Ein Zuhause für Tiere – und ein Gewinn für die ganze Region – Tierschutzzentrum Thurgau

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Warum der Thurgau ein Tierschutzzentrum braucht

Es sind leise Zahlen, die selten Schlagzeilen machen. Und doch stehen sie für eine Realität, die jedes Jahr wächst: mehrere hundert Katzen, tausende Wildvögel, Igel, Reptilien, Kleintiere – dazu Hunde, beschlagnahmte Tiere aus problematischen Haltungen, Fundtiere ohne Besitzer. Sie alle brauchen eines: einen Ort, an dem sie fachgerecht versorgt werden können.

Im Kanton Thurgau leisten Tierschutzvereine diese Arbeit seit Jahrzehnten – oft ehrenamtlich, mit enormem persönlichem Einsatz. Doch dieses System stösst zunehmend an seine Grenzen. Nicht aus mangelndem Willen, sondern weil sich die rechtlichen und fachlichen Anforderungen in den letzten Jahren grundlegend verändert haben.

Ehrenamt allein reicht heute nicht mehr

Was viele nicht wissen: Die Betreuung und Vermittlung von Tieren unterliegt in der Schweiz klaren gesetzlichen Vorgaben. Gemäss Tierschutzgesetz und Tierschutzverordnung dürfen Tiere nicht einfach aufgrund von Erfahrung aufgenommen oder weitergegeben werden. Es braucht ausgebildetes Fachpersonal – etwa Tierpflegerinnen und Tierpfleger mit eidgenössischem Fähigkeitsausweis – sowie bewilligte Strukturen.

Diese Anforderungen gelten nicht nur für Tierheime, sondern auch für Pflegestellen. Sie müssen vom Veterinäramt genehmigt werden und über entsprechende Fachkenntnisse und Infrastruktur verfügen. Für viele private Helferinnen und Helfer, die jahrelang unverzichtbare Arbeit geleistet haben, ist das kaum mehr leistbar.

Die Konsequenz ist absehbar: Pflegestellen verschwinden, Vereine geraten unter Druck – während die Zahl der Tiere gleich bleibt.

Tiere verschwinden nicht, nur weil es keinen Platz gibt

Wer kümmert sich künftig um die rund 500 Katzen, die jedes Jahr im Thurgau aufgefangen werden? Um verwilderte Populationen, die ohne konsequente Kastration jedes Jahr weiter wachsen würden? Wer übernimmt Meerschweinchen, Kaninchen, Schildkröten, exotische Vögel oder beschlagnahmte Tiere aus illegalen Haltungen?

Und eine noch zentralere Frage: Wohin sollen Polizei, Zoll oder Veterinäramt Tiere bringen, wenn sie handeln müssen – aber keine geeignete Einrichtung existiert?

Ein regionales Tierschutzzentrum ist deshalb kein Luxusprojekt, sondern Teil der öffentlichen Infrastruktur. Es stellt sicher, dass Hilfe möglich bleibt – schnell, fachlich korrekt und im Sinne des Tierwohls.

Kastration wirkt – wenn Strukturen vorhanden sind

Der Thurgau zeigt, dass Prävention funktioniert. Dank jahrelanger konsequenter Kastrationsarbeit durch Tierschutzvereine und engagierte Tierärztinnen konnte die unkontrollierte Vermehrung von Katzen deutlich eingedämmt werden – im Gegensatz zu anderen Kantonen, die heute mit massiven Problemen kämpfen.

Ein eigenes Zentrum mit integrierter tierärztlicher Versorgung würde diese Arbeit nicht nur sichern, sondern ausbauen: mehr Tiere, geringere Kosten, kürzere Wege. Vor allem aber: nachhaltige Wirkung statt ständiger Notlösungen.

