Kairomone sind chemische Botenstoffe, die von einem Organismus abgegeben werden und auf Individuen einer anderen Art wirken. Im Gegensatz zu Pheromonen, die innerhalb derselben Art kommunizieren, und Allomonen, die dem Sender nutzen, verschaffen Kairomone in erster Linie dem Empfänger einen Vorteil. Sie gehören zur Gruppe der Semiochemikalien.
Definition
Der Begriff „Kairomon“ stammt vom griechischen Wort kairos („günstige Gelegenheit“) und bezeichnet chemische Substanzen, die:
- von einem Organismus (Sender) in die Umwelt abgegeben werden,
- von Individuen einer anderen Art wahrgenommen werden,
- und dem Empfänger (nicht dem Sender) nützen.
Beispiele für Kairomone
Parasiten & Wirte
- Mücken orientieren sich an Kohlendioxid und Körpergeruch von Säugetieren, um Blutwirte zu finden.
- Flöhe und Zecken nutzen Körperwärme und Duftstoffe von Hunden, um ihre Wirte zu lokalisieren.
Prädatoren & Beute
- Räuberische Insekten spüren ihre Beute über deren Duftstoffe oder Kot auf.
- Raubtiere können über Gerüche geschwächte oder verletzte Tiere leichter ausfindig machen.
Hund und Umwelt
- Viele Parasiten nutzen Geruchsstoffe von Hunden als Kairomone, um den Wirt zu finden (z. B. Sandmücken bei der Übertragung von Leishmaniose).
- Umgekehrt können Hunde bestimmte Kairomone anderer Arten wahrnehmen und daraus Informationen ziehen (z. B. Angstschweiß von Menschen oder Fluchtstoffe von Beutetieren).
Abgrenzung zu anderen Semiochemikalien
- Pheromone: wirken innerhalb derselben Art und steuern Sozial- oder Sexualverhalten.
- Allomonen: wirken zwischen Arten, nützen dem Sender.
- Kairomone: wirken zwischen Arten, nützen dem Empfänger.
Ökologische Bedeutung
Kairomone sind ein zentrales Element der chemischen Kommunikation in Ökosystemen. Sie beeinflussen:
- Parasiten- und Krankheitsübertragung: Viele Vektoren (Zecken, Mücken) finden ihre Wirte über Kairomone.
- Populationsdynamik: Räuber-Beute-Beziehungen werden durch chemische Signale gesteuert.
- Evolution: Senderorganismen können Strategien entwickeln, um die Abgabe von Kairomonen zu reduzieren, während Empfänger ihre Sensitivität erhöhen.
Forschung & Anwendung
- Parasitologie: Entwicklung neuer Präventionsmethoden gegen Parasitenbefall durch Blockade von Kairomon-Wahrnehmung.
- Vektorbekämpfung: Nutzung künstlicher Kairomone in Fallen, um Mücken oder Flöhe von Hunden fernzuhalten.
- Verhaltensforschung: Untersuchung, wie Hunde Kairomone anderer Tiere interpretieren und in ihr Verhalten integrieren.