Ein Hund aus dem Tierschutz braucht ein Zuhause und das am besten so schnell wie möglich. Ich weiß, wovon ich rede, denn ich lebe in Spanien und bekomme live und in Farbe mit, dass Hunde ausgesetzt und von Tierschutzvereinen aufgenommen werden. Ich würde behaupten: Kein Hund fühlt sich in diesen Zwingeranlagen wohl.
Allerdings solltest du nicht dein Mitleid walten lassen, sondern eine Adoption gut überlegen. Du entscheidest über das Leben und das Wohlergehen eines Lebewesens und diese Entscheidung sollte nicht vorschnell gefällt werden. Dieser Artikel soll dir dabei helfen, ehrlich hinzuschauen, bevor du diesen Schritt gehst.
Warum ein Hund aus dem Tierschutz etwas Besonderes ist
Natürlich ist jeder Hund etwas Besonderes, aber Hunde aus dem Tierschutz bringen oft eine Geschichte mit. Die bisherige Lebensgeschichte dieser Hunde ist eher selten bekannt.
Das kann bedeuten:
- Unsicherheiten oder Ängste
- Fehlende Umwelt- oder Alltagserfahrung
- Probleme mit Alleinbleiben, Leinenführigkeit oder Begegnungen mit Menschen oder Hunden
Diese möglichen (!) Probleme sind eine Folge der Erfahrungen des Hundes. Bei manchen Hunden kannst du direkt erkennen, ob er ängstlich, unsicher oder anderen Menschen oder Hunden gegenüber zugewandt und freundlich ist. Aber: Wenn ein Hund bei dir einzieht, wird er zunächst mit all dem Neuen beschäftigt sein, das er kennenlernen und verarbeiten muss. Sein komplettes Verhalten und seinen gesamten Charakter wird er erst nach einigen Wochen oder Monaten zeigen – nämlich dann, wenn er sich eingelebt hat und sich bei dir sicher fühlt.
Bei meiner Hündin Emma war sofort klar, dass sie Angst vor Männern hatte. Und sie war erst 6 Wochen jung, als wir sie an einer unbebauten Küste im Süden Spanien fanden. Dort wurde sie ausgesetzt und sie fiel Zuhause vor lauter Erschöpfung einfach um. Als sie sich ausgeschlafen hatte, zeigte sie mir gegenüber Vertrauen, meinem Mann gegenüber jedoch großes Misstrauen. Und so war es lange Zeit bei allen Männern.
Das bedeutet für dich: Sei offen für alles, was da kommen mag. Und: Vieles lässt sich mit Geduld regeln und ändern. Emma hat heute keine Angst mehr vor Männern. Das brauchte jedoch Zeit und die solltest du einem Hund aus dem Tierschutz immer geben.
Die wichtigste Frage vor der Adoption: Passt ein Hund jetzt in mein Leben?
Die folgenden Fragen dienen der Selbstreflexion und sie gelten nicht nur für Hunde aus dem Tierschutz. Wenn du dir ein Hund in dein Leben holst, solltest du dir immer vorher überlegen, ob ein Vierbeiner zu deiner Situation und zu deinem Alltag passt.
Zeit & Alltag
- Hast du täglich Zeit für Spaziergänge, Training und Beziehung?
- Was passiert bei Krankheit, Stress und Überstunden?
- Wer kümmert sich um den Hund im Urlaub oder Notfall?
Geduld & Nerven
- Kannst du mit Rückschritten umgehen?
- Hältst du es aus, wenn Dinge nicht „einfach funktionieren“?
- Bleibst du ruhig, wenn dein Hund dich fordert?
Kosten & Verantwortung
Tierarzt, Versicherung, Futter, Training – ein Hund kostet Geld. Vor allem bei Krankheiten oder Verletzungen kommen schnell ein paar hundert oder tausend Euro zusammen. Und nicht alles ist vorhersehbar. Emma hatte sich beispielsweise beim Spaziergang ein Vorderbein gebrochen. Es musste natürlich sofort gehandelt werden und so wurde sie noch am selben Tag operiert. Ich wohne in Spanien und die Tierarztkosten sind hier geringer als in Deutschland. Insgesamt kostete die OP inklusive wöchentlicher Nachuntersuchungen rund 1.400 Euro – und das ist schon ein paar Jahre her.