Standortsuche zwischen Realität und Vorurteilen

Fast drei Jahre lang wurde im gesamten Kanton nach geeigneten Liegenschaften gesucht – rund 200 Objekte wurden geprüft. Wohnzonen sind rechtlich ausgeschlossen, Industrieflächen oft ungeeignet oder nicht verfügbar. Viele Anfragen blieben unbeantwortet, andere scheiterten an pauschalen Vorbehalten.

Dabei ist ein modernes Tierschutzzentrum weder Industriebetrieb noch landwirtschaftliche Anlage. Es braucht Platz und Abstand, ja – aber auch eine gewisse Nähe zur Bevölkerung. Denn Tierschutz lebt von Transparenz, Bildung und Begegnung.

Und was ist mit dem Lärm?

Die häufigste Sorge betrifft Hunde. Moderne Tierheime begegnen diesem Thema mit klaren Konzepten: Kleingruppenhaltung, strukturierte Auslaufzeiten, begrenzte Tierzahlen im Aussenbereich, Lärmschutzwände und ständige Betreuung. Hunde sind nicht unbeaufsichtigt draussen, Ruhezeiten sind fest eingeplant, Spaziergänge ersetzen Dauerfreilauf.

Dauerlärm entsteht so nicht. Was bleibt, sind einzelne Geräusche – wie überall dort, wo Menschen mit Tieren leben.

Mehr als ein Tierheim

Das geplante Tierschutzzentrum Thurgau versteht sich nicht nur als Auffangstation, sondern als Ort der Verantwortung. Es schafft Arbeitsplätze und Lehrstellen, bietet Schulklassen einen Zugang zu gelebtem Tierschutz und wird zum Begegnungsort für Mensch und Tier.

Kinder lernen dort, was Verantwortung bedeutet. Gemeinden profitieren von klaren Zuständigkeiten. Behörden erhalten einen verlässlichen Partner. Und Tiere bekommen eine echte Chance.

Ein Zentrum, das Rückhalt verdient

Tierschutz findet nicht im Verborgenen statt. Er ist Teil unserer Gesellschaft – mit allen Konsequenzen. Wer auf dem Land lebt, lebt mit Tieren. Mit ihren Bedürfnissen, aber auch mit ihrem Wert.

Das geplante Tierschutzzentrum ist kein Störfaktor. Es ist ein Gewinn. Für die Einwohner, die Gemeinde Homburg und den Thurgau – und als Modell für viele andere Regionen.

Ein Projekt, getragen von Menschen mit Haltung

Am Ende dieses Projekts stehen nicht Pläne, Parzellen oder Bauanfragen – sondern Menschen. Allen voran Dr. med. vet. Lisa Goldinger, deren fachliche Kompetenz, unermüdlicher Einsatz und klare Haltung den Tierschutz im Thurgau seit Jahren prägen. Ihr Engagement geht weit über das Selbstverständliche hinaus – medizinisch, organisatorisch und menschlich.

Ebenso verdient der Vorstand der Stiftung Tierschutzzentrum Thurgau grossen Dank. Dass es gelungen ist, verschiedene Tierschutzorganisationen an einen Tisch zu bringen und gemeinsam an einer Vision zu arbeiten, ist keine Selbstverständlichkeit. Es zeugt von Weitsicht, Vertrauen und dem Willen, das Wohl der Tiere über Einzelinteressen zu stellen.

Nicht zuletzt lebt dieses Vorbildprojekt von den vielen weiteren Personen, die mitdenken, mittragen und unterstützen – ehrenamtlich, fachlich oder ideell. Menschen, die Verantwortung übernehmen, auch wenn der Weg lang ist und Widerstände dazugehören.

Das geplante Tierschutzzentrum steht damit nicht nur für bessere Strukturen im Tierschutz, sondern für eine Haltung: dass Tierwohl, Professionalität und gesellschaftlicher Zusammenhalt zusammengehören.

Weitere Informationen, Hintergründe und aktuelle Entwicklungen rund um das Projekt finden sich auf der Website des Tierschutz Thurgau unter https://tierschutz-thurgau.ch/

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