BOAS Operationen: Diese chirurgischen Eingriffe gibt es für brachyzephale Hunde

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Kurzköpfige Hunde- und Katzenrassen leiden häufig unter Atemproblemen, die durch die gezielte Zucht auf einen kompakten Schädel entstehen. Das brachyzephale obstruktive Atemwegssyndrom (BOAS) kann die Lebensqualität massiv einschränken. Gezielte BOAS Operationen, also verschiedene chirurgische Eingriffe, zielen darauf ab, Engstellen in den Atemwegen zu beseitigen und den Atemwiderstand zu verringern. Welche Optionen es gibt, wann sie sinnvoll sind und was Tierhalter wissen sollten, erklären wir hier.

Vorwort: Wie entsteht BOAS?

Das sogenannte brachyzephale obstruktive Atemwegssyndrom (BOAS) entsteht, wenn die inneren Strukturen des Kopfes, wie Nasenlöcher, Gaumensegel oder Zunge, im Verhältnis zum Schädel zu gross sind. Dies führt zu verengten Atemwegen und einem erhöhten Atemwiderstand. Betroffene Tiere zeigen oft Schnarchen, Röcheln, Würgen oder Belastungsintoleranz.

Und warum das Ganze? Weil bei bestimmten Hunderassen die gezielte Zucht auf einen stark verkürzten Schädel erfolgt. Schon seit Jahrzehnten bevorzugen Züchter und Liebhaber von Möpsen, Französischen Bulldoggen, Englischen Bulldoggen oder anderen brachyzephalen Rassen das sogenannte „Kindchenschema“: kurze Schnauze, runde Augen, flache Gesichtszüge – Merkmale, die auf viele Menschen besonders niedlich wirken.

Durch diese Zuchtwahl entstehen anatomische Missverhältnisse: Nase, Nasenmuscheln, Gaumensegel, Zunge, Kehlkopf und Luftröhre sind für den verkürzten Schädel zu gross. Die Folge sind verengte Atemwege, erhöhter Atemwiderstand und die typischen Symptome des BOAS.

Leider werden viele dieser Rassen noch immer gezielt auf extreme Kurzköpfigkeit gezüchtet. Der Grund liegt in der Nachfrage: Menschen bevorzugen Tiere, die „niedlich“ aussehen, auch wenn dies gesundheitliche Nachteile für die Tiere mit sich bringt.

Kampagnen wie „Frei Schnauze“ oder das Qualzucht-Evidenz-Netzwerk (QUEN) klären über die gesundheitlichen Risiken auf, dennoch bleibt die Beliebtheit dieser Rassen hoch.

Für die betroffenen Hunde bedeutet dies, dass Atemprobleme, Hitzeempfindlichkeit und andere Folgeerscheinungen häufig von Geburt an bestehen – ein Hauptgrund, warum oft irgendwann chirurgische Eingriffe notwendig werden.

BOAS Operation: Rhinoplastik (Erweiterung der Nasenlöcher)

Bei vielen kurzköpfigen Hunden sind die Nasenlöcher zu eng, sodass nicht genügend Luft einströmen kann. Eine Rhinoplastik ist ein chirurgischer Eingriff, bei dem der knorpelige Teil der Nasenlöcher neu geformt wird, um den Lufteintritt zu erleichtern.

Eine Rhinoplastik wird empfohlen, wenn die Nasenlöcher stark verengt sind und das Tier bereits unter Atemgeräuschen, Überanstrengung beim Hecheln oder Hitzeproblemen leidet.

Ablauf: Der Chirurg setzt kleine Schnitte im Bereich der Nasenlöcher, um den Knorpel zu modellieren und die Nasenöffnung zu vergrössern. Dabei kann konventionell mit Skalpell oder schonend mit Laser gearbeitet werden. Die Laserchirurgie minimiert Blutungen, reduziert Schwellungen und verkürzt die Heilungszeit. Nach der Operation werden die Nasenlöcher regelmässig kontrolliert, bis die Heilung abgeschlossen ist.

