Zwischen Weihnachten und Neujahr fühlt sich für viele Menschen der Alltag ein wenig entrückt an. Termine fallen weg, der Wecker klingelt später – oder gar nicht –, Tage verschwimmen ineinander. Was für uns oft entspannend oder zumindest ungewöhnlich ist, kann für Hunde jedoch eine echte Herausforderung darstellen. Denn während wir diese Zeit als „Pause“ empfinden, fehlt unseren Hunden plötzlich etwas sehr Wichtiges: Struktur.
Hunde leben von Wiederholungen – nicht vom Kalender
Hunde orientieren sich nicht an Feiertagen, Kalenderwochen oder Jahreszahlen. Sie orientieren sich an Abläufen.
Aufstehen, Gassigehen, Fütterung, Ruhezeiten, Beschäftigung, Alleinbleiben – all das sind feste Ankerpunkte im Alltag eines Hundes. Diese wiederkehrenden Rituale geben Sicherheit und Vorhersehbarkeit.
Zwischen den Jahren geraten genau diese Abläufe oft durcheinander:
- Spaziergänge finden zu anderen Uhrzeiten statt
- Menschen sind ungewohnt viel oder ungewohnt wenig zu Hause
- Kinder haben Ferien
- Routinen wie Hundeschule, Training oder Büro-Alltag pausieren
- Schlafenszeiten verschieben sich
Für viele Hunde fühlt sich das an, als würde der Boden unter den Pfoten leicht wackeln – nicht dramatisch, aber spürbar.
Warum wirken manche Hunde in dieser Zeit „komisch“?
„Komisch“ ist natürlich kein Fachbegriff, trifft es aber im Alltag ziemlich gut. Manche Hunde sind plötzlich unruhiger, anhänglicher, gereizter oder wirken im Gegenteil ungewöhnlich lustlos und zurückgezogen.
Das hat meist nichts mit Trotz oder „schlechter Laune“ zu tun, sondern mit veränderter Orientierung. Wenn bekannte Signale fehlen oder sich ständig verschieben, muss der Hund mehr beobachten, mehr einschätzen und mehr verarbeiten. Das kostet Energie.
Typische Veränderungen können sein:
- vermehrtes Folgen im Haus
- schnelleres Aufdrehen bei Kleinigkeiten
- geringere Frustrationstoleranz
- mehr Schlaf – oder deutlich weniger
- gesteigerte Aufmerksamkeit gegenüber Geräuschen oder Bewegungen
All das sind Hinweise darauf, dass der Hund versucht, sich neu zu sortieren.
Weniger Termine = weniger Auslastung?
Das klingt logisch, ist aber nur die halbe Wahrheit. Ja, viele feste Termine fallen weg: Training, Hundeschule, feste Arbeitszeiten, gewohnte Wege. Gleichzeitig steigt aber oft etwas anderes stark an: soziale und emotionale Reize.
Mehr Menschen zu Hause, Besuch, Kinder, wechselnde Tagesabläufe, andere Spaziergehzeiten – all das kann für Hunde durchaus anstrengender sein als ein klar strukturierter Alltag mit „mehr Programm“.
Ein Hund kann also gleichzeitig unterfordert wirken, obwohl er eigentlich mental stark gefordert ist. Besonders sensible Hunde oder solche, die Veränderungen schwer verarbeiten, zeigen dann ein Verhalten, das leicht missverstanden wird: Unruhe trotz vermeintlicher Ruhezeit.
Brauchen Hunde jetzt mehr oder weniger Beschäftigung?
Die ehrliche Antwort lautet: weder pauschal mehr noch weniger – sondern passender.
Zwischen den Jahren profitieren Hunde besonders von:
- verlässlichen Fixpunkten
- ruhiger, vorhersehbarer Beschäftigung
- bewusst eingeplanten Ruhezeiten
Anstatt neue Aktivitäten einzubauen, ist es oft hilfreicher, bekannte Rituale möglichst beizubehalten. Das bedeutet nicht, dass alles exakt gleich laufen muss – aber gewisse Eckpfeiler sollten stabil bleiben.
Rituale sind kein Luxus, sondern Orientierungshilfen
Ein Ritual ist nicht nur „Gewohnheit“, sondern ein klares Signal: So läuft es bei uns. Gerade in einer Zeit, in der vieles anders ist, helfen kleine Konstanten enorm.
Beispiele für stabilisierende Rituale:
- Morgenspaziergang ungefähr zur gewohnten Zeit
- Feste Fütterungszeiten
- Ein klar definierter Ruheplatz, der respektiert wird
- Kurze, bekannte Beschäftigungseinheiten (z. B. Schnüffelspiele, einfache Denkaufgaben)
Diese Elemente wirken oft stärker beruhigend als zusätzliche Action.
Wenn der Alltag stillsteht – aber der Kopf nicht
Für viele Hunde ist die Zeit zwischen den Jahren kein Stillstand, sondern ein Zuviel an Unklarheit. Besonders dann, wenn Menschen spontan entscheiden, wie der Tag läuft. Heute ausschlafen, morgen früh raus. Heute langer Spaziergang, morgen gar keiner. Heute Besuch, morgen niemand.
Hunde können damit umgehen – aber nicht unbegrenzt. Je weniger vorhersehbar der Tag ist, desto wichtiger wird es, wenigstens Teile davon planbar zu halten.
Vorsorge statt Verbot – auch in der ruhigen Zeit
Anstatt ständig korrigierend einzugreifen („Jetzt sei doch ruhig“, „Geh auf deinen Platz“), lohnt es sich, den Alltag so zu gestalten, dass problematische Situationen gar nicht erst entstehen.
Das kann bedeuten:
- Rückzugsorte frühzeitig klar zu definieren
- Ruhephasen bewusst einzuplanen, statt sie „irgendwann“ oder von selbst entstehen zu lassen
- Beschäftigung so zu wählen, dass sie beruhigt statt aufdreht
- Spaziergänge eher gleichmässig als extrem zu gestalten
So wird aus der stillen Zeit keine stressige Übergangsphase, sondern eine Phase der sanften Anpassung.
Übergänge bewusst gestalten
Was viele unterschätzen: Nicht nur Weihnachten selbst, sondern vor allem der Übergang zurück in den Alltag ist für Hunde anspruchsvoll. Wenn nach Tagen oder Wochen plötzlich alles wieder „normal“ läuft, kann das erneut Verunsicherung auslösen.
Umso hilfreicher ist es, bereits zwischen den Jahren kleine Alltagsanker beizubehalten. So fällt der Start ins neue Jahr nicht wie ein Kaltstart aus, sondern wie ein fliessender Übergang.
Fazit: Ruhe entsteht nicht durch Stillstand, sondern durch Klarheit
Die Zeit zwischen den Jahren ist nicht unbedingt eine „Problemphase“ – aber sie ist eine sensible Phase. Für Hunde bedeutet sie nicht automatisch Entspannung, sondern oft eine Neuorientierung.
Wer jetzt auf klare Strukturen, bekannte Rituale und passende Beschäftigung setzt, unterstützt seinen Hund nachhaltig.
Nicht mit mehr Programm, nicht mit strengen Regeln – sondern mit Verlässlichkeit.
Genau darin liegt hier der Schlüssel: Vorsorge statt Verbot, Struktur statt Zufall.



