Romulus und Remus: Zwei Kinder, eine Wölfin und der Beginn Roms

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Romulus und Remus – zwei ausgesetzte Säuglinge, eine Wölfin und der Ursprung einer Weltmacht. Kaum eine Gründungsgeschichte ist so bekannt und zugleich so vielschichtig wie die Sage der römischen Zwillinge. Was als Erzählung über Schutz, Überleben und Schicksal beginnt, wird im Laufe der Jahrhunderte zu einem zentralen Symbol für Rom selbst. Die Darstellung von Romulus und Remus unter der Kapitolinischen Wölfin ist dabei weit mehr als eine hübsche Legende aus der Antike: Sie verdichtet Machtanspruch, Mythologie und das damalige Bild vom Tier in einem einzigen, ikonischen Motiv. Doch wer waren Romulus und Remus wirklich – und warum prägt ihre Geschichte unser Bild von Rom bis heute?

Romulus und Remus – Sage, Ursprung und Überlieferung

Romulus und Remus gelten als die sagenhaften Gründer Roms. Der Überlieferung nach waren sie Zwillingssöhne der Vestalin Rhea Silvia und des Kriegsgottes Mars.

Aus Angst vor Machtverlust liess ihr Grossonkel die Neugeborenen im Tiber aussetzen. Statt zu sterben, wurden sie der Legende nach von einer Wölfin gefunden, gesäugt und beschützt, bis ein Hirte sie aufnahm.

Sage oder historische Realität?

Historisch gesichert ist diese Geschichte nicht. Romulus und Remus gehören eindeutig in den Bereich der Gründungsmythologie.

Dennoch ist der Mythos eng mit einem konkreten Datum verknüpft: der Gründung Roms im Jahr 753 v. Chr. Dieses Datum wurde bereits in der Antike festgelegt und diente den Römern als zeitlicher Referenzpunkt für ihre eigene Geschichte.

Überliefert wurde die Sage durch mehrere antike Autoren, allen voran Titus Livius (1. Jahrhundert v. Chr.) und Plutarch (1./2. Jahrhundert n. Chr.). Beide schildern verschiedene Versionen der Erzählung, was zeigt, dass es sich nicht um einen festen „Urtext“, sondern um eine mündlich gewachsene Tradition handelt.

Vom Findelkind zum Stadtgründer

Nachdem Romulus und Remus von dem Hirten Faustulus aufgenommen und grossgezogen worden waren, erfuhren sie der Sage nach später von ihrer königlichen Herkunft. Gemeinsam stürzten sie den Usurpator, der sie einst hatte aussetzen lassen, und beschlossen anschliessend, selbst eine Stadt zu gründen.

Doch genau hier spaltete sich ihr Weg. Romulus und Remus konnten sich nicht darauf einigen, wo und wie diese neue Stadt entstehen sollte. Der Konflikt eskalierte – in den meisten Überlieferungen tötet Romulus schliesslich seinen Bruder Remus. Dieses Motiv ist zentral: Der Ursprung Roms ist nicht nur göttlich legitimiert, sondern auch von Gewalt und Ordnungskampf geprägt.

Romulus gründete daraufhin die Stadt Rom auf dem Palatin und wurde ihr erster König. Seine Herrschaft markiert den Übergang vom Mythos zur politischen Ordnung.

Die Rolle der Wölfin

Die Wölfin ist im Mythos von Romulus und Remus weit mehr als ein rettendes Tier. Sie übernimmt eine zentrale symbolische Funktion: Ohne sie gäbe es keine Überlebenden – und damit keinen Ursprung Roms. Indem sie die ausgesetzten Säuglinge säugt und schützt, wird sie zur ersten Hüterin der späteren Stadtgründer.

In der antiken Vorstellung war der Wolf ein ambivalentes Tier. Er stand zugleich für Wildheit und Ordnung, für Gefahr und Schutz. Genau diese Doppelrolle macht die Wölfin zur idealen Figur im Gründungsmythos: Sie verkörpert die rohe Kraft der Natur, die jedoch nicht zerstört, sondern bewahrt.