Schweregrad & Risiken: Die Rhinoplastik gilt als vergleichsweise schonender Eingriff. Risiken bestehen vor allem in Schwellungen oder leichten Nachblutungen. Eine engmaschige postoperative Überwachung ist dennoch erforderlich.

BOAS Operation: Palatoplastik (Kürzung des Gaumensegels)

Das Gaumensegel ist ein weiches Gewebe im Rachen, das beim Atmen den Luftweg passieren lässt. Bei brachyzephalen Tieren ist es oft zu lang oder zu dick, wodurch es die Atemwege teilweise blockiert. Die Palatoplastik entfernt überschüssiges Gewebe und verbessert so den Luftfluss.

Dieser Eingriff wird empfohlen, wenn das Tier trotz erweiterter Nasenlöcher weiterhin Röcheln, Würgen oder Belastungsintoleranz zeigt.

Ablauf: Das überschüssige Gaumensegel wird chirurgisch entfernt und das verbliebene Gewebe so geformt, dass die Atemwege frei bleiben. Eine schonende Laserchirurgie kann die Blutung verringern und die Heilung beschleunigen. Nach der Operation wird der Rachenbereich überwacht, bis Schwellungen zurückgehen und der Luftfluss stabil ist.

Schweregrad & Risiken: Die Palatoplastik ist aufwendiger als die Rhinoplastik und hat ein höheres Narkoserisiko. Schwellungen, Infektionen oder vorübergehende Schluckprobleme können auftreten.

BOAS Operation: Laser-assistierte Turbinektomie (Reduktion der Nasenmuscheln)

Die Nasenmuscheln sind knorpelige Strukturen innerhalb der Nasengänge, die die Luft filtern und befeuchten. Bei Kurzköpfen sind sie oft zu gross oder abweichend geformt und blockieren den Luftstrom. Bei der Laser-assistierten Turbinektomie wird überschüssiges Gewebe entfernt, um die Nasengänge zu erweitern.

Wenn Tiere trotz Rhinoplastik weiterhin Atemprobleme haben oder die Nasenmuscheln zusätzlich verengt sind, kann dieser Eingriff die Atmung deutlich erleichtern.

Ablauf: Mit einem Laser wird das Gewebe der Nasenmuscheln vorsichtig verkleinert. Die Laser-Technik minimiert Blutungen und reduziert postoperative Schwellungen. Die Tiere werden in der Regel noch einige Stunden nach dem Eingriff überwacht, um sicherzustellen, dass der Luftstrom frei bleibt.

Schweregrad & Risiken: Die Turbinektomie gilt als mittelschwerer Eingriff. Risiken bestehen in Schwellungen, Nachblutungen oder vorübergehenden Atembeschwerden.

BOAS Operation: Tonsillektomie (Entfernung der Mandeln)

Die Tonsillen, auch Mandeln genannt, sind lymphatisches Gewebe im Rachenraum, das eine Rolle bei der Immunabwehr spielt. Bei brachyzephalen Hunden können die Tonsillen vergrössert sein und die Atemwege zusätzlich einengen. Eine Tonsillektomie entfernt dieses Gewebe, um die Passage der Luft zu verbessern.

Dieser Eingriff wird empfohlen, wenn Tiere trotz anderer OPs wie Rhinoplastik oder Palatoplastik weiterhin unter Würgen, Röcheln oder Schleimproduktion leiden, oder wenn die Tonsillen so stark vergrössert sind, dass sie die Atmung merklich behindern.

Ablauf: Die Tonsillen werden unter Narkose chirurgisch entfernt. Laserchirurgie kann hier Blutungen minimieren und die postoperative Heilung erleichtern. Nach der Operation wird der Rachen auf Schwellungen, Nachblutungen und normale Atemfunktion überwacht.

