Gebrauchshund im Rollstuhl: Wie Markus mit dem Deutschen Schäferhund Selbstständigkeit und Sicherheit zurückgewann

Markus im Rollstuhl mit Deutschem Schäferhund als Alltagspartner und Gebrauchshund

Ein Gebrauchshund im Rollstuhl ist für Markus weit mehr als Begleitung. Er ist Sicherheit, Antrieb, Alltagspartner und ein Stück Freiheit. Der 65-Jährige, gebürtiger Deutscher und saisonal in Spanien lebend, hatte schon vor seinem Unfall mit 24 Jahren mit Hunden zu tun. Nach dem schweren Einschnitt in sein Leben hat er diese Leidenschaft nicht aufgegeben – im Gegenteil. Seit rund 40 Jahren lebt Markus im Rollstuhl mit deutschen Schäferhunden an seiner Seite und zeigt damit, dass gut ausgebildete Gebrauchshunde weit mehr sind als bloße Sportgeräte.

Vier Deutsche Schäferhunde in 40 Jahren

Markus hat einen hohen Querschnitt und kann dadurch oft auch seine Hände nicht so benutzen, wie es für viele Menschen selbstverständlich ist. Was für andere wie eine unüberwindbare Grenze wirken würde, hat ihn nie davon abgehalten, an dem festzuhalten, was ihn schon vor seinem Unfall geprägt hat: die Arbeit mit Hunden.

In den vergangenen vier Jahrzehnten hat Markus im Rollstuhl vier Deutsche Schäferhunde geführt. Nicht, weil es gut klingt. Nicht, weil es nach außen ein besonderes Bild abgibt. Sondern weil diese Hunde für ihn im Alltag ganz praktisch einen Unterschied machen. Einen echten. Einen täglichen.

Warum Markus keine Hunde selbst ausbildet

Markus bildet seine Hunde nicht selbst aus. Nicht aus mangelnder Leidenschaft, sondern aus einer ehrlichen Einschätzung seiner eigenen Möglichkeiten. Aufgrund seines Handicaps kauft er fertig ausgebildete Hunde mit IGP3-Prüfung. Seine Begründung ist klar: Diese Hunde sollen Teil seiner Familie sein, Teil seines Lebens. Gleichzeitig ist er aber auch auf die Sicherheit angewiesen, die ihm ein solcher Hund geben kann.

Genau darin liegt ein Punkt, der in vielen Debatten rund um Gebrauchshunde gern übersehen wird. Für Markus ist der gut ausgebildete Hund kein Prestigeobjekt und kein Sportgerät mit Fell. Er ist ein verlässlicher Partner in einem Alltag, der mit deutlich mehr Hürden verbunden ist als für viele andere Menschen.

Der Deutsche Schäferhund als idealer Begleiter

Für Markus ist der Deutsche Schäferhund bis heute der perfekte Hund. Das hat nicht nur mit persönlicher Vorliebe zu tun, sondern auch mit seinen Eigenschaften. Markus mag die Rasse, weil er sie schön findet. Vor allem aber schätzt er ihre ausgewogene Balance zwischen Schutz und Familienhund.

Aus seiner Sicht ist der Deutsche Schäferhund oft teilweise genügsamer als andere Gebrauchshunderassen und bringt zugleich ein ruhigeres Wesen mit, als viele Menschen bei einem leistungsfähigen Hund erwarten würden. Gerade für einen Menschen im Rollstuhl ist das entscheidend. Wer körperlich eingeschränkt ist, braucht keinen Hund, der nur auf dem Platz funktioniert. Er benötigt einen Hund, der im Alltag funktioniert.

Sicherheit, die im Alltag zählt

Dass Markus bewusst auf fertig ausgebildete Hunde setzt, hat auch mit Schutz zu tun. Nicht mit Show. Nicht mit Härte. Sondern mit dem nüchternen Wissen, dass körperliche Einschränkungen die eigene Verletzlichkeit im Alltag erhöhen können.

Ein gut ausgebildeter Gebrauchshund gibt Markus genau diese Sicherheit. Nicht als Drohkulisse, sondern als verlässliche Präsenz. Als Hund, auf den er sich verlassen kann. Gerade daran zeigt sich, wie kurzgegriffen viele Diskussionen über Gebrauchshunde sind. Wer sie nur als Sporthunde betrachtet, übersieht, welche reale Bedeutung sie für Menschen mit Handicap haben können.

Freiheit statt bloßer Begleitung

Sein letzter Schäferhund war für spanische Verhältnisse sogar eine Ausnahme. Markus durfte ihn ohne Leine und ohne Maulkorb führen – am Strand, in der Stadt, im Alltag. Das ist bemerkenswert und sagt viel über die Qualität der Ausbildung, aber auch über die Verlässlichkeit eines solchen Hundes aus.