Auffällig ist zudem, dass die Wölfin an die Stelle eines Menschen tritt. Sie ersetzt die Mutter, die den Kindern verwehrt blieb, und überbrückt damit die Phase zwischen Aussetzung und Aufnahme in die menschliche Gemeinschaft. Erst nach dieser tierischen Schutzzeit treten Romulus und Remus wieder in eine menschlich geordnete Welt ein. Die Wölfin fungiert somit als Bindeglied zwischen Natur und Gesellschaft.

In der bildlichen Darstellung – insbesondere bei der Kapitolinischen Wölfin – wird diese Rolle noch verstärkt. Die Wölfin steht aufrecht, wachsam und souverän, während die Kinder unter ihr liegen. Das Machtgefälle ist bewusst inszeniert: Das Tier erscheint nicht als Begleiter, sondern als tragende Instanz.

Fakten auf einen Blick

  • Name der Statue: Lupa Capitolina (Kapitolinische Wölfin)
  • Motiv: Wölfin säugt die Zwillingskinder Romulus und Remus
  • Ort / Aufstellung: Kapitolinische Museen, Rom, Italien
  • Historischer Standort: Kapitolsplatz, ursprünglich Teil römischer Kultstätten
  • Datierung: Wölfin vermutlich 5. Jahrhundert v. Chr., Figuren von Romulus und Remus höchstwahrscheinlich Renaissance (15. Jahrhundert)
  • Material: Bronze

Was sagt diese Darstellung über das damalige Hundebild aus?

Die Kapitolinische Wölfin zeigt kein „Hundebild“ im heutigen Sinne. Das Bild, das hier sichtbar wird, ist kein emotionales, sondern ein symbolisches. Der Wert des Tieres liegt in seiner Funktion: Es sichert Leben, schützt das Schwache und legitimiert Macht. Die Wölfin verleiht Romulus und Remus eine Herkunft, die über menschliche Abstammung hinausgeht.

Auffällig ist dabei die Hierarchie: Die Kinder sind nackt, verletzlich und abhängig – das Tier ist stark, stehend, souverän. Der Wolf erscheint nicht untergeordnet, sondern als tragende Instanz im Gründungsmythos.

Im Gegensatz zum heutigen, vom Wolf abstammenden und domestizierten Haustier-Hund geht es hier nicht um Nähe, Freundschaft oder Gefährtenrolle.

Der Wolf steht für Naturkraft, Wildheit und göttliche Begleitung – Eigenschaften, die den Zwillingen ihre besondere Herkunft und Legitimation verleihen. Die Wölfin vermittelt Ordnung zwischen Natur und Mensch: Sie schützt das Schwache, ohne vermenschlicht zu werden.

Transfer in die Gegenwart

Aus den wilden Vorfahren der Hunde, den Wölfen, haben Menschen Tiere domestiziert, die heute vor allem Begleiter, Gefährten und Teil der Familie sind. Doch manche Rollen sind geblieben: Schutz, Wachsamkeit, Loyalität und die Fähigkeit, Verantwortung wahrzunehmen, begleiten Hunde bis heute.

Romulus und Remus zeigen uns, dass schon in der Antike Tiere Schutz und Orientierung gaben – während wir heute eher die emotionale Nähe schätzen, bleiben die instinktiven Eigenschaften ihrer Vorfahren ein Teil dessen, was Hunde für uns so besonders macht.

Jedes Motiv erzählt eine Geschichte…

In dieser Serie nehmen wir dich mit auf Ausflüge zu faszinierenden, besonderen und spannenden Sehenswürdigkeiten, Orten, Plätzen oder Motiven, bei denen Hunde eine Rolle spielen.

Jedes Mal stellen wir uns die Frage: Warum ist dort ein Hund zu sehen? So wie wir bereits im ersten Beitrag erforscht haben, warum ein Hund am Sockel des Neptunbrunnens wacht, erkunden wir hier die Bedeutung von Romulus und Remus unter der Kapitolinischen Wölfin – und entdecken, wie Hunde (oder ihre wilden Vorfahren) seit jeher Symbolkraft und Schutz verkörpern.

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