Schweregrad & Risiken: Die Tonsillektomie gilt als moderater Eingriff. Bei brachyzephalen Tieren bleibt das Narkoserisiko erhöht. Nachblutungen, Schwellungen und vorübergehende Schluckprobleme können auftreten.

BOAS Operation: Glossopalatoplastik (Gewebereduktion am Zungengrund)

Der Zungengrund ist der hintere Teil der Zunge, der im Rachen liegt. Bei manchen Kurzköpfen ist die Zunge im Verhältnis zu gross, sodass sie die verengten Atemwege zusätzlich blockiert. Eine Gewebereduktion verkleinert gezielt diesen Bereich, um die Atmung zu erleichtern.

Diese Reduktion wird erwogen, wenn Tiere trotz Rhinoplastik, Palatoplastik oder Tonsillektomie weiterhin Atembeschwerden zeigen, besonders beim Schlafen, Hecheln oder bei Hitze.

Ablauf: Überschüssiges Gewebe am Zungengrund wird chirurgisch entfernt oder reduziert. Dabei ist Präzision entscheidend, um die Funktion und Sensibilität der Zunge zu erhalten. Laserchirurgie kann Blutungen und postoperative Schwellungen minimieren. Postoperative Überwachung ist wichtig, um sicherzustellen, dass die Atemwege frei bleiben.

Schweregrad & Risiken: Aufwendiger Eingriff mit mittlerem bis hohem Risiko. Schwellungen können kurzfristig die Atmung beeinträchtigen, und eine intensive Beobachtung nach der OP ist unerlässlich.

BOAS Operation: Larynx- & Tracheal- Plastiken & Stabilisierung (Kehlkopf & Luftröhre)

Bei manchen brachyzephalen Hunden kann es zu einem Kollaps des Kehlkopfs (Larynx) oder der Luftröhre (Trachea) kommen. Dabei fallen die Strukturen teilweise zusammen und verengen die Atemwege erheblich. Chirurgische Techniken stabilisieren diese Bereiche oder setzen einen Stent ein, damit die Luft ungehindert strömen kann.

Dieser Eingriff wird bei fortgeschrittenem BOAS oder schwerer Atemnot empfohlen, wenn andere Massnahmen nicht ausreichen. Besonders Tiere, die bereits kollabierende Atemwege zeigen, profitieren von dieser Stabilisierung.

Ablauf: Je nach Befund wird der Kehlkopf durch Nahttechniken stabilisiert oder ein Stent in die Luftröhre eingesetzt. Die Operation erfordert erfahrene Chirurgen, da die Atemwege extrem empfindlich sind. Postoperative Überwachung auf Schwellungen, Atemnot und Narkosekomplikationen ist zwingend.

Schweregrad & Risiken: Sehr anspruchsvoller Eingriff mit hohem Risiko. Die Narkose selbst ist für kurzköpfige Hunde kritisch, und postoperative Komplikationen wie Atemnot können auftreten.

BOAS Operation: Ventriculectomie (Gewebereduktion der Stimmtaschen)

Die Stimmtaschen sind kleine, sackartige Strukturen am Kehlkopf, die die Stimmbildung unterstützen. Bei manchen brachyzephalen Hunden können sie geschwollen oder ausgestülpt sein, was den Luftstrom behindert und Atemgeräusche verstärkt. Die Resektion entfernt überschüssiges Gewebe und verbessert so die Atemwege.

Wenn übermässiges Gewebe die Luftpassage einschränkt und andere Eingriffe nicht ausreichend Erleichterung bringen, kann die Stimmtaschen-Resektion eine sinnvolle Ergänzung sein.

Ablauf: Das überschüssige Gewebe wird unter Narkose entfernt, in der Regel mithilfe eines Lasers, um Blutungen zu minimieren. Anschliessend wird die Atmung überwacht, bis Schwellungen zurückgehen und der Luftfluss stabil ist.

Schweregrad & Risiken: Moderater Eingriff. Schwellungen, Infektionen oder vorübergehende Stimmveränderungen können auftreten.

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