Für Markus ist das Leben mit einem Hund deshalb weit mehr als einfach nur schön. Ein gut ausgebildeter Gebrauchshund gibt ihm Selbstständigkeit zurück. Oft auch Selbstvertrauen. Er motiviert ihn, sich mehr zu bewegen, selbst an schlechten Tagen herauszugehen und sich nicht zurückzuziehen. Über all die Jahre haben ihn seine Hunde immer wieder dazu gebracht, in gewisser Hinsicht über sich hinauszuwachsen.

Hundesport trotz Rollstuhl

Auch im Hundesport war Markus trotz des Rollstuhls viele Jahre weiter aktiv. Nicht am Rand, nicht nur mehr oder weniger dabei, sondern als jemand, der sich seinen Platz genommen hat. Genau das macht seine Geschichte so stark. Sie ist nicht rührselig. Sie zeigt schlicht, was möglich ist, wenn Leidenschaft bleibt und wenn ein Hund mehr ist als Begleitung.

Was Markus’ Geschichte über Gebrauchshunde zeigt

Markus ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, dass Gebrauchshunde Menschen mit Handicap nicht nur assistieren oder beschützen können. Sie können sie auch zurück in die Gesellschaft holen, zurück in Bewegung, zurück in ein aktives Leben.

Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Stärke dieser Geschichte. Sie zeigt, dass es manchmal nicht viel benötigt, um Lebensqualität zurückzugewinnen: Vertrauen, Alltag, Verlässlichkeit – und einen gut ausgebildeten Hund an der Seite. Ein Stück Fell mit vier Pfoten kann kein Handicap ungeschehen machen. Aber es kann einem Menschen etwas zurückgeben, das im Leben mit schwerer Behinderung oft verloren zu gehen droht: Selbstständigkeit, Sicherheit und das Gefühl, trotzdem mitten im Leben zu stehen.

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Ich bin Journalist und seit Februar 2026 redaktionell verantwortlich für das Portal rundum.dog. In dieser Funktion trage ich die journalistische Verantwortung für die inhaltliche Ausrichtung, die redaktionelle Qualität sowie die Veröffentlichung der Beiträge. Meine Arbeit ist geprägt von einer sachlichen, faktenbasierten Herangehensweise und dem Anspruch, auch komplexe oder kontrovers diskutierte Themen nachvollziehbar und differenziert einzuordnen. Mich interessiert weniger das Idealbild als die praktische Realität: Wie funktionieren Strukturen im Alltag tatsächlich? Wo entstehen Barrieren – offen oder unbewusst? Und wie lassen sich Zusammenhänge verständlich darstellen, ohne sie zu vereinfachen oder zu verkürzen? Thematisch bewege ich mich an der Schnittstelle von Hundehaltung, Hundesport und gesellschaftlichen Fragestellungen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Hundetraining und Hundesport unter realen Bedingungen. Ich bin ein Mensch mit Handicap und nutze einen Rollstuhl. Eigene Alltagserfahrungen fließen in die Arbeit ein, ohne sie zum Maßstab zu machen. Über das Leben und Training mit meinem Hund Carl veröffentliche ich bei rundum.dog regelmäßig Kolumnen, jeweils mittwochs und samstags. Im Fokus stehen dabei Fragen nach Verantwortlichkeit, Trainingspraxis, Belastbarkeit von Konzepten und dem Zusammenspiel von Alltag, Leistung und Anspruch. Meine journalistische Arbeit orientiert sich an etablierten redaktionellen und ethischen Standards. Dazu gehören sorgfältige Recherche, transparente Arbeitsweisen und eine klare Trennung von Berichterstattung, Meinung und Interessen. Ziel ist eine sachliche, überprüfbare Darstellung von Themen, die unterschiedliche Perspektiven berücksichtigt und Argumente nachvollziehbar einordnet. Entscheidend ist für mich eine Berichterstattung, die erklärt, kontextualisiert und offen bleibt für begründete Gegenpositionen. Journalistisch arbeite ich seit vielen Jahren für regionale und überregionale Medien. Unter anderem habe ich für Titel der Neuen Pressegesellschaft geschrieben, zu der auch die Märkische Oderzeitung gehört. 2023 habe ich im Rahmen meiner journalistischen Tätigkeit in Osteuropa recherchiert und berichtet, unter anderem zu den Auswirkungen des Krieges auf den Alltag der Zivilbevölkerung. Gemeinsam mit dem Herausgeber verstehen wir rundum.dog als journalistisches Magazin für Hundehalterinnen und Hundehalter aus unterschiedlichen Lebensrealitäten und mit unterschiedlichen Anforderungen. Tierschutz ist dabei eine zentrale Leitlinie der redaktionellen Arbeit und wird als Verantwortung verstanden, die Fachlichkeit, Alltagstauglichkeit und Praxisbezug verbindet. Ziel des Magazins ist es, Orientierung zu bieten und dazu beizutragen, dass Mensch und Hund als Team verlässlich und nachhaltig zusammenarbeiten – im Alltag, im Training und im Sport.

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