- Abwehrstoffe: Viele Pflanzen produzieren Bitterstoffe, Alkaloide oder ätherische Öle, um Fressfeinde abzuwehren (z. B. Nikotin, Menthol, Capsaicin).
- Lockstoffe: Manche Pflanzen nutzen Allomonen, um Bestäuber oder Samenverbreiter anderer Arten anzuziehen.
Tiere
- Insekten: Abwehrsekrete von Käfern oder Ameisen, die Feinde fernhalten.
- Amphibien & Reptilien: Hautgifte von Fröschen oder Salamandern, die Fraßfeinde abschrecken.
- Hunde und andere Säugetiere: Auch Hunde können über ihre Haut- und Analdrüsen Sekrete absondern, die auf andere Arten (z. B. potenzielle Fressfeinde) abschreckend wirken.
Abgrenzung zu ähnlichen Begriffen
- Pheromone: wirken innerhalb derselben Art und steuern Kommunikation, Fortpflanzung oder Sozialverhalten.
- Kairomone: wirken interspezifisch, nutzen aber dem Empfänger – z. B. wenn ein Parasit den Wirt durch dessen Geruch aufspürt.
- Allomonen: wirken interspezifisch, zum Vorteil des Senders.
Bedeutung in der Ökologie
Allomonen sind ein zentraler Bestandteil der Chemokommunikation in Ökosystemen. Sie spielen eine Rolle bei:
- Abwehrmechanismen: Schutz vor Fressfeinden und Parasiten.
- Ko-Evolution: Anpassungsprozesse zwischen Pflanzen und Tieren, die zu immer neuen Abwehr- und Gegenstrategien führen.
- Verhaltenslenkung: Einflussnahme auf das Verhalten anderer Arten, z. B. durch Duftstoffe oder Abwehrsekrete.
Forschung & Anwendung
- Biologische Schädlingsbekämpfung: Nutzung von pflanzlichen Allomonen zur Abwehr von Insekten im Pflanzenschutz.
- Tiermedizin: Erforschung von Allomonen in Drüsensekreten von Haustieren zur besseren Diagnose von Stress, Angst oder Territorialverhalten.
- Ökologische Studien: Untersuchung, wie chemische Kommunikation die Artenvielfalt und das Zusammenleben in Lebensgemeinschaften beeinflusst.