Es gibt keine perfekten Voraussetzungen, aber es gibt ehrliche und unehrliche Entscheidungen. Mir ist es wichtig, dass sich vorher genug Gedanken gemacht werden. Es ist dem Hund gegenüber unfair, unüberlegt zu handeln. Ja, er möchte aus der Zwingeranlage heraus, denn oft sitzen 100, 200 oder noch mehr Hunde dort und das bedeutet Stress für alle. Aber er möchte mit Sicherheit nicht 8 Stunden täglich alleine in einer Wohnung hocken oder nach einiger Zeit wieder zurück in die Zwingeranlage gebracht werden.
Erwartungen vs. Realität im Tierschutz
Ein häufiger Stolperstein ist eine romantisierte Vorstellung:
„Er ist bestimmt dankbar.“
„Mit Liebe wird alles gut.“
„Der Hund merkt, dass er es jetzt besser hat.“
Die Realität:
- Hunde müssen sich erst sicher fühlen
- Vertrauen wächst langsam
- Probleme verschwinden nicht automatisch, nur weil der Ort wechselt
- Liebe ist wichtig, aber Wissen, Struktur und Verständnis sind entscheidend.
Ich möchte niemandem ausreden, einen Hund aus dem Tierschutz aufzunehmen. Im Gegenteil freue ich mich für jeden dieser Hunde, wenn er ein gutes Zuhause bekommt. Dennoch möchte ich dir unbedingt ans Herz legen, dass du nicht unüberlegt oder rein aus Mitleid handelst.
Ja, bei manchen Hund wirkt es so, als seien sie dankbar und ja, natürlich merkt ein Hund, dass es ihm jetzt besser als zwischen 300 anderen Hunden geht. Aber: Liebe alleine reicht nicht aus. Du brauchst unbedingt Geduld und Verständnis.
Für den Hund ist alles neu. Er kommt in eine fremde Umgebung und lebt mit fremden Menschen zusammen. Alle Gerüche sind neu und er kennt noch nicht euren Alltag. Stell dir einfach vor, du wirst in ein fremdes Land gefahren und du verstehst die Sprache nicht. Man setzt dich in ein Haus und sagt dir: Jetzt bist du Zuhause. Würdest du dich von Anfang an sicher fühlen? Bestimmt nicht. So ähnlich fühlt es sich für den Hund an, der bei dir einzieht. Nur dass er nicht entscheiden kann, ob er doch wieder auszieht und sich etwas anderes sucht oder bleibt. Er ist auf dich angewiesen.
Wie du eine gute statt eine impulsive Entscheidung triffst
Wenn du dir unsicher bist, ist das ein gutes Zeichen, denn es bedeutet, dass du dir Gedanken machst und nicht leichtfertig handelst. Genau dabei unterstütze ich dich Schritt für Schritt in meinem Onlinekurs:
„Dein Hund aus dem Tierschutz – von der Suche bis zum Zusammenleben“
Der Kurs hilft dir dabei, realistisch einzuschätzen, ob und welcher Hund zu dir passt. Er zeigt dir, wie du typische Fehler vor und nach der Adoption vermeiden kannst. So startest du gut vorbereitet in ein gemeinsames Leben mit deinem Hund.
Fazit: Jeder kann bewusst entscheiden
Ein Hund aus dem Tierschutz kann dein Leben bereichern, wenn deine Entscheidung durchdacht ist und wenn du dir Zeit nimmst, dich informierst und ehrlich zu dir selbst bist. Ich wünsche dir, dass alles passt und du dir den Wunsch erfüllen kannst, einem Hund ein gutes Zuhause zu bieten.