Motivation wird im Hundesport gern romantisiert. Wer sie hat, heißt es, schafft alles. Wer scheitert, war offenbar nicht motiviert genug. Diese Erzählung ist bequem – vordergründig für jene, die nie darüber nachdenken mussten, ob sie überhaupt Zugang zu Trainingsmöglichkeiten haben.
Ich bin motiviert. Das war nie die Frage.
Die eigentliche Frage lautet: Was passiert, wenn Menschen mit sportlichen Erfolgen anderen unterschwellig erklären, deren Ziele seien unrealistisch – nicht wegen des Hundes, sondern wegen des Menschen?
Wenn Erfahrung zur Grenze erklärt wird
Es gibt viele Hundesportler und Trainer aus unterschiedlichen Verbänden, die mich unterstützen, mitdenken und neue Wege mitgehen. Mein Trainingsumfeld ist längst international, meine Unterstützer über ganz Europa verteilt. Sie sehen nicht zuerst den Rollstuhl, sondern das Team, die Arbeit und das Ziel.
Und dann gibt es wenige Stimmen, die lauter wirken, als sie sind. Menschen, die ihre eigene Erfahrung zur Grenze erklären und daraus pauschale Urteile ableiten.
Sätze wie:
„Das ist in deiner Situation nicht machbar.“
„Das ist selbst für Fußgänger schwierig.“
„Man muss realistisch bleiben.“
Was dabei mitschwingt, ist selten eine fundierte Analyse. Es ist oft eine Denkweise, das Möglichkeiten nicht prüft, sondern vorsortiert.
Motivation scheitert selten am Menschen
Ich sitze im Rollstuhl. Ich arbeite mit einem Gebrauchshund. Mein Ziel ist Mondioring. Das ist kein Wunschdenken, sondern eine bewusste Entscheidung. Natürlich gibt es reale Hürden – technische, strukturelle, organisatorische. Aber Motivation scheitert selten am Menschen. Sie scheitert an Systemen, die nie für andere Körper gedacht wurden.
Der Hundesport ist nicht absichtlich ausgrenzend. Aber er ist oft gedankenlos exklusiv. Wer davon abweicht, muss sich erklären oder rechtfertigen – statt gemeinsam nach Lösungen zu suchen.
Ein Muster, das ich gut kenne
Dieses Muster begegnet mir nicht zum ersten Mal. Beim Stand-up-Paddling-Weltrekord. Bei meinen Buchveröffentlichungen. Immer wieder gab es Menschen, die sehr sicher wussten, was angeblich nicht möglich sei.
Und immer wieder stellte sich heraus: Nicht meine Motivation war das Problem, sondern das Mindset anderer.
Grenzen wurden nicht ignoriert, sondern verschoben – durch Arbeit, Struktur und Konsequenz.
Unterstützung verändert Bewegung
Was mich heute trägt, ist nicht der Zweifel Einzelner, sondern das Vertrauen vieler. Menschen, die sehr klar sehen, wo meine Grenzen liegen – und wo nicht. Sie sehen, dass mir im Training manchmal die Hände fehlen, nicht die Ideen. Sie sehen, dass Ausschluss oft nicht böse gemeint, aber trotzdem real ist.
Und sie sagen nicht: „Dann lass es.“
Sie sagen: „Dann ändern wir die Bedingungen.“
Aus dieser Überzeugung heraus ist ein Crowdfunding entstanden – nicht aus Mitleid, sondern aus Verantwortung. Ein Segway-Rollstuhl ist kein Vorteil, sondern ein Werkzeug, um Training auf Augenhöhe überhaupt möglich zu machen.
Mondioring ist kein Traum – es ist ein Ziel
Mondioring ist anspruchsvoll. Genau deshalb reizt er mich. Wer meine Motivation pauschal infrage stellt, ohne sich mit mir, meiner Geschichte oder meiner Arbeit auseinanderzusetzen, offenbart weniger Realismus als Kleingeist – nicht als Beleidigung, sondern als Mindset.
Motivation ist kein Gefühl. Sie ist das Ergebnis von Ernsthaftigkeit, Unterstützung und dem Willen, Möglichkeiten zu denken, bevor man sie ausschließt